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VorreiterkonzeptDie Hennefer Verwaltung will schon 2035 treibhausgasneutral sein

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In der Meys Fabrik in Hennef wurde das Vorreiterkonzept Treibhausgasneutralität 2035/2040 vorgestellt.

In der Meys Fabrik in Hennef wurde das Vorreiterkonzept Treibhausgasneutralität 2035/2040 vorgestellt.

Das Büro Drees & Sommer hat das Konzept erarbeitet, mit dem Hennef eine Vorreiterrolle im Klimaschutz spielen könnte.

Ein ambitioniertes Vorhaben hat sich die Stadt Hennef vorgenommen und dafür ein so genanntes Integriertes Vorreiterkonzept beauftragt. Bereits 2040, also fünf Jahre vor dem von der Bundesregierung gesetzten Ziel, soll die Kommune an der Sieg treibhausgasneutral sein. Für die Verwaltung ist der Druck sogar noch ein bisschen höher, da soll diese Marke schon 2035 erreicht sein. Dafür sind also gerade noch mal neun Jahre Zeit.

In der Meys Fabrik stellte Daniel Skubski vom Kölner Büro Drees & Sommer die Analyse, Potenziale und Maßnahmen vor. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger nutzten die Chance, noch bis zum 26. April können sie zu den bereit gestellten Unterlagen unter app.climateview.global Eingaben machen. Bürgermeister Mario Dahm ordnete erstmal ein, warum Hennef das macht.

Die angestrebten Klimaziele sind ambitioniert.

Die angestrebten Klimaziele sind ambitioniert.

„Der Klimawandel ist ein sehr reales Phänomen“, sagte er. Gerade ältere Menschen litten an der Erderwärmung, auch die Stadt habe bereits mit extremen Wetterphänomenen zu tun gehabt, wie der Starkregenflut im Juni 2021. 57 Prozent der Beteiligten einer Umfrage antworteten auf die  Frage, ob die Klimawende zu langsam passiere mit ja, nur 15 Prozent mit zu schnell. Vor großen Aufgaben soll man sich nicht drücken, meinte Dahm.

Der Klimawandel ist ein sehr reales Phänomen.
Mario Dahm, Bürgermeister von Hennef

Deutschland sei mit der Jahreszahl 2025 Vorreiter und Hennef Vor-Vorreiter, startete Skubski in seine Ausführungen. Er formulierte die Wertung „klimaneutral“ zu „treibhausgasneutral“ um, weil sich das präziser fassen lasse. Entscheidend bei Konzept sei es, Dinge anzugehen, auf die die Stadt auch real Einfluss haben kann. Das Maßnahmenpaket verteilt sich auf insgesamt fünf Sektoren: Verkehr, private Haushalte, Wirtschaft, Energieversorgung und Kommunalverwaltung.

Bürgerinnen und Bürger sollen durch höhere Lebensqualität profitieren

Verbunden ist das mit den Zielen, finanzielle Chancen zu nutzen, die sich etwa durch Förderungen ergeben oder die Unabhängigkeit durch erneuerbare Energien. Der Standort müsse attraktiv und wettbewerbsfähig gehalten werden durch zukunftsfähige Energie- und Klimastrategien. Bürgerinnen und Bürger sollen durch eine höhere Lebensqualität profitieren, durch bessere Luft und gesündere Wohn- und Arbeitsbedingungen. Kosten und Risiken können langfristig gesenkt, die Handlungsfähigkeit der Kommune gesichert werden, etwa durch Unabhängigkeit von Strompreisschwankungen und höherer Resilienz gegen Krisen.

In der Bestandsanalyse setzte Skubski die Startpunkte. 267 Kilotonnen CO²-Äquivalent stehen am Anfang und sollen eingespart werden: 130 Kilotonnen bei Gebäuden, 104 bei Transport und 33 bei der Industrie. Interessant sind die Zahlen beim Wärmeverbrauch, 316 Gigawattstunden entfallen auf Haushalte, 27 auf Industrie, 46 für Gewerbe, Handwerk und Dienstleistung sowie acht auf die Kommune.

Zahlreiche Maßnahmen sind inzwischen benannt und sind eingeflossen ins Vorreiterkonzept. Der Masterplan Mobilität, die kommunale Wärmeplanung und die treibhausgasneutrale Kommunalverwaltung finden Eingang in den Katalog. Noch sind zahlreiche Ideen  zurückgestellt, von 153 sind es 80. Doch das Konzept ist gerade erst am Anfang, am kommenden Montag steht die Beschlussfassung im Rat an.

Daniel Skubski vom Büro Drees & Sommer präsentierte Analysen, Grundlagen und Maßnahmen.

Daniel Skubski vom Büro Drees & Sommer präsentierte Analysen, Grundlagen und Maßnahmen.

Getreu des Mottos „plane, tue, kontrolliere, handele“ soll der Prozess durch das Klimaschutzmanagement ständig begleitet und überwacht werden und bei Bedarf Maßnahmen angepasst werden, sollten Zwischenziele nicht erreicht werden. Was vorgesehen ist, lässt sich durchaus sehen.

Das reicht vom Aufbau einer Ladesäuleninfrastruktur, sowohl für Autos wie für Fahrräder über einen Leuchtturm für eine Agri-Photovoltaik und die Fokusinitiative Windenergie bis zu Machbarkeits- und Potenzialstudien für Wärmenetze, Dachflächen-Solarthermie. Im Plan ist die papierlose Verwaltung genau so wie der Masterplan Stadtgrün.

Kommunale Einrichtungen beziehen schon zu 100 Prozent Ökostrom

Und es gibt sogar schon die Dinge, die umgesetzt sind: 100 Prozent Ökostrom für kommunale Einrichtungen und Veranstaltungen etwa oder die Kommunikation von Energiesparmaßnahmen an die Bürgerinnen und Bürger. Derzeit in der Umsetzung ist die Umrüstung der öffentlichen Beleuchtung auf LED.  Die meisten Besucherinnen und Besucher waren angetan von der Vielfalt der Möglichkeiten, waren aber fast einhellig auf der Seite der 57 Prozent, denen die Energiewende zu langsam vorangeht.