Auch in Niederkassel und Lohmar sammelten Freiwillige Unrat aus der Natur.
Aktion in Rhein-Sieg60 Tonnen wilder Müll allein in Hennef

Müllsammelaktion in Niederkassel-Rheidt: Dirk und Tina Krischken mit ihren Töchtern Emma (3) und Hanna (5) waren fleißig ungterwegs.
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Hätte es den vergangenen Samstag (21. März) nicht gegeben, lägen heute immer noch gut 60 Tonnen wild entsorgten Mülls neben Straßen, Wegen, auf Plätzen und an Waldrändern in und um Hennef nebst Stadtteilen. Darunter 40 alte Autoreifen, ein Feuerlöscher und vor allem viele Lebensmittel, wie Rüdiger Wiegel, Leiter des Hennefer Baubetriebshofs berichtete.
Die alljährliche Aktion „Hennef schwingt den Besen“, an dem rund 1900 Personen aller Altersstufen aus 46 Vereinen, drei Schulen, neun Kindertageseinrichtungen und privat Sammelnde teilnahmen, führte zur fetten Beute. Was Bürgermeister Mario Dahm freilich freute, der sich bei vielen der Teilnehmer bei den beiden abschließenden geselligen Treffen im Baubetriebshof und bei der Uckerather Feuerwehr bedankte.
Hennef schwingt den Besen“: Nützliches mit Geselligkeit verbinden
Früh machten sich die Ehrenamtler ans Werk, wie etwa bei der der IG Blocksberg. Punkt neun Uhr begrüßte IG-Sprecherin Eva Eggert die motivierten Familien: „Wir verbinden Nützliches mit Geselligkeit“, sagte Eggert. Stolz präsentierten die Kinder ihre Müllgreifzangen und hielten schon am Treffpunkt Ausschau nach Unrat. Wie der kleine Justus, der sich mit „Das ist meins“ ein Stück Plastik entdeckte und in den Sack steckte.
Zwischen Hennef und Stoßdorf waren die Freunde Jury Heißler, Vladimir Lesser und Alexander Junker vom Kleingärtnerverein Geistingen unterwegs, lasen den Unrat neben der Stoßdorfer Straße auf. Sie wunderten sich, wie schnell sich ihre Plastiksäcke füllten, blieben gleichwohl gelassen. „Wir können jammern wie wir wollen, das Zeug muss weg“, sagte Jury Heißler lachend. Genug Müll gab es auch an der Löhestraße wo Andreas Wehle und Karu Williams angetreten waren: „Wir haben schon sechs volle Säcke.“

Die Freunde Jury Heißler, Vladimir Lesser und Alexander Junker waren zwischen Hennef und Stoßdorf unterwegs.
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Wir wollen bei unseren Kindern ein Bewusstsein schaffen für die Umwelt
Mit vielen anderen Gleichgesinnten waren Dirk und Tina Krischken mit ihren Töchtern Emma (3) und Hanna (5) am Rheidter Werth in Niederkassel auf der Suche nach Unrat unterwegs. Viel Zeit nahmen sich die Eltern, erklärten den Mädchen ausführlich das Wie und Warum. „Wir wollen bei unseren Kindern ein Bewusstsein schaffen für die Umwelt und wie wichtig diese ist“, sagte Dirk Krischken. „Sie sollen erkennen, was in die Natur gehört und was nicht.“ Anhand einer Glasscherbe erklärte der Vater, zu welcher Gefahr diese werden können. „Entweder für grasende Tiere oder indem das Glas bei großer Hitze wie ein Brennglas wirken und einen Brand verursachen kann.“
Der Verein Pfaffenhütchen hob die Aktion Initiative „Niederkassel räumt auf!“ aus der Taufe
Treffpunkt für die Mondorfer Mülljäger und -jägerinnen war die Fähranlegestelle, wo Jörg Tantow das Prozedere erklärte, Handwerkszeug und Sammelsäcke verteilte. Zudem hatte er in den Tagen zuvor kritische Stellen in Pfaffenmütz erkundet, die offenbar besonders gern von Müllsündern als Deponie missbraucht werden. Die vierköpfige Familie Solascheck war zum ersten Mal dabei, freute sich, helfen zu können. Beide Söhne hatten sogar eigene Sammelzangen mitgebracht, wurden auch flugs fündig. Uschi Janßen und Ingo von Conta zogen jeder für sich los. Letzterer nahm das Rheinufer in Angriff, Uschi Janßen die Grünflächen. „Für mich ist Umweltbewusstsein ein hohes Gut“, sagte sie, „denn wir haben nur einen Planeten.“

