Von Bürgerdialog bis Haushaltsfragen: Matthias Schmitz spricht über Herausforderungen und Chancen nach 100 Tagen im Amt.
100 Tage im AmtLohmars Bürgermeister Matthias Schmitz zieht erste Bilanz

Matthias Schmitz ist Anfang November in das Lohmarer Rathaus eingezogen.
Copyright: Lilian von Storch
Herr Schmitz, wie sind Sie bisher in Ihrem Amt als Bürgermeister angekommen?
Sehr gut, ich wurde hier sehr positiv aufgenommen und konnte direkt konstruktiv in die Arbeit einsteigen. Große Überraschungen gab es keine, ich war ja entsprechend gut vorbereitet, und die Verwaltung ist insgesamt leistungsfähig aufgestellt. Mein Start war also harmonisch, aber auch intensiv, man muss sich natürlich noch in viele Themen einarbeiten. Aber es ist sehr spannend und macht mir große Freude. Mein Blickwinkel hat sich geändert, ich schaue jetzt mit einer anderen Brille auf die Stadt, auch wenn ich schon 20 Jahre in der Kommunalpolitik aktiv bin.
Inwiefern hat sich Ihr Blickwinkel geändert?
Aufgrund des Amtes, das ich ausfülle, nehme ich hier natürlich eine ganz neue Rolle ein und agiere dementsprechend anders. Vor allem ist es mir wichtig, für alle ein offenes Ohr zu haben, auf die Menschen und deren Bedürfnisse einzugehen. Als Vereinsmensch liegt mir das schon immer besonders am Herzen.
Auf welchen Wegen kommen Bürgerinnen und Bürger mit Ihnen ins Gespräch?
Es stehen alle Wege offen: Die persönliche Sprechstunde, telefonische Anfragen, und es gibt natürlich immer die Möglichkeit, mich direkt auf Terminen anzusprechen. Ein schönes Beispiel ist die Ideenwerkstatt zur Zukunft der Alten Schule und der Musik- und Kunstschule in Birk. Hier geht es darum, die Bürgerinnen und Bürger vor Ort mitzunehmen. Ich habe mich sehr gefreut, dass beide Veranstaltungen von Menschen aus den unterschiedlichsten Gruppierungen gut besucht waren, die ihre Meinungen und Hinweise eingebracht haben.

Die Infoveranstaltungen zur Zukunft der alten Schule in Birk waren rege besucht.
Copyright: Lilian von Storch
Was konnten Sie in den ersten 100 Tagen erreichen?
Es geht ja bisher vor allem darum, entsprechende Wege aufzubereiten, in der Hoffnung, am Ende des Tages etwas für die Gemeinschaft zu erreichen. In Birk war es mir wichtig, große Transparenz und Offenheit in das gesamte Verfahren zu bringen. Außerdem starten wir bald einen neuen Versuch: Ab dem 25. März wird das Bürgeