Zum dreijährigen Bestehen feierten die Leuscheiderinnen und Leuscheider in Windeck ihren Landmarkt.
Regionale Produkte und GeselligkeitLeuscheider Landmarkt in Windeck verzeichnet Umsatzexplosion

Einkaufen im Landmarkt ist gesellig.
Copyright: Sylvia Schmidt
Selbsthilfe, Zusammenhalt und Durchhaltevermögen sind die Zauberwörter, auf die die Menschen im Leuscheider Land sich aufgrund der Entfernung zu den größeren Orten von jeher verstehen. Als das Lebensmittelgeschäft in Leuscheid vor fast zehn Jahren schloss, besannen sie sich auf ihre starken Eigenschaften. Hartnäckig verfolgten sie den Wunsch vor Ort die wichtigsten Lebensmittel einkaufen zu können und nahmen die Sache selbst in die Hand.
Nach sechs Jahren Vorarbeit und mit Unterstützung der Gemeinde, die sich um die Fördergelder kümmerte, war es soweit. Als Trägerverein gründeten sie vor drei Jahren die Genossenschaft „Dorfzentrum Leuscheid“ und eröffneten den Landmarkt Leuscheid an der Saaler Straße 11.
Große Feier zum Dreijährigen Bestehenen – Landmarkt gut besucht
Der dritte Geburtstag wurde jetzt groß gefeiert, und dazu hat die Genossenschaft wahrlich allen Grund. Ihre kühnsten Erwartungen sind übertroffen worden. Im von außen unscheinbaren Laden geht es Tag für Tag zu wie im Taubenschlag. Jeder kann hier einkaufen. Der Laden hat sich zum lebendigen Puls des Ortes entwickelt, wo sich alles trifft.
Zum Geburtstag sind einige der im Sortiment vertretenen regionalen Anbieter persönlich gekommen. In der Feierzone im Hof informieren und laden sie zur Verkostung ein. Die Fruchtaufstriche und Liköre der Kirschliesl-Manufaktur in Ruppichteroth stellt Annekatrin Schreiber aus den Früchten ihrer Streuobstwiesen her.

Regionale Angebote sind im Landmarkt gefragt. Hier die Kirschliesl Annekatrin Schreiber aus Ruppichteroth.
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Die Birkenhofbrennerei aus dem Nistertal hat feine Spirituosen. Rund zehn Kilogramm Honig vom Herchener Imkerpaar Richter gehen im Laden monatlich über die Theke. Von der Horbacher Mühle in Neunkirchen-Seelscheid kommen Produkte aus hundert Prozent naturbelassenen Mehlen. Reinhold Großmann vom gleichnamigen Weingut an der Nahe überzeugt mit seinen Bioweinen und aus Nümbrecht kommen die leckeren Weber-Säfte.
Hier trifft man immer jemand, und es geht nicht so hektisch zu.
Gesellige Stammkundschaft sitzt schwatzend beisammen. Kunde Peter Graß schätzt die Stärkung der Gemeinschaft durch den Laden. Sitznachbarin Sabine Schumacher stellt sich als Ur-Leuscheiderin vor, eine gebürtige Paulus, deren Familie den gleichnamigen Gasthof lange betrieben hat. Sie wohnt zwar im benachbarten Rheinland-Pfalz, erzählt aber: „Ich komme sogar samstags lieber hier einkaufen, als im großen Supermarkt. Hier trifft man immer jemand, und es geht nicht so hektisch zu.“
Ladenleiter Andreas Majer ist der einzige Festangestellte der Genossenschaft. Michael Vogel vom Vorstand und er sind erst im letzten Jahr dazugekommen und arbeiten eng zusammen. Vogel, der nun ehrenamtlich wirkt, hat jahrzehntelang im Lebensmitteleinzelhandel gearbeitet. Er berät Majer in Sachen Sortimentsauswahl, Kalkulation und Lieferantenkontakte.
Wir haben das Sortiment auf Kundenwunsch geändert, das Frischesortiment wurde erweitert.
Wie gut die Zusammenarbeit funktioniert, dafür spricht die Umsatzexplosion im vergangenen Jahr. Vogel erklärt die Gründe: „Ein Laden braucht eine Identifikationsfigur, deshalb ist der Landmarkt von Andreas.“ Wo man sich umhört, sie schwärmen alle von ihrem Ladenleiter. „Wenn etwas fehlt, Andreas macht es möglich. Er hat ein Herz für alle“, weiß auch Michael Vogel. Gemeinsam treiben sie den Laden weiter nach vorne.

