Ein Hennefer Bauunternehmer will auf dem Areal zwischen Bierth und Daubenschlade bis zu 68 Wohneinheiten realisieren.
WiderstandNachbarschaft wehrt sich gegen Bauvorhaben an der Straße Zum Scherbusch in Hennef-Uckerath

Bürger und Bürgerinnen befürchten eine massive Bebauung eines rund einen Hektar großen Grundstücks, das nach ihrer Ansicht den Dorfcharakter massiv verändern würde.
Copyright: Ralf Rohrmoser-von Glasow
„Das droht uns allen!“ ist der Flyer übertitelt, mit dem Gloria Berger, ihre Mutter Claudia und Liam Siebigteroth sowie andere Mitstreiter zu den Nachbarn in Hennef-Uckerath gehen. Sie sammeln Unterschriften gegen ein Bauvorhaben an der Straße Zum Scherbusch. Auf dem rund einen Hektar großen Grundstück, heute ein grünes Feld, plant nach ihren Recherchen ein Hennefer Bauunternehmer drei Mehrfamilienhäuser mit je fünf Parteien, 22 Doppelhäuser und neun Einfamilienhäuser, insgesamt bis zu 68 Wohneinheiten.
„Unser Dorf braucht Schutz“, hat Tochter Berger formuliert. „Wir haben uns entschieden für das Nirgendwo.“ Die große Wiese, so sieht sie es dieser Tage immer wieder, sei Jagdgebiet des Rotmilans. Wie bestellt zieht der elegante Raubvogel seine Kreise am Himmel. Mehrere Horste gebe es wohl in direkter Nachbarschaft.
Die Initiative hat bereits 45 Unterschriften gesammelt
„Ein Nachbar hat einen Bauantrag gestellt und durfte nicht bauen wegen des Rotmilans“, erinnert sich Berger. Zwischen seinem Grundstück und der jetzigen Planung liegen 11,52 Meter, hat Siebigteroth nachgemessen. Warum der eine bauen darf und der andere nicht, erschließt sich der Initiative nicht. Sie hat bereits 45 Unterschriften gesammelt und Kontakt zu den Fraktionen im Stadtrat aufgenommen, um ihr Anliegen vorzutragen.
Der Rotmilan allein ist es aber nicht, auch Schwarzstörche haben sie beobachtet, Fledermäuse fliegen in der Dämmerung über die Fläche, über die regelmäßig Rehwild wechselt. Ein ganzes Bündel von Argumenten haben sie darüber hinaus zusammengetragen. In erheblichem Maße würden Grünflächen versiegelt, Wasser könne nicht mehr versickern.

Für das Areal an der Straße Zum Scherbusch liegt ein Bebauungsplan-Vorentwurf vor.
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„Schon jetzt fließt das Wasser bei starkem Regen die Straße runter“, meint Gloria Berger. Mutter Claudia ergänzt: „So viele Becken kann doch kein Investor da drunter bauen.“ Sie fürchten eine Überlastung der Kanalisation und das Risiko von Überflutungen, nicht zuletzt ihrer eigenen Grundstücke, die unterhalb liegen. Denn schließlich würde großflächig versiegelt.
Schon jetzt fließt das Wasser bei starkem Regen die Straße runter.
Ein wichtiger Aspekt ist für sie das Ortsbild. Mehrfamilienhäuser würden nicht passen. „Städtisches Wohnen gehört zum Beispiel in den Siegbogen“, so Gloria Berger. „Wir legen Wert auf den dörflichen Charakter. Das ist dann nicht mehr unsere Heimat.“ Die Mutter einer drei Jahre alten Tochter fürchtet um den Verlust von Freiheit und Identität. „Die Leute wohnen hier wegen der Natur und der guten Luft, haben sich für das Nirgendwo entschieden.“
Sie ist keine Gegnerin des sozialen Wohnungsbaus, wie er auch bei diesem Bauvorhaben vorgesehen ist in den Mehrfamilienhäusern. Doch an dieser Stelle gebe es keinerlei Infrastruktur, keine Kindertagesstätten und Schulen, keinen Nahversorger. „Du brauchst hier ein Auto.“ Jemand mit Wohnberechtigungsschein könne das eher nicht realisieren.
Die Parksituation würde in den engen Straßen sehr schwierig
Womit Siebigteroth und Bergers beim nächsten Problemkomplex sind - Verkehr und Sicherheit. Schon jetzt ist die Parksituation schwierig, stehen Fahrzeuge auf den Grünstreifen und würden die Straße Zum Scherbusch verschmälern. Selbst wenn der Investor den Bereich um die Bebauung ausbauen würde, verschöbe sich das Problem nur an die angrenzenden Abschnitte. Bei der geplanten Anzahl der Wohneinheiten gebe es zu wenig Parkplätze, was die Verkehrssituation kompliziert mache.
Im Ausschuss für Stadtplanung, Ortsgestaltung und Denkmalschutz ist das Vorhaben am 17. März vorgestellt worden. Ein Investor hat einen Bebauungsplan-Vorentwurf eingereicht, den ein Architektur-Büro aufgestellt hat. Damit ist ein Bebauungsplan-Verfahren für Zum Scherbusch eingeleitet worden. Das Areal ist im Flächennutzungsplan der Stadt als Wohnbaufläche ausgewiesen.
Die Ausschussmitglieder haben den Tagesordnungspunkt zunächst vertagt. Vor der kommenden Sitzung soll ein Ortstermin anberaumt werden, um sich die Situation vor Ort anzuschauen. Die engagierte Nachbarschaft hat inzwischen mit den Fraktionen Kontakt aufgenommen und wirbt für ihr Anliegen. Weitere Informationen gibt es unter nachbarschaftuckerath@gmail.com

