Der Fußball-Mittelrheinligist bietet den Drittliga-Profis Paroli bis zur letzten Sekunde – und erntet hinterher Lob von allen Seiten.
1:2 gegen den FC Viktoria KölnSiegburger SV 04 kratzt an der Pokal-Sensation

Kelana Mahessa (rechts) bringt den Siegburger SV 04 in Führung, doch das letzte Wort hat der FC Viktoria Köln.
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Das schönste Kompliment kam hinterher vom Gegner. Nach der 1:2 (1:1)-Niederlage des Fußball-Mittelrheinligisten Siegburger SV 04 im Verbandspokal-Viertelfinale gegen den FC Viktoria Köln sprach Gästetrainer Marian Wilhelm von einer „unfassbar schwierigen Aufgabe. Die Siegburger haben uns einen echten Fight geliefert und wirklich alles reingeworfen – das war eine extrem gute Leistung. Für uns zählt am Ende nur das Weiterkommen.“ Während der Drittligist nur noch zwei Schritte von der Titelverteidigung und damit vom DFB-Pokal-Einzug entfernt ist, verabschiedeten sich die 04er erhobenen Hauptes aus dem Wettbewerb.
Für den neuen Siegburger Geschäftsführer Oliver Karp war der Abend nicht nur aus sportlicher Sicht „ein großer Erfolg. Auch abseits des Rasens haben alle 110 Prozent gegeben. Was die Helfer-Crew und alle Einsatzkräfte geleistet haben, war schon bemerkenswert.“ Sportchef Tom Caspers freute sich nicht zuletzt über die „Traumkulisse von 999 Zuschauern. Insgesamt hat sich der Verein heute von seiner besten Seite gezeigt.“ Seinen Spielern attestierte er eine „Weltklasse-Leistung. Unglaublich, wie viele Kilometer die Jungs heute abgerissen haben – allen voran (Mittelstürmer, Anm. d. Red.) Nico Kuhbier.“
Die Überzahl war kein wirklicher Vorteil, weil auch danach Vollprofis gegen Amateure gespielt haben
Auch Cheftrainer Alexander Otto hatte hinterher „rein gar nichts auszusetzen. Der Matchplan ist von der ersten Sekunde an volle Kanne aufgegangen.“ Dass der Gegentreffer zum 1:2 (81.) nur drei Minuten nach der Gelb-Roten Karte für Viktoria-Akteur Frank Ronstadt fiel, kommentierte er nüchtern: „Die Überzahl war kein wirklicher Vorteil, weil auch danach Vollprofis gegen Amateure gespielt haben. Dass das Tor nach einer Ecke fällt, ist zwar ärgerlich. Aber zur Wahrheit gehört eben: Man kann gegen einen Drittligisten nicht alle Standards verteidigen.“
Immerhin einen positiven Nebeneffekt hatte der späte Gegentreffer, denn so blieb den Siegburgern eine Verlängerung erspart. Schließlich richtet sich der Blick längst auf die anstehende Liga-Partie beim nach wie vor ungeschlagenen Spitzenreiter SV Bergisch Gladbach 09 (So., 15 Uhr). Eine Partie, die laut Otto mindestens genauso intensiv werden dürfte: „Wir müssen und werden alle Kräfte mobilisieren, um die Serie des Gegners zu brechen.“ Nicht bloß, um den eigenen Sieben-Punkte-Rückstand auf die 09er zu verkürzen: „Es geht allgemein darum, das Titelrennen spannend zu halten.“

999 Zuschauer sorgen am Mittwoch für eine „Traumkulisse“ im Walter-Mundorf-Stadion.
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Die „Generalprobe“ am Mittwochabend hätte aus Siegburger Sicht nicht besser beginnen können, denn die mutige Anfangsphase wurde prompt belohnt: Nach Kuhbiers Direktabnahme ließ Viktoria-Keeper David Richter den Ball nach vorne abprallen und Kelana Mahessa war per Abstauber zur Stelle – 1:0 (3.). Der erste Gratulant auf dem Rasen war die Siegburger Nummer eins Jens Fikisi, der nur auf der Bank saß und Pokal-Keeper Michael Vogel den Vortritt lassen musste. Anders als die sing- und trommelfreudigen Gästefans fanden die Viktoria-Spieler nur schleppend ihren Rhythmus – auch bedingt durch den holprigen Rasen. Umso ärgerlicher aus Siegburger Sicht, dass Samuele Carella die erste gefährliche Kölner Hereingabe an diesem Abend prompt per Kopf verwertete (16.).
Ecke, Kopfball Benjamin Zank: Tor
Die größte Druckphase verbuchte die Viktoria Mitte der zweiten Halbzeit: Erst trat David Otto nach feiner Vorarbeit von Leander Popp frei stehend vor Vogel ein „Luftloch“ (64.), dann setzte Robin Valesco seinen Schuss zu hoch an (66.). Die Gelb-Rote Karte für Ronstadt wegen Foulspiels ließ den Außenseiter erst recht von einer Sensation träumen, doch Benjamin Zanks Kopfball nach einer Ecke machte den 04ern einen Strich durch die Rechnung – und ersparte dem Gegner wenigstens 30 zusätzliche kräftezehrende Minuten.
SSV: Vogel – Keil, Weingarten, Camara, Jo – Yilmaz, Suleiman (76. Sai) – Sakamaki (86. McIntosh), Mahessa, Schnörpel (61. Ezami) – Kuhbier (76. Ohashi).
Viertelfinale: SSV Jan Wellem – Eintracht Hohkeppel 1:6, Siegburger SV 04 – FC Viktoria Köln 1:2. Do., 19 Uhr: Borussia Lindenthal-Hohenlind – Bonner SC, Fortuna Köln – Alemannia Aachen.