Arbeiten Hand in Hand: links Michael Vogel vom Vorstand, rechts Marktleiter Andreas Majer
Copyright: Sylvia Schmidt
Eine Reinigungsannahme und ein Getränkemarkt werden angeboten. „Wir haben das Sortiment auf Kundenwunsch geändert, das Frischesortiment wurde erweitert, gerade erst haben wir den Laden um den vier Quadratmeter großen Raum erweitert, in dem früher der Kassenautomat der Volksbank gestanden hat“, sagt Vogel. Über einhundert neue Artikel haben dort Platz gefunden. Hinzugekommen ist ein kompaktes Sortiment der Metzgerei Krieger aus Bitzen. Die Fleisch- und Wurstwaren sind eingeschweißt eine Woche haltbar. Auf Wunsch kann bestellt werden, am nächsten Tag ist die Ware da.
Leuscheider Landmarkt stellte verstärkt von Billig- auf Markenprodukte um
Insgesamt ist verstärkt von Billig- auf Markenprodukte umgestellt worden. „Wir orientieren uns an den Top-Sellern in Deutschland“, freut sich Vogel. Auch die Entwicklung der Genossenschaftsmitglieder lässt sich sehen. Waren es zu Beginn rund 40, sind es heute etwa 400 Mitglieder. Genosse und Genossin kann man mit dem Kauf eines Anteilscheins im Wert ab mindestens hundert Euro werden. Und: Genossenschaftsmitglieder können an sieben Tagen in der Woche mit ihrer Karte rund um die Uhr im videoüberwachten Laden einkaufen.

Die Waren im Landmarkt wurden immer mehr auf Markenprodukte umgestellt. (Archivbild)
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Um nicht nur einmal in der Woche, sondern durchgehend frisches Obst- und Gemüse anbieten zu können, wird der kleine Markt zusätzlich vom Eitorfer Händler Michael Derscheid beliefert. Und dann stellt Vogel noch klar: „Vorbehalte gegen die Preisgestaltung kleiner Läden sind nicht wahr. Der Erfolg gibt uns Recht, und übrigens sind die Eier vom Hof Schneider unser Bestseller. “
Laden ist zum Treffpunkt für alle und alles geworden
Weil auch am Geburtstag das Geschäft weiterläuft, hat Majer wie immer meist alle Hände voll zu tun. Insgesamt unterstützen ihn im Wechsel zwanzig ehrenamtliche Frauen und Männer, ohne die es nicht zu schaffen wäre. Heute tänzeln sie mit köstlichen selbstgebackenen Kuchen und belegten Brothappen um die Besucherschaft herum.
Der Laden ist neben dem Nahverkauf Treffpunkt für alles. Irgendwer sitzt immer an einem der drei Tische vor der großen Kaffeemaschine, die von der Siegburger Rösterei Cofi Loco gut bestückt wird. Einmal im Monat wird es zur Erzählrunde „Wie et fröher wor“ eng und gemütlich, jeden Mittwoch gibt Holger Riedel einen Malkurs für Erwachsene, Ute Klein und Bärbel Kelch treffen sich hier mit der Selbsthilfegruppe Schlaganfall. Jeder kann den Raum für eine Nutzung anfragen.
Integriert ins Dorfzentrum ist auch der „biketreff-leuscheid“, die Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt mit fachkundiger Betreuung und Ersatzteilversorgung. Zum Geburtstag ist der federführende Andreas Pooch aus der nur wenige Schritte entfernten Werkstatt rübergekommen und bietet den Bosch-Motoren-Check für E-Bikes an. Hier bringt jeder seine Profession ein. Die kleinen Gäste vergnügen sich sorgenfrei in der Hüpfburg, stärken sich mit Kriegers Würstchen vom Grill.
Ehrenamtlich ist Judith Norden vom ersten Schritt an dabei. „Es war sehr anstrengend, viel Arbeit und ein langer Atem war nötig. Jeder bringt im Vorstand seine Profession ein.“ Ein ganzes Dorf ist glücklich mit seinem Laden.
Weitere Informationen unter www.Dorfzentrum-Leuscheid.de.

