Ein 64-Jähriger steht als Tatverdächtiger vor Gericht. Der ehemalige Taxifahrer war 30 Jahre eng mit dem Opfer befreundet.
Kopf mit Klebeband umwickeltProzess um Mord an einem Bornheimer Hotelier hat begonnen

Mordanklage vor dem Bonner Landgericht: Verteidiger Martin Kretschmer und der Angeklagte am Tag des Prozessauftakts.
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Lässig betrat der 64-Jährige - trotz Handschellen und enger Begleitung durch Wachtmeister - die Bühne des Bonner Schwurgerichts. Selbstbewusst, leichtfüßig, mit feinem Lächeln und roter Aktenmappe unterm Arm ging er auf seinen Verteidiger Martin Kretschmer zu. Herzliches Händeschütteln. Dann wurden dem Angeklagten – gepflegter Vollbart, schwarzer Rollkragen-Pullover, schwarze Hornbrille – die Fesseln abgenommen.
Dem 64-Jährigen wird vorgeworfen, seinen langjährigen Freund, einen 70-jährigen Hotelier aus Hersel getötet zu haben. Drei Mordmerkmale sieht die Bonner Staatsanwaltschaft erfüllt: Habgier, Heimtücke und niedrige Beweggründe. Laut Anklageschrift soll der 64-Jährige am 18. August 2025, gegen 13.10 Uhr, den Hotelier in seinem Büro von hinten überrascht, gewürgt oder gedrosselt haben. Anschließend soll er den Kopf des Freundes mit drei verschiedenen Klebebändern fast vollständig umwickelt haben.
Am Todestag bat der Hotelier den Angeklagten, einen Grabsteine für seine verstorbene Frau zu kaufen
Dem 70-Jährigen soll er dann eine Halskette mit einer Münze als Anhänger sowie einen Ring aus Stein abgenommen und später verkauft haben. Zudem soll er beabsichtigt haben, nach dem Tod seines Freundes, dessen Betrieb, eine Kneipe und eine Pension mit neun Zimmern, weiterzuführen.
Der Angeklagte, Sohn einer reichen Kaufmannsfamilie, hörte die Vorwürfe fast ungerührt: Er sei nicht für den Tod seines Freundes verantwortlich, den er 30 Jahre gekannt habe, ließ er seinen Verteidiger erklären. Drei Jahrzehnte lang seien sie fast täglich zusammen gewesen, hätten zusammen gegessen, über Gott und die Welt geplaudert oder auch gemeinsam Reparaturarbeiten an der Immobilie gemacht, die vor allem von Saisonarbeitern, Fahrern von Lieferdiensten, hin und wieder auch von Prostituierten genutzt worden sein soll.
Jeder sei für den anderen da gewesen, berichtete der einstige Taxifahrer mit großer Sympathie: So konnte er 2023 ein halbes Jahr in der Pension wohnen, als er nach einem brutalen Überfall schwer geschädigt und schließlich arbeitsunfähig wurde und sich von seiner Frau und zwei Söhnen trennte. Umgekehrt habe er den Hotelier vielfach unterstützt, da dieser kein gutes Deutsch sprach. Auch habe er den Freund beim langen Sterben von dessen Frau in einem Hospiz begleitet, die kurz vor dem tödlichen Angriff verstarb. An seinem Todestag noch hatte das Opfer den Freund angerufen und ihn gebeten, einen Grabstein für seine gestorbene Frau zu besorgen.
Ermittler fanden zahlreiche DNA-Spuren des 64-Jährigen am Tatort
Keine vier Wochen später klickten die Handschellen. Zahlreiche DNA-Spuren des 64-Jährigen an der Leiche, auch an den Klebebändern , brachten den Mann ins Visier der Fahnder. Schließlich machten widersprüchliche Aussagen ihn dringend tatverdächtig. Am 16. September wurde er verhaftet, seitdem sitzt er in der JVA Siegburg.
Dass am Tatort zahlreiche DNA-Spuren gefunden worden seien, so sein Verteidiger, sei nicht weiter verwunderlich für einen Mann, der in der Pension täglich ein- und ausgegangen sei. Auch das Argument, er habe den Freund als Pächter beerben wollen, sei – so Anwalt Kretschmer – abstrus: „Er kannte die finanziellen Umstände des Opfers - und die waren hochgradig defizitär.“ Gewinnstreben als Tatmotiv mache hier gar keinen Sinn. Der Angeklagte selber hatte zwei Tage nach dem Tod des Hoteliers gemeinsam mit einem Gast die Leiche im Büro gefunden.
Dieser Moment, erzählte der Mann vor Gericht, sei „furchtbar“ gewesen. „Ich habe sein Herz, seinen Kopf angefasst und ihn an den Füßen aus der Ecke gezogen, in der er gelegen hatte“, erinnerte sich der 64-Jährige. Er und der Gast riefen die Polizei, machten im Büro jedoch so viel Durcheinander, so dass sie die Spurensuche der Ermittler erschwerten.
Der Angeklagte weist die Mordvorwürfe weit von sich. Einem Ermittler hatte er gesagt: „Ich werde nicht ruhig bleiben, bis der Mörder des Freundes auf der Anklagebank sitzt.“ Angesichts des mit Klebeband umwickelten Kopfes, ist er sich sicher: „Diese Tötung war eine Hinrichtung. Keine Blutspuren, keine Hämatome, alles ganz sauber. Da sind mindesten zwei bis drei Leute am Werk gewesen.“
Für den Mordprozess sind acht Verhandlungstage angesetzt. EinUrteil soll Mitte Juni ergehen.