Ingo von Conta beteiligte sich an der vom Verein Pfaffenhütchen organisierten Aktion am Rheinufer in Niederkassel.
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Der Verein Pfaffenhütchen, der die Initiative „Niederkassel räumt auf!“ aus der Taufe hob, hatte zum sechsten Mal zum Mitmachen aufgerufen. Vorsitzender Ulrich von Elstermann freute sich über die hohe Teilnehmerzahl. Auch darüber, dass sich neben Mondorf, Rheidt, Niederkassel und Lülsdorf auch Ranzel, „obwohl es nicht am Rhein liegt“ (von Elstermann), der Aktion anschloss. Größtes Fundstück war ein bisher undefinierbarer, mehrere Meter langer Gummischlauch, der am Rheinufer zwischen Bäumen hing. „Möglicherweise ein Fender“, so von Elstermann. Der kümmerte sich am Samstag um den Imbiss am Rathausplatz, wo sich die erfolgreichen Gruppen auf Kosten des Vereins stärken konnten.
Zigarettenkippen, Einweg-Kaffeebecher und leere Schnapsflaschen am Straßenrand
Auch in Lohmar beteiligten sich Engagierte am Frühjahrsputz: Mit Säcken und Greifzangen suchten sie in Wahlscheid nach Unrat und wurden in der Gaststätte Aueler Hof mit Erbsensuppe belohnt. Der aufgestellte Container auf dem Parkplatz wurde jedoch nicht ansatzweise voll. „Es ist besser geworden, aber an den üblichen Stellen liegt jedes Jahr der gleiche Unrat“, sagt Thomas Jung vom Verkehrs- und Verschönerungsverein. Am Straßenrand fänden sich vor allem Zigarettenkippen, Einweg-Kaffeebecher und leere Schnapsflaschen. „Die sollten an den Kassen verboten werden“, meinte Jung. Insbesondere an Ampeln und in Kurven würden Autofahrerinnen und Autofahrer ihren Müll hinauswerfen.
In der Nähe der Agger habe er eine wilde Müllkippe entdeckt, darin: ein historisches Wagenrad. „Es lagen auch 20 Hundekotbeutel herum. Da machen Leute die Haufen ihrer Tiere weg und werfen die Tüten dann in die Umwelt“, empörte sich Jung. „Die E-Zigaretten haben wir diesmal gesondert gesammelt, weil sie nicht in den Hausmüll gehören. Die Akkus können in der Müllverteilungsanlage Brände auslösen“, warnte er. Zugleich sei es schwieriger geworden, Freiwillige zu finden. „Wir haben über Facebook geworben, aber das hat nicht gereicht. Nächstes Jahr wollen wir mehr plakatieren“, fügte er hinzu.

Thomas Jung und Burkhard Bröhl organisierten das Müllsammeln in Lohmar.
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Burkhard Bröhl vom Stadtmarketingverein Lohmar erklärte, dass dieser an diesem und auch kommenden Samstag weitere Sammelaktionen in anderen Stadtteilen organisiere. „Manchmal tun sich zwei zusammen und ziehen los, andere gehen in Gruppen – das geschieht sehr dezentral.“ Auf einer Karte könnten die Gruppen markieren, wo sie Müllsäcke hinterlassen hätten, der Bauhof fahre die Standorte dann ab und sammle sie ein. „Es hat sich was getan in den vergangenen Jahren: Zum Beispiel haben wir viel weniger Autoreifen gefunden“, schilderte Bröhl. Anmeldungen weiterer Gruppen für Sammelaktionen am kommenden Wochenende nehme der Verein per Mail an info@die-stadtmacher entgegen.

