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Närrisches TreibenWarum Konfetti im Rhein-Erft-Kreis immer mehr in die Kritik gerät

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Jecken feiern den Auftakt der Karnevalssession mit Konfetti, in einigen Städten ist es bereits verboten.

Jecken feiern den Auftakt der Karnevalssession mit Konfetti, in einigen Städten ist es bereits verboten.

Konfetti gerät während der jecken Tage immer mehr in Kritik. In Frechen sollen die Narren darauf verzichten.

Es ist bunt, rund, sorgt für gute Laune und ist ein Symbol für Partystimmung: Das Konfetti. Doch beim närrischen Treiben an Rhein und Erft sind die Papierschnipsel bei den Jecken gar nicht mehr so gern gesehen. Immer mehr Zugleiter oder Sitzungspräsidenten appellieren an die Karnevalisten, die Tüten mit Konfetti zuhause zu lassen – nicht nur aus Umweltschutzgründen, sondern auch, weil sie ein Sicherheitsrisiko darstellen und in der Entsorgung mühsam und teuer sind. So bitten auch der Frechener Zugleiter Erich Braun und sein Stellvertreter Walter Kirch erneut, „alle Zugteilnehmer und unsere Zuschauer am Straßenrand, auf die beliebten Papierfetzen zu verzichten“. Sie erinnern, dass sie bereits seit 2023 für alle Zugteilnehmer den Einsatz von Konfetti generell ausgeschlossen hätten. Dafür gebe es einige gute Gründe, selbst wenn auf den Tüten das Wörtchen „Bio“, „selbstauflösend“ oder „kompostierbar“ stände. Die Kosten für die Müllentsorgung seien enorm und die Reinigungsfahrzeuge könnten insbesondere bei Nässe das Konfetti und auch Luftschlangen kaum aufnehmen. Sogar offiziell verboten ist Konfetti in den Rosenmontagszügen in Aachen und Düsseldorf, in Köln gilt es lediglich als „nicht erwünscht“.

Erich Braun ist Zugleiter des großen Karnevalzugs in der Frechener Innenstadt.

Walter Kirch ist stellvertretender Zugleiter des großen Karnevalzugs in der Frechener Innenstadt.

In Aachen gilt: Wer sich nicht daran hält, dem droht ein Zugverweis. Die Papierschnipsel verteilten sich in der Stadt, seien rutschig und schwer zu entfernen, sagt der Präsident des Festausschusses Aachener Karneval (AAK), Frank Prömpeler. Das Konfetti auf dem Kopfsteinpflaster in der historischen Innenstadt könne so glatt sein, dass Karnevalswagen dort keinen Halt hätten. Schmerzliche Erfahrungen mit Konfetti musste auch bereits die Kölner Karnevalssängerin Marita Köllner, „Et Fussich Julche“, machen: Sie stürzte im Januar 2023 auf einer Bühne in Gladbach-Vettweiß, weil sie laut eigenen Angaben vollkommen unerwartet auf Konfetti ausgerutscht sei. Trotz eines blutigen Knies und Rippen-Prellungen setzte sie zwar den Auftritt fort, musste dann aber doch einige Tage pausieren. Der Vorfall entfachte auch eine Diskussion über Konfetti auf Sitzungen. „Ich hätte mir das Genick brechen können“, wird Köllner zitiert. Die beiden Organisatoren des Zuges in der Frechener Innenstadt beklagen auch, dass die bunten Papierschnipsel sich noch Monate nach Karneval in den Grünanlagen und Gullies an den Straßen fänden. Auch der Naturschutzbund (Nabu) ruft dazu auf, zugunsten der Umwelt und der Wildtiere auf den Partyartikel zu verzichten - ihre Rückstände gelangten zu oft in die Natur und hätten dort auch nach langer Zeit noch negative Effekte. Die Stadtbetriebe in Frechen sind ebenfalls für einen konfettifreien Karneval: „Die Problematik mit dem Konfetti können wir bestätigen, insbesondere bei Regen beziehungsweisen nassen Straßen gestaltet sich die Reinigung dadurch deutlich schwieriger“, so Ralf Harff, Abteilungsleiter Kanal, Elektro, Straße der Stadtbetriebe. Während der gesamten Karnevalstage seien die Stadtbetriebe mit rund 30 Fahrzeugen und etwa 65 Mitarbeitenden im Einsatz, was insgesamt rund 770 Arbeitsstunden bedeute. Für den Zug in der Frechener Innenstadt sind etwa 22 Fahrzeuge und 35 Mitarbeitende eingeplant, berichtet Harff. Das entspreche einem Gesamtaufwand von rund 350 Arbeitsstunden.

