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Er wurde nur 61 Jahre altTrauer um Pulheimer Karnevalslegende Harald Müller

5 min
Auf dem Foto ist ein Mann in Karnevals-Uniform zu sehen.

Harald Müller ist im Alter von 61 Jahren gestorben.

Der gleichermaßen rührige wie schillernde Franke hat im Rheinland vielerorts seine Spuren hinterlassen. Sein Tod sorgt für Fassungslosigkeit.

Harald Müller ist tot. Wie mehreren Nachrufen in sozialen Netzwerken zu entnehmen ist, ist der gebürtige Franke am Sonntag kurz nach seinem 61. Geburtstag gestorben. Das Portal koeln0221.de berichtet, er sei in seinem Restaurant „Wirtshaus am Markt“ in Pulheim leblos aufgefunden worden, offenbar hatte er einen Herzinfarkt erlitten.

Der 1.FC Nürnberg-Anhänger war eine bekannte Größe im Kölner und Pulheimer Karneval. Als Ex-„Hausmeister“ des Kölner Rotlichttempels „Pascha“ mischte er in Verantwortung des damaligen Vereins „Pascha für Menschen in Not e.V.“ die Karnevalsszene gehörig auf. Bundesweit sorgte er 2012/2013 als Prinz Harald I. der Pulheimer Karnevalsgesellschaft (KG) „Ahl Häre“ für Aufsehen. Einen Auftritt mit Gefolge im „Pascha“ kritisierte die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer scharf.

Die ganze Karnevalsfamilie trauert um einen besonderen Menschen und guten Freund
1. KG Straßenbahnsitzung

Seine KG, die „Ahl Häre“, zeigt sich in einem Facebook-Post tief betroffen: „Mit großer Bestürzung haben wir am heutigen Tage die Nachricht über den plötzlichen Tod unseres Vereinsmitglieds, dem Wirt unserer Hofburg, ehemaligen Senatspräsidenten und Ex-Prinzen Harald Müller erhalten. In den letzten 16 Jahren hat uns viel miteinander verbunden. Wir sind dankbar, Harald in unseren Reihen gehabt zu haben. Unsere Gedanken sind bei seiner Lebensgefährtin Bianca, seinem Sohn Florian und der gesamten Familie.“ In der kommenden Session sollte Harald Müller erneut Pulheimer Prinz werden.

„Wir alle sind zutiefst geschockt. Die Nachricht von seinem plötzlichem Tod hat uns den Boden unter den Füßen weggezogen“, sagte Norbert Rohde, Präsident der KG Ahl Häre, in einem Telefonat. Am Sonntag (22. März) nach der Hauptversammlung des Veedelszogs (einer Abteilung der Ahl Häre, d. Red.) hätten er und seine Frau Gisela noch mit Harald Müller und dessen Lebensgefährtin Bianca Sagurna, der Schatzmeisterin der KG, zusammengesessen.

Er war ein Freund der Vereine, ein Mensch, der sozial sehr engagiert und sehr beliebt war
Norbert Rohde, Präsident der KG Ahl Häre

„Er war gut gelaunt, es gab keine Anzeichen, dass es ihm nicht gut geht“, ergänzt Rohde tief berührt, wie viele andere. Am Montagabend (23. März) hätten sich 70 oder 80 Mitglieder der Ahl Häre und der Löschgrenadiere spontan vor dem Wirtshaus am Markt getroffen. „Sie alle standen stillschweigend da, zutiefst betroffen.“

Mit Harald Müller, der Mitglied der Ahl Häre war, verliert Norbert Rohde einen guten Freund. „Ich kenne ihn seit mehr als seit mehr als 20 Jahren. Er ist in all den Jahren ein guter Freund geworden. Er war ein Freund der Vereine, ein Mensch, der sozial sehr engagiert und sehr beliebt war. Er war ein Vollblutgastronom, er ist mit dem Pulheimer Publikum gut zurechtgekommen.“

Ein Mann steht hinter der Theke, links an der Theke sitzt ein weiterer Mann.

Harald Müller (r.) mit Norbert Rohde kurz vor der Eröffnung des Wirtshaus am Markt im Mai 2020.

Harald Müllers plötzlicher Tod stellt die KG Ahl Häre vor große Herausforderungen. Harald Müller, Günter Reichel und Guido Wolber hätten sich vor ein paar Jahren als Dreigestirn für die Jubiläumssession – 2027 feiert die KG ihr 100-jähriges Bestehen - beworben. „Wir haben das Angebot sehr gerne angenommen. Alles ist vorbereitet, die Orden, die Musik, die Ornate, die Session könnte morgen beginnen. Alle Sitzungen inklusive Proklamationssitzung sind ausverkauft.“

