Zwei Schwäne wurden innerhalb weniger Tage an zwei Seen durch Angelhaken verletzt. Ehrenamtliche Tierschützer retteten ihnen das Leben.
Angelhaken verschlucktTierschützer retten Schwäne am Bleibtreusee und am Liblarer See

Ein Angelhaken hat sich durch die Zunge des Schwans am Liblarer See gebohrt.
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Gleich zwei Schwäne mussten Tierschützer innerhalb weniger Tage retten – beide Tiere hatten Angelhaken verschluckt und wären ohne Hilfe wohl verendet. Die Einsätze spielten sich am Bleibtreusee zwischen Brühl und Hürth sowie am Liblarer See in Erftstadt ab.
Vor knapp zwei Wochen meldeten Spaziergänger der Polizei am Sonntagnachmittag (12. April) einen verletzten Jungschwan am Ufer des Bleibtreusees. Polizeibeamte rückten aus. Sie konnten verhindern, dass das Tier zurück in den See flüchtet. Im Wasser lasse sich ein Schwan deutlich schwieriger einfangen als an Land, erklärt Matthias Müller, Vorsitzender des Vereins Tierschutz Weilerswist, der in solchen Fällen häufig hinzugezogen wird – so auch diesmal.
Rhein-Erft: Polizeibeamte lenkten den verletzten Schwan ab
Der 58-Jährige arbeitet hauptberuflich als Beamter bei einer Bundesbehörde in Köln und engagiert sich – wie acht weitere aktive Mitglieder des rund 50-köpfigen Vereins – ehrenamtlich in der Tierrettung. Müller hatte Bereitschaft und fuhr zum Bleibtreusee. „Die Polizeibeamten haben den Schwan abgelenkt, so dass ich ihn schnell greifen konnte“, berichtet er. Das sei gar nicht ganz ungefährlich. „So ein Flügelschlag kann schon ganz schön wehtun“, sagt Müller und vergleicht die Wucht mit einem Boxhieb.
Der Zustand des Jungtiers war kritisch. Der Angelhaken hatte sich tief im Hals festgesetzt, das Tier konnte vermutlich schon seit Tagen nicht mehr fressen und war stark abgemagert. Mit Unterstützung der Polizeibeamten brachte Müller den Schwan in einer Transportbox zum Auto. Anschließend fuhr er den verletzten Wasservogel ins „Federheim“ des Vereins Notpfote Animal Rescue in Neuss. Dort wurde der Haken entfernt, der Schwan wird nun aufgepäppelt. „Ich warte auf die Nachricht, dass wir ihn wieder abholen und am Bleibtreusee auswildern können“, sagt Müller.

Einen Verband trägt der Jungschwan um den Hals. Er wird im Federheim in Neuss aufgepäppelt.
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Nicht ganz so schwer verletzt war ein älterer Schwan, den die Tierschützer Anfang der Woche am Liblarer See retten konnten. Der Einsatz gestaltete sich jedoch schwieriger und gelang erst im zweiten Versuch. Am Sonntag (19. April) meldeten Spaziergänger das Tier, bei dem sich ein Angelhaken durch die Zunge gebohrt hatte; zudem hing eine etwa zwei Meter lange Angelschnur aus seinem Schnabel.
Der Verein Tierschutz Weilerswist rückte diesmal mit vier Ehrenamtlichen in zwei Teams an, die den Schwan aber beim ersten Versuch nicht zu fassen bekamen. Die Helferinnen und Helfer lockten den verletzten Vogel zunächst mit Futter ans Ufer. Dort baute sich das Tier, das ein Nest mit Eiern in einem abgesperrten Bereich des Sees verteidigte, in einer imposanten Drohgebärde vor den Rettern auf. „Wenn einem so ein Tier auf Augenhöhe gegenübersteht, bekommt man schon Respekt“, sagt Müller.
Liblarer See: Rettung gelang erst im zweiten Versuch
Der Einsatz wurde zunächst abgebrochen. „Wenn wir nicht zu 100 Prozent sicher sind, dass wir den Schwan greifen können, lassen wir es sein, um ihn nicht für den nächsten Sicherungsversuch zu vergraulen“, so Müller. Die Tierretter fuhren zunächst unverrichteter Dinge wieder nach Hause, kehrten aber am nächsten Tag zurück.
Am Montag gelang dann die Rettung. Die Tierschützer lockten den Schwan mit Futter ins flache Wasser neben einem Steg. Als das Tier mit dem Kopf voran nach dem Futter tauchte, sprangen zwei Helferinnen kurzerhand ins Wasser und packten zu. Sie konnten den Schwan an Flügeln und Hals festhalten und an Land bringen.
Der Schwan wurde zu einem Tierarzt nach Rheinbach gebracht, der den Angelhaken entfernte und die Wunde versorgte. Bereits zwei Stunden später war das Tier zurück bei seiner Partnerin und dem Nest am Liblarer See.
Einsätze zur Schwanenrettung seien keine Seltenheit, sagt Matthias Müller. Dass sich die Wasservögel auf Straßen oder in Wohngebiete verirrten und gesichert werden müssen, komme häufiger vor. Dass jedoch gleich zwei Schwäne innerhalb kurzer Zeit durch verschluckte Angelhaken verletzt wurden, habe er bislang nicht erlebt. „Klar kann das passieren“, sagt Müller. Er appelliert jedoch an Angler, in solchen Fällen nicht wegzusehen, sondern verletzte Tiere umgehend zu melden.

