Der 1. FC Köln empfängt die TSG Hoffenheim. Matthias Breuer sprach mit Michael Olligschläger, Leiter des Kreis-Lehrstabs im Schiedsrichterwesen des FVM.
FußballSchiedsrichter sieht den 1. FC Köln gegen Hoffenheim vorne

Im FVM-Pokalfinale der Amateure 24 zwischen dem TSV Alemannia Aachen gegen den Bonner SC stand Michael Olligschläger als vierter Offiziller am Seitenrand.
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Wie wirkte sich in den zurückliegenden Wochen der Fall um den Kölner Schiedsrichter Pascal Kaiser auf ihre Arbeit im Lehrstab aus?
Jeder Fall von Gewalt auf oder neben dem Platz ist natürlich einer zu viel und auf das Allerschärfste zu verurteilen. Offiziell hat sich bei uns im Kreis aufgrund der Vorkommnisse in Köln aber kein Schiedsrichter aktiv gemeldet. Wir stehen durch unsere Weiterbildungen im kontinuierlichen Austausch mit den Schiedsrichtern und auch dort wurde keine Verunsicherung an uns herangetragen. Ich führe das darauf zurück, dass unsere Schiedsrichter verhaltenssicher sind und sich durch unsere Ausbildung für schwierige Situationen gewappnet fühlen. Unsere Schiris identifizieren sich so stark mit ihrem Hobby, dass sie diesen Vorfall – so schlimm er im Einzelfall ist – nicht als Gefahr für ihre eigene Tätigkeit sehen.
Berichte über Gewalt auf und neben dem Fußballplatz sind dennoch keine Seltenheit. Warum sollten sich Schiedsrichter nicht von ihrem Ehrenamt abbringen lassen?
Der DFB hat den Schiedsrichtern ein Meldesystem ermöglicht, dem gewaltsame Vorkommnisse und Fälle von Diskriminierung in Spielen gemeldet werden müssen. Dank des Systems haben wir ein transparentes Lagebild: Von den rund 65.000 Spielen, die deutschlandweit jedes Wochenende stattfinden, verlaufen über 99,5 Prozent völlig ohne Vorkommnisse. Ich appelliere daher ganz klar daran, die Kirche im Dorf zu lassen. Im Kreisgebiet ist es ebenfalls so, dass die Sonntagsspiele überwiegend von Fairness geprägt sind. Der Amateur-Fußball hat somit sicher kein strukturelles Gewaltproblem. Es sollte jedoch weiterhin wichtig sein, dass wir unsere Null-Toleranz-Politik gegenüber der verschwindend geringen Anzahl an Ausnahmefällen weiterfahren und akzeptieren, dass alle Beteiligten Fehler machen und damit sportlich fair umgegangen werden muss.
Nehmen sie den Videoassistent als eine Bereicherung wahr? Viele FC-Fans fühlten sich im Spiel gegen RB Leipzig benachteiligt...
Der Videoassistent ist natürlich ein zweischneidiges Schwert bei den Fans. Besonders dann, wenn ein Handspiel nicht geahndet werden kann, weil zuvor eine Abseitsstellung festgestellt wird, die mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen ist. Gleichwohl halte ich die Einführung für sinnvoll, um bei spielentscheidenden Szenen einfach die richtige Entscheidung stehen zu haben. Denn in letzter Konsequenz geht es im Profi-Fußball um sehr viel Geld und sogar um Arbeitsplätze.
Die TSG Hoffenheim ist das Überraschungsteam der Liga. Was macht sie so erfolgreich, und vermissen Sie den Ex-Kölner Tim Lemperle, der entscheidende Anteile am Erfolg der Kraichgauer hält?
Lemperle ist sicherlich ein sehr schmerzhafter Abgang für den FC gewesen und ein großer Gewinn für Hoffenheim. Im Hinspiel hat sich der FC jedoch schon als durchsetzungsstärker bewiesen und drei Punkte mit nach Köln nehmen können. Dennoch sehe ich, dass es die Hoffenheimer nach einer schweren Saison geschafft haben, Ruhe in ihren Verein hineinzubringen, was ihr derzeitiger Vorteil ist. Hier in Köln entsteht schon ein Riesenaufruhr, wenn der Standard-Trainer ausgetauscht wird.
Der letzten Heimerfolg über die TSG haben die Kölner und Sie als Dauerkarteninhaber vor elf Jahren gemeinsam bejubelt. Können die Geißböcke diesen Negativ-Lauf durchbrechen, und erlebt Schiedsrichter Robert Schröder einen angenehmen Nachmittag?
Die Personalentscheidung rund um den FC-Standardtrainer wird eine Signalwirkung bei den FC-Spielern entfachen, sodass ausgerechnet gegen standardstarke Hoffenheimer etwas möglich sein wird. Dennoch wird Hoffenheim brandgefährlich bleiben, sodass ich von der Südtribüne aus ein hart erkämpftes 2:1 für den FC sehen werde. Die Fußballprofis werden dabei keine Rücksicht auf Schiedsrichter Schröder nehmen, sodass dieser einen sehr arbeitsintensiven Nachmittag mit vielen harten Zweikämpfen erlebt und in den ersten 15 Minuten Akzente setzen muss.