Hinzu kommt, dass das Wirtshaus am Markt von einem Tag auf den anderen keinen Pächter mehr hat. „Wir als KG haben das Haus für 30 Jahre gepachtet mit der Maßgabe, dass wir einen Gastronom einsetzen, der das Wirtshaus führt zwecks Finanzierung und Unterhalt des Gebäudes und mit dem Ziel, den Marktplatz und die Innenstadt insbesondere durch die Außengastronomie zu beleben. Wir müssen uns jetzt zusammensetzen und überlegen, wie wir das Wirtshaus weiterführen können.“

Harald, du wirst uns unendlich fehlen! Wir gedenken mit einem stillen Alaaf!
KG Pulheimer Löschgrenadiere Blau-Rot von 2019

Fassungslosigkeit auch bei der 1. KG Straßenbahnsitzung:  „Harald Müller war nicht nur unser Kamerad, er war auch Familienvater, guter Freund und Wirt mit Herzblut. Von Beginn an war er Gründungsmitglied unserer Gesellschaft, ein großer Unterstützer und ein enger Freund. Die ganze Karnevalsfamilie trauert um einen besonderen Menschen und guten Freund. Wir wünschen seiner Familie im Namen des Vorstands und all seiner Kameraden unserer Gesellschaft unser aufrichtiges und tief empfundenes Beileid und viel Kraft in dieser schweren Zeit.“

Harald Müller war eng mit dem Brauchtum verbunden.

Harald Müller war eng mit dem Brauchtum verbunden.

Ähnlich äußert sich die KG Pulheimer Löschgrenadiere Blau-Rot von 2019: „Mit großer Bestürzung und tiefer Trauer nehmen wir Abschied von unserem Literaten und Freund Harald Müller. Noch am 20. März durfte er seinen 61. Geburtstag feiern und blickte voller Vorfreude auf die kommende Session, in der er als Pulheimer Prinz in der Jubiläumssession der KG Ahl Häre proklamiert werden sollte.“ Müller sei weit mehr als ein Vereinskamerad gewesen – „er war ein Freund und ein fester Bestandteil unserer Karnevalsfamilie. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Partnerin Bianca, seinem Sohn Florian sowie allen Angehörigen. Harald, du wirst uns unendlich fehlen! Wir gedenken mit einem stillen Alaaf!“

Harald Müller war anderenimmer einen Schritt voraus

Die Pulheimer Narrenzunft schreibt, sie werde Müller schmerzlich vermissen und ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren: „Als Franke im Rheinland gelandet, war Harald mit seinem feinen Humor stets authentisch, mit dem Herz am rechten Fleck, gradlinig mit festen Werten, ehrlich und verlässlich.“

Auch Wolfgang Lutter von der Kölschagentur  kannte Harald Müller gut.  Der Verstorbene sei ein Möglichmacher, Ideengeber und Antreiber gewesen. Einer, der nicht lange geredet, sondern einfach gemacht habe. „Durch ihn und mit ihm durften wir Dinge erleben, die man nicht vergisst: ein Konzert der Big Maggas im Pascha, großartige Damen- und Herrenkarnevalssitzungen – voller Leben, voller Herz, genau so, wie Harald es geliebt hat,“ heißt es auf der Facebook-Seite der Agentur.

Auf den Stufen zu Müllers Gaststätte wurden Blumen abgelegt und Kerzen aufgestellt. Ein Foto zeigt den Verstorbenen.

Auf den Stufen zu Müllers Gaststätte wurden Blumen abgelegt und Kerzen aufgestellt. Ein Foto zeigt den Verstorbenen.

Als engagierter Literat der Pulheimer Löschgrenadiere habe Müller den Karneval mitgestaltet, geprägt und mit Leben gefüllt. Auch als Wirt vom Wirtshaus sei er weit mehr als nur Gastgeber gewesen. Er war „Treffpunkt, Zuhörer und oft einfach der gute Geist des Hauses. Mit Herz, mit Humor, mit einem Gespür für Menschen und für das, was zusammenbringt. Immer mit einer neuen Idee im Kopf – und oft schon einen Schritt weiter als alle anderen.“

Jens Kehr, Präsident der Löschgrenadiere, ringt hörbar um Fassung. „Er und Harald Müller seien eng befreundet gewesen. Wir haben uns sehr auf die Session gefreut. Ich wäre sein Prinzenführer geworden. Ich habe nur seinetwegen zugesagt. Ich bin fassungslos, mir fehlen die Worte.“ Auch die Grosse Braunsfelder trauert um ihr langjähriges Mitglied und „unseren geschätzten Freund Harald Müller“.

Betroffen reagiert auch Pulheims Bürgermeister Frank Keppeler: „Der plötzliche Tod von Harald Müller hat mich tief erschüttert. Er war als Betreiber des Wirtshauses am Markt ein herzlicher Gastgeber. Für den Karneval hat er sich ehrenamtlich engagiert und war den unterschiedlichen Gesellschaften eine verlässliche Stütze. Sein Traum, zum zweiten Mal als Prinz in Pulheim zu amtieren, erfüllt sich nun leider nicht mehr.“