Helfer in Eitorf, Windeck und Ruppichteroth schützen in diesen Tagen wieder Amphibien, die zu ihren Laichgewässern wandern.
Tod auf der StraßeFeuersalamander und Kröten in Rhein-Sieg auf gefährlicher Wandderschaft

Feuersalamander sind besondersd in Eitorf wieder weit verbreitet.
Copyright: Mirja Renout
Die Wanderungen von Erdkröten, Grasfröschen, Kammmolchen und Feuersalamandern aus ihren Winterquartieren zu den Gewässern, in denen sie laichen oder ihre lebendigen Larven absetzen, ist in diesen Tagen an vielen Orten im Rhein-Sieg-Kreis voll im Gange. Doch die Amphibien leben gefährlich: Sie müssen auf dem Weg zu ihren Laichgebieten fast immer Straßen überqueren. Dabei werden jedes Jahr Hunderte Kröten, Salamander und Molche von Autos getötet.
An einigen stark befahrenen Verkehrswegen wie der Bundesstraße im Bröltal bei Herrnstein in Ruppichteroth oder der Kreisstraße durch das Schmelztal zwischen Eitorf und Ruppichteroth wurden deshalb schon vor Jahren feste Anlagen installiert, die den Amphibien das Leben retten, weil die Tiere durch Tunnel unter den Straßen her die Gewässer erreichen können. Aber an vielen Verkehrswegen müssen nach wie vor Naturschützer und andere Ehrenamtler eingreifen, um die Tiere zu retten.
Eitorfer Heimatverein gründete eine Krötenschutzgruppe
Sie bauen Zäune auf, durch die die Amphibien zu Eimern geleitet werden und dann in diese hineinfallen. Dann müssen sie regelmäßig die Frösche und Lurche einsammeln und über die Straßen tragen. „An der Bergstraße in Eitorf gibt es zum Beispiel große Vorkommen von Feuersalamandern“, berichtet Mirja Renout vom Eitorfer Heimatverein. „Das ist im Kreisgebiet ziemlich ungewöhnlich.“ Renout konnte dort auch dieses Jahr wieder zahlreiche Salamander beobachten.

Die Amphibiengruppe des Eitorfer Heimatvereins beim Zaunbau, von links Elisabeth, Uwe Mertes-Mücke und Karsten Meißner.
Copyright: Holger Pöpplow
Die Tiere überqueren die Fahrbahn, um ihre lebendigen Larven im Pingelsbach abzusetzen. Die Ampibien bleiben dabei gern längere Zeit auf der Fahrbahn sitzen und werden dann oft überfahren. Deshalb haben Renout und ihre Bekannten eine Krötenschutzgruppe im Eitorfer Heimatverein gegründet, einen Schutzzaun aufgebaut und sammeln Salamander und Kröten in Eimern ein. Die Eitorferin: „Das große Vorkommen von Feuersalamandern hier beweist, dass unsere Gewässer ziemlich sauber sind.“
Auch eine Kindergartengruppe aus Eitorf-Käsberg bot ihre Mithilfe bei der Salamander-Rettung an. Die Krötenschutzgruppe verzichtete jedoch wegen der nicht ungefährlichen Giftdrüsen auf die Mithilfe der Kleinen.
Immer weniger Kröten und Frösche
Auch in Windeck gebe es einige Hotspots der Amphibien, berichtet Karin Bügel vom BUND. Sie kümmert sich seit Jahrzehnten um den Aufbau von mobilen Krötenschutzzäunen wie an der Siegtalstraße in Röcklingen oder der Straße zwischen Schladern und Mauel. In Röcklingen konnten in den vergangenen Jahren allerdings immer weniger Kröten und Frösche gezählt werden.
Bei Mauel, wo inzwischen eine Gemeindekolonne den Zaunaufbau übernommen hat, wechseln vor allem Fadenmolche ins Überschwemmungsgebiet an der Sieg. Vor zwei Jahren seien dort noch mehr als 1000 Molche gezählt, 2025 nur noch 400 Tiere, sagt Bügel. Im Derenbachtal in Ruppichteroth wandern ebenfalls Kröten und Molche. Hier sind Anja Montwill und ihre Helfer ebenso im Einsatz wie unterhalb von Winterscheid sowie an einigen Stellen in Neunkirchen-Seelscheid.

Die Kröten werden in Eimern gesammelt und siccher über die Straße gebracht.
Copyright: Ralf Rohrmoser von Glasow
Für die Feuersalamander interessiert sich auch Jonas Virog, der Leiter des Projektes „Zukunft des Feuersalamanders in NRW“ vom Nabu NRW, der deshalb nach Eitorf kam. Bei diesem Projekt werden dieses Jahr Daten über das Vorkommen der Lurche gesammelt, anhand derer dann ihre Gefährdung beurteilt werden kann. Für nächstes Jahr werden dann Projekte geplant.
In Eitorf gibt es viele Vorkommen von Feuersalamandern
In Eitorf fuhr Virgo mit der Krötenschutzgruppe mehrere „Hot-Spots“ ab. Außer der Bergstraße waren das die Straßen zwischen Mierscheid und Lascheid, Lützgenauel und Merten, zwischen Merten und der Brucher Kapelle sowie zwischen Bahleroth und Wilbertzhohn. Virgo fotografierte und kartierte die Orte. Es gibt weitere Vorkommen von Feuersalamandern in Waldgebieten wie im Wombachtal, auf dem Weg zum Forsthaus Bitze und am Melchiorweg. Die Wege dort werden aber ausschließlich durch Forstarbeiter und Jäger befahren.
Bei der Besichtigungstour wurde überlegt, wie hier ein besserer Schutz vor Straßenverkehr möglich wäre. Bei der Bergstraße und in der Kurve zwischen Lascheid und Mierscheid wäre es möglich, mit relativ wenig Aufwand und Kosten einen permanenten Schutzzaun an den Leitplanken zu befestigen. Renout: „Unterquerungen für Wasser existieren schon auf der Bergstraße im Abstand von 50 Metern. Bei Mierscheid könnten diese gefräst und mit Gittern abgedeckt werden.“ Große Warnschilder sollen an schwieriger zu schützenden Orten wie dem Eselsberg oder in Wilbertzhohn die Bevölkerung für die wandernden Amphibien auf der Straße sensibilisieren.
Virgo will auch Vorträge über Salamander in Eitorf halten sowie Kontakt zur biologischen Station und der Nabu-Ortsgruppe herstellen, um Helfer zu akquirieren. Die Eitorfer Kunstinitiative will ein Salamander-Buch kreieren. Überlegt wird auch, wie Förder- oder Ausgleichsgelder, die zum Beispiel beim Bau von Windkraftanlagen fließen, dazu genutzt werden könnten.
Auf Wanderschaft bei warmen Temperaturen
Die Amphibien starten ihre meist nächtlichen Wanderungen zu ihren Laichgewässern am liebsten bei Regen und Temperaturen von fünf Grad oder wärmer. Darauf weist Umweltexperte Heinz Schumacher vom Ruppichterother Ortsverband des Bergischen Naturschutzvereins hin. Deshalb sind vor allem im östliche
n Kreisgebiet viele der Tiere noch nicht gestartet und meiden Bodenfrost. Die Autofahrer werden daher weiter um Vorsicht gebeten, vor allem auf Straßen, die nicht durch Schutzzäune oder Krötentunnel gesichert sind. Bei steigenden Temperaturen ist jetzt aber mit den restlichen Wanderungen zu rechnen.