Besonders bei Regen gestaltet sich die Reinigung deutlich schwieriger

Darin enthalten sei auch das Aufstellen von Halteverbotsschildern, das bereits statt gefunden hat. Neben Konfetti sieht Harff auch das Problem mit Flaschen, das Thema sei sehr präsent. „Es wäre generell wünschenswert, wenn die Jecken ihren eigenen Müll, selbstverständlich auch die Flaschen, eigenständig entsorgen würden“, hofft der Abteilungsleiter. Auch das Festkomitee Frechener Karneval und die beiden Zugleiter appellieren, auf Gläser und Glasflaschen zu verzichten, um keine Scherben zu verursachen. Sie würden Verletzungsgefahren bergen und auch „die Reifen der Rettungswagen der Feuerwehr sind nicht unsterblich“, heißt es in einer Mitteilung. Zudem könnten kleine Schnapsfläschchen unter den Lkw-Reifen der Zugfahrzeuge der Festwagen zu Geschossen werden. Braun und Kirch fordern die Jecken eindringlich auf: „Wir bitten alle, es den Mitarbeitern der Stadtbetrieben nicht allzu schwer zu machen, unsere Straßen und Wege wieder in einen sauberen Zustand zu versetzen.“

Das Biuld zeigt Erich Braun, der Zugleiter des großen Karnevalzugs in der Frechener Innenstadt ist.

Erich Braun ist Zugleiter des großen Karnevalzugs in der Frechener Innenstadt.

Beim Närrischen Elias in Brühl, neben Frechen und Wesseling einer der größten Züge im Rhein-Erft-Kreis, hat man weder seitens der Stadtverwaltung noch des Festausschusses Brühler Karneval ein Konfetti-Verbot ausgesprochen. Auch in Heide und Pingsdorf weiß man nichts von einem Verbot. In Kerpen ist der Umgang mit Konfetti nicht einheitlich geregelt. Beim Kerpener Rosenmontagszug ist das Konfettiwerfen verboten. Gründe dafür sind auch in der Kolpingstadt der Reinigungsaufwand sowie die Verletzungsgefahr. In Horrem sind an Rosenmontag Nebel- und Pyrotechnik sowie Konfettikanonen verboten, sagt Heinz Clermont, erster Vorsitzender des Horremer Festausschusses. Das simple Werfen von Konfetti dagegen ist erlaubt. „Wir schreiben das den Gästen des Zugs nicht vor“, sagt Clermont. Auch der FSK Sindorf bittet online darum, beim Kinderzug keine Konfettikanonen abzufeuern.

Das Bild zeigt einen Karnevaljecken mit Konfetti.

Beim Närrischen Elias in Brühl hat man weder seitens der Stadtverwaltung noch des Festausschusses Brühler Karneval ein Konfetti-Verbot ausgesprochen.

In Hürth war das Konfetti Thema bei der Zugleiterbesprechung. In den Verträgen zwischen Veranstaltern und den teilnehmenden Gruppen bei den Karnevalszügen sei der Verzicht auf Konfettikanonen festgeschrieben, berichtet Martina Thiele-Effertz, Pressesprecherin der Stadt. Ausdrücklich verboten sei der Einsatz von mit Bändchen oder Plättchen aus Plastik gefüllten Konfettikanonen. „Wir verzichten schon seit Jahren auf Konfetti, aus Gründen der Nachhaltigkeit“, sagt Frank Tesch, Vorsitzender der Funken Rot-Weiß Gleuel, die mit sieben Prunkwagen die größte Gruppe im Rosenmontagszug und auch das Dreigestirn in Hürth-Gleuel stellen. Tesch appelliert auch an die Besucher am Wegesrand, auf die inzwischen weit verbreiteten Konfettikanonen zu verzichten. „Das sieht zwar erstmal schön aus, wenn man die zündet, aber das Konfetti bleibt dann in den Dachkallen und im Gebüsch hängen“, so Tesch. In Bedburg stellt Konfetti kein wirkliches Problem dar, sagt Zugleiterin Nicole Grosser. „Wir werfen eher mit Kamelle.“ Allerdings werden die Zugteilnehmer vor dem Start des Zugs darauf hingewiesen, keinen Müll zu hinterlassen, sondern ihn möglichst gleich aufzusammeln. Auch in Bergheim gibt es kein pauschales Konfetti-Verbot, es gelte aber dennoch die Auflage, dass Menschen die Straßen und Plätze frei von Verschmutzung halten sollen.

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Veilchendienstagszuges in Pulheim seien verpflichtet, Müll zu vermeiden und nicht auf die Straßen, Bürgersteige und Beete zu werfen, so Norbert Rohde, Präsident der KG Ahl Häre. „Explizit über Konfetti wurde bislang nicht gesprochen, es war kein Thema.“ Im Zoch in Stommeln ist Konfetti nicht verboten. „Die Karnevalsgruppen wurden gebeten, auf Konfetti zu verzichten. Wegen der Reinigung der Straßen und aus Umweltgründen. Ich hoffe darauf, dass alle Teilnehmer das einsehen werden“, so Arno Hardt, Zugleiter der KG Stommeler Buure.