Ein 26-Jähriger gesteht, der jüngere Mitangeklagte will nichts gewusst haben.
ProzessBonner Staatsanwalt wirft Angeklagten Raub einer Rolex vor

Am Bonner Landgericht hat der Prozess gegen zwei Männer begonnen, die eine Rolex geraubt haben und es ein weiteres Mal versucht haben sollen.
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Die Einlassungen der beiden Angeklagten hätten unterschiedlicher kaum sein können: Während ein 26-Jähriger die Beteiligung an zwei Raubüberfällen freimütig einräumte, erklärte ein mitangeklagter 24-Jähriger, er habe lediglich als Fahrer fungiert und von möglichen kriminellen Aktivitäten nichts gewusst. Vor dem Bonner Landgericht müssen sich die beiden jungen Männer aus Sankt Augustin und Bonn seit Mittwoch wegen schweren Raubes in zwei Fällen verantworten.
Nach Angaben der Anklage sollen sie sich im Januar vergangenen Jahres als Kaufinteressenten hochwertiger Uhren ausgegeben haben. Während der Verkaufsgespräche hätten sie versucht, die teuren Stücke zu rauben. In einem Fall gelang ihnen dies, in einem anderen scheiterte der Versuch.
Möglicherweise haben beide Männer in Bonn die Wahrheit gesagt
Nicht ausgeschlossen ist, dass beide Einlassungen der Wahrheit entsprechen. Im Fall des Fahrers bleibt jedoch abzuwarten, ob die Beweisaufnahme seine Aussagen stützt. Der 26-Jährige äußerte sich jedenfalls über seinen Anwalt Michael Hakner geständig. Die Namen der Hintermänner wolle er jedoch nicht nennen.
Er sei zum Tatzeitpunkt drogenabhängig gewesen und habe hohe Schulden bei seinen Dealern angehäuft. Wenn seine Aussagen zutreffen, hätte der junge Mann täglich einen Finanzierungsbedarf von knapp 1.000 Euro gehabt, um seine Sucht zu befriedigen. Bis zu 15 Gramm Kokain soll er im vorvergangenen Winter täglich konsumiert haben, dazu Cannabis und hochprozentigen Alkohol.
Als einer seiner Gläubiger ihn dann mit dem Angebot, hochwertige Uhren zu rauben, ansprach, habe er nicht lange gezögert. Gemeinsam mit mehreren weiteren Personen, darunter der Mitangeklagte als Fahrer, sei er am 23. Januar nach Düsseldorf und am 25. Januar nach Bad Honnef gefahren, um dort jeweils eine teure Uhr der Marke Rolex zu rauben. In die Anbahnung des persönlichen Verkaufsgesprächs sei er dabei nicht involviert gewesen. Die Hintermänner hätten jedoch seinen Personalausweis genutzt.
Laut Anklage sollen die beiden jungen Männer die Taten gemeinsam mit weiteren unbekannten Tätern geplant haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Angeklagten am 25. Januar 2025 unter Verwendung eines Pseudonyms über eine Kleinanzeigen-App Kontakt zu einem Mann in Bad Honnef aufgenommen haben. Dieser hatte auf dem Online-Marktplatz eine gebrauchte Rolex Yachtmaster zum Preis von 13.900 Euro angeboten. Für denselben Tag wurde noch ein Besichtigungstermin im Einfamilienhaus des Verkäufers gegen 20.10 Uhr vereinbart.
In Bad Honnef gingen die Pläne zum Raub der teuren Rolex nicht auf
Vor Ort angekommen hätten seine Mitfahrer im Wagen um die Ecke gewartet, während er zu dem Treffen gegangen sei, fuhr der 26-Jährige in seinem Geständnis fort. Als er die teure Uhr erstmals in seinen Händen gehalten habe, habe er ein mitgeführtes Pfefferspray gegen den Mann aus Bad Honnef eingesetzt und versucht, mit der Rolex zu fliehen. Das habe jedoch nicht geklappt.
Vielmehr sei der Besitzer ihm gefolgt und habe ihn noch im Bereich der Haustür zu Fall bringen können. Auch die Frau des Uhrenbesitzers sei eingeschritten, und bei der nun folgenden Rangelei sei ihm die Uhr wieder abgenommen worden. Obendrein habe er außerdem sein mitgebrachtes Messer aus der Hosentasche verloren.
Erfolgreicher für ihn sei hingegen ein Raubzug zwei Tage zuvor in Düsseldorf verlaufen, sagte der 26-Jährige. Für den Besuch in einem Café in der Landeshauptstadt habe er sich extra gut angezogen, um nicht aufzufallen, ergänzte sein Anwalt. Auch hier habe er bereits das Pfefferspray eingesetzt. Die Beute sei anschließend bei einem Hehler veräußert worden; er habe als Lohn 6.500 Euro seiner Schulden erlassen bekommen und dazu noch 1.800 Euro in bar erhalten.
Junger Fahrer will an legale Geschäfte geglaubt haben
Der mitangeklagte 24-Jährige gab über seinen Anwalt Atilla Yilmaz an, dass er den Mitangeklagten und die übrigen Beteiligten erst am Abend vor dem ersten Raubzug über einen Freund kennengelernt habe. Die jungen Männer hätten einen Fahrer gesucht, der sie über mehrere Tage in NRW herumfahren solle. Ein Uber-Auto sei ihnen zu teuer gewesen. Er habe geglaubt, dass es sich um legale Uhrengeschäfte gehandelt habe.
Das Verfahren wird fortgesetzt. Die Richter der 11. Großen Strafkammer unter dem Vorsitz von Gisela Klönne wollen nun bis Ende des Monats ein Urteil verkünden.


