Schnell Wohnraum schaffen, das ist das Ziel des „Bau-Turbos“. Die Gemeinde will das Instrument erstmals im Ortskern an der Ringstraße anwenden.
Neunkirchen-SeelscheidBau-Turbo macht zwei große Mehrfamilienhäuser möglich

Der Blick von der Hauptstraße in die Ringstraße, wo auf der linken Seite, gegenüber der alten Feuerwache, zwei Mehrfamilienhäuser errichtet werden sollen. (Visualisierung II RauM, Repro: Quentin Bröhl)
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Von den ersten Plänen bis zur Baugenehmigung können oft Jahre vergehen. Um schneller Wohnraum zu schaffen, hat der Gesetzgeber den sogenannten Bau-Turbo gezündet. Den neuen Paragrafen im Baugesetzbuch will die Gemeinde erstmals im Ortszentrum anwenden.
Ein örtlicher Investor, der bereits etliche Projekte sowohl für Wohn-, wie auch für gewerbliche Zwecke vorgestellt und teils verwirklicht hat, plant in der Ringstraße zwei Mehrfamilienhäuser mit drei Vollgeschossen und einem Staffelgeschoss mit begrüntem Flachdach.
Im Ortszentrum von Neunkirchen sollen in Kürze 20 Wohnungen entstehen
20 Wohneinheiten sollen entstehen, 16 Wohnungen mit zwei Zimmern, drei mit drei Zimmern und eine mit vier Zimmern. Das ist mit einem Plus von 43 Prozent erheblich größer, als der derzeit gültige Bebauungsplan erlaubt. Der sieht nur 14 Wohneinheiten vor, elf kleinere, zwei mittlere und eine große Wohnung in Gebäuden mit nur zwei Vollgeschossen plus Dachgeschoss.
So könne man - in enger Abstimmung mit der Verwaltung - „die städtebaulichen Potenziale des sehr zentralen Grundstücks voll ausschöpfen“, heißt es in einem Schreiben der II RauM GmbH an das Amt für Verwaltungsmanagement, Gemeindeentwicklung, Bauleitplanung und Wirtschaftsförderung.
Rasant war schon der Start: Ende Januar dieses Jahres war der Vorhabenträger erstmals an die Gemeinde herangetreten, darauf folgten mehrere Gesprächsrunden. Das Bauvorhaben auf dem Grundstück Ringstraße 41 habe man in wenigen Wochen gemeinsam entwickelt, so steht es in der Vorlage zum Ausschuss für Gemeindeplanung und Ortsentwicklung.
Der befasst sich in seiner Sitzung am Mittwoch, 25. März (18 Uhr, Rathaus, Hauptstraße 78), mit dem Thema. Das endgültige Wort spricht der Rat. Der tagt am Mittwoch, 6. Mai.
Ohne den Bauturbo wäre laut Planungsrecht ein übliches Baugenehmigungsverfahren nicht zulässig gewesen, erläutern die Experten aus dem Rathaus. Etliche Befreiungen vom Bebauungsplan wären nötig gewesen, in Summe zu viele. Hierfür hätte nach altem Recht der Bebauungsplan geändert werden müssen, ein langwieriges Verfahren.
Der neue Paragraf 31, Absatz 3, auch Bau-Turbo genannt, sei eine Alternative, um das Vorhaben zuzulassen. Neben der Ausweisung neuer Wohngebiete werde die Nachverdichtung in den Ortskernen angestrebt. Nur hier soll das neue Instrument zum Einsatz kommen. Die Kriterien müssen im Einzelnen noch festgeschrieben werden. Darüber wird die Kommunalpolitik in einem gesonderten Tagesordnungspunkt beraten und beschließen.
Den Bauantrag muss der Investor aus Neunkirchen-Seelscheid beim Rhein-Sieg-Kreis einreichen
Der Fall Ringstraße 41 könne zum Vorbild werden, Hürden sieht die Verwaltung bei den abgestimmten Plänen nicht mehr. Das Vorhaben in unmittelbarer Nähe der Hauptstraße „entspreche den Vorstellungen der städtebaulichen Entwicklungen“.
Aus Sicht des Investors handelt es sich nur um eine „maßvolle Erhöhung der Geschossigkeit“, die Überschreitung der maximalen Gebäudehöhe von elf auf lediglich zwölf Meter sei absolut verträglich mit dem kommunalen Innenverdichtungskonzept, meinen Markus Duas und Robert Chalupnik-Huenges, Geschäftsführer des Planungsbüros.
Die Mehrfamilienhäuser fügten sich „harmonisch“ in die vorhandene Bebauung ein. Darüber hinaus werde die Fläche effizienter genutzt, ökologischen Mehrwert biete auch das Gründach mit Photovoltaik. Letzteres ist ohnehin Pflicht bei Neubauvorhaben in Neunkirchen-Seelscheid.
Hier entstünden in Zusammenarbeit mit Handwerkern aus der näheren Umgebung altersgerechte und barrierefreie Wohnungen, so Duas im Gespräch mit der Redaktion. „Die werden dringend benötigt.“ Seniorinnen und Senioren könnten in der gewohnten Umgebung bleiben und den Generationswechsel ermöglichen. Denn mit ihrem Auszug aus den oft viel zu großen Einfamilienhäusern werde Wohnraum für junge Familien frei.
Das Votum des Gemeinderates ist nur eine erste wichtige Hürde. Den Bauantrag muss die II RauM GmbH beim Rhein-Sieg-Kreis als zuständiger Baugenehmigungsbehörde einreichen. Das sei in rund zwei Monaten machbar, falls der Rat zustimmt, hofft Markus Duas: „Und vielleicht können wir im Sommer schon starten.“

