Im Kreistag in Bergheim fand sich nach mehreren Anläufen endlich eine große Mehrheit für ein Nachtfahrverbot.
IgelschutzNächtliche Fahrten von Mährobotern im Rhein-Erft-Kreis bald verboten

Igel werden von Mährobotern oft nicht wahrgenommen. Der Rhein-Erft-Kreis verbietet nun nächtliche Fahrten der Maschinen.
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Das Nachtfahrverbot für Mähroboter im Kreis ist beschlossene Sache. Der Kreistag hat in seiner Sitzung am Donnerstag, 12. März, mit großer Mehrhheit beschlossen, von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang ein Fahr- und Betriebsverbot für Mähroboter zu erlassen. Dagegen stimmte lediglich die AfD-Fraktion. Gleichzeitig sprach sich der Kreistag einstimmig dafür aus, die Aufklärungskampagne im Jahr 2026 fortzuführen und dafür 15.000 Euro bereitzustellen.
Nachtfahrverbot und Infokampagne sollen den Beschlüssen zufolge in enger Absprache und Kooperation mit den kreisangehörigen Kommunen umgesetzt werden. Viele Kommunen waren mit eigenen Beschlüssen wegen der unklaren Lage auf Kreisebene zurückhaltend vorgegangen.
Den Antrag nun hatte die Jamaikakoalition aus CDU, Grünen und FDP eingebracht. Wie die Kreisverwaltung mitteilt, wird das Veterinäramt auf der Grundlage des Beschlusses nun eine Allgemeinverfügung ausarbeiten. „Wann der Start ist, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen“, sagt Kreispressesprecher Thomas Schweinsburg.
Rhein-Erft-Kreis: SPD-Antrag war zuvor abgelehnt worden
Für die SPD, die einen ähnlich lautenden Antrag bereits im vorigen Jahr gestellt hatte, damit aber gegen die Mehrheit der Jamaikakoalition zunächst gescheitert war, ist „das nächtliche Fahrverbot ein großartiger Erfolg für den Tierschutz vor unserer eigenen Haustür und ein Beschluss der Vernunft“, sagt Fraktionsvorsitzender Dierk Timm. „Wir beenden damit endlich das stille Sterben in den Vorgärten. Wer seinen Rasen pflegen möchte, kann dies problemlos tagsüber tun. Die Nacht gehört der Natur und den Tieren, die in unseren immer dichter besiedelten Räumen ohnehin schon stark unter Druck stehen.“
Die Regelung sei keine unangemessene Einschränkung für Gartenbesitzer, sondern ein konkreter, leicht umsetzbarer Beitrag zum Erhalt der lokalen Artenvielfalt. Ein Mähroboter leiste tagsüber dieselbe Arbeit, ohne dass Igelfamilien dafür mit dem Leben bezahlen müssten. Die Kreisverwaltung sei nun angehalten, das Verbot gut und verständlich zu kommunizieren, um eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung zu schaffen.
Die Jamaikakoalition wiederholte ihre Stellungnahme, die sie bereits im Januar vorgelegt hatte. „Der CDU-Kreistagsfraktion war es stets wichtig, einen tatsächlichen Schutz bedrohter Tierarten zu erreichen“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Gregor Golland. „Wir sind uns sicher, dass die allermeisten Bürgerinnen und Bürger vernünftigerweise einen Mähroboter nur tagsüber betreiben. Mit der Aufklärungskampagne des Kreises setzen wir vor allem auf deren Einsicht.“
Für Elmar Gillet (Grüne) ist die Reihenfolge von Bedeutung: „Die Öffentlichkeitskampagne soll klar machen, dass Tiere durch den nächtlichen Betrieb von Mähroboter getötet werden. Das nun folgende Verbot unterstreicht dies noch einmal.“
Tierfreunde-Verein sieht im Beschluss nur einen kleinen Schritt
Ralph Bombis (FDP) sieht in dem Beschluss und dem gemeinsamen Vorgehen in der Jamaikakoalition das „Ergebnis einer politischen Kompromissfindung“. Das heiße aber nicht, dass man nicht noch nach weiteren, vielleicht sogar besseren Lösungen suchen soll, „die dem Tierwohl noch stärker nützen“.
Dass zuvor der SPD-Antrag und Bürgeranträge zum Thema gescheitert waren, „riecht natürlich schon nach kommunalpolitischen Eitelkeiten“, sagt der Fraktionsvorsitzende der Linken, Stefan Söhngen. „Vielleicht kann man in Zukunft bei so einem unkontroversen Thema, das so vielen Bürgerinnen und Bürgern auf dem Herzen liegt, über die Parteien hinweg auf Extrarunden verzichten.“
Die Tierfreunde Rhein-Erft fürchten, dass eine Allgemeinverfügung ein „stumpfes Schwert“ bleiben könnte. „Die Allgemeinverfügung wird keinen Igel retten, aber hoffentlich zur Sensibilisierung der Bevölkerung beitragen“, sagt Renate Könen von den Tierfreunden. „Immerhin ein erster, wenn auch kleiner Schritt.“


