In eine städtische Unterkunft wollen die wohnungslosen Menschen der Stadtverwaltung zufolge nicht.
„Dauerproblem“Wohnungslose Menschen übernachten regelmäßig in Kerpener Fahrradstation

Gerade bei niedrigen Temperaturen ist das Leben auf der Straße gefährlich (Symbolfoto)
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Immer wieder übernachten wohnungslose Menschen in der Fahrradstation an den Sindörfer Höfen, Thaliastraße. Das berichten einhellig Politiker, Bürger und die Stadtverwaltung. „Leider kommt es auch immer wieder vor, dass die Menschen hier ihre Notdurft verrichten“, berichtet Branko Appelmann, Vorsitzender des Sindorfer SPD-Ortsvereins. Hinzu komme, dass die Menschen regelmäßig ihren Müll hier liegen ließen. Auch in dem eigentlich abgesperrten Bereich der Fahrradanlage nächtigten Menschen. Dabei braucht man für den Zugang einen Zahlencode.
Kerpen: Städtische Angebote werden abgelehnt
Ein Bürger macht zudem darauf aufmerksam, dass sich bereits Bürgerinnen und Bürger im Anliegenmelder der Stadt über die Situation beschweren. Ihm zufolge handele es sich dabei um ein „Dauerproblem“. Appelmann erklärt, dass bei diesem Thema „natürlich zwei Herzen in meiner Brust schlagen“: „Einerseits möchte man diese Menschen nicht verscheuchen, zumal sich das Problem dann nur verlagert. Irgendwo müssen sie ja schlafen. Andererseits ist die Anlage leider sehr verschmutzt. Für die Nutzer ist es ärgerlich, wenn in der Fahrradbox Fäkalien und Müll herumliegen und es stinkt.“

In der Fahrradstation in Kerpen-Sindorf übernachten regelmäßig Obdachlose. Dadurch ist sie vermüllt und riecht nach Fäkalien.
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Er berichtet aber auch, dass es durchaus städtische Angebote für die Unterbringung wohnungsloser Menschen gibt. „Allerdings wollen viele Obdachlose dort nicht hin, weil sie zum Beispiel Angst haben, beklaut zu werden.“ Ein weiteres Problem für viele Obdachlose ist, dass in derlei Unterbringungen oft die Mitnahme eines Hundes nicht erlaubt ist. Die Kerpener FDP stellte dazu kürzlich einen Antrag und forderte auch, einen „Runden Tisch Obdachlosigkeit“ einzurichten.
Ordnungsamt laut Stadtverwaltung täglich vor Ort
Der Kerpener Stadtverwaltung ist das Problem bekannt. „Die Situation an der Fahrradstation Sindorf wird durch die Kolleginnen und Kollegen des Kommunalen Außendienstes täglich in Augenschein genommen. Sollten sich dort Personen widerrechtlich aufhalten, werden entsprechende Platzverweise ausgesprochen“, heißt es aus der Pressestelle.
Der Außendienst des Ordnungsamts habe an der Stelle im Zeitraum von August 2025 bis Januar 2026 fast täglich Kontrollen durchgeführt. „Die Kontrollen erfolgen regelmäßig und zu unterschiedlichen Zeiten zwischen 6.45 Uhr und 22 Uhr und werden auch weiterhin fortgesetzt“, heißt es.
„Personen, die vor Ort angetroffen werden, werden jeweils eine Unterbringung in städtischen Unterkünften angeboten. Diese werden jedoch immer wieder abgelehnt“, heißt es weiter von der Stadtverwaltung: „Darüber hinaus wird über das Hilfsangebot des SKM informiert, der mit dem Projekt ‚Stark‘ einmal wöchentlich im Stadtgebiet unterwegs ist und Unterstützung mit Ausstattungspaketen anbietet sowie mit Beratungen.“
Auch der Hausverwaltung, der HKP Hennemann GmbH aus Bergheim, ist das Problem laut Eigenangaben bekannt. Doch auch sie habe hier wenig Handlungsspielraum, sagt Geschäftsführerin Heidi Heckmann: „Sobald der Hausmeister oder aber die Hausverwaltung Personen in der Fahrradstation antrifft, wird dies der Stadt gemeldet. Leider können wir Weiteres ebenfalls nicht unternehmen und sind über jede Kontrollen seitens des Ordnungsamtes sehr erfreut.“
Die SPD hatte in der Vergangenheit mehrere Anträge gestellt, um die Situation von obdachlosen Menschen im Stadtgebiet zu verbessern. So sollte die Stadt etwa zusätzliche Unterbringungsmöglichkeiten vor allem im Winter prüfen und ermitteln, ob es noch Potenzial gibt, um die Sicherheit in den Unterkünften zu steigern. Auch hat die SPD ein Foodsharing-Angebot beantragt, von dem auch Obdachlose profitieren könnten.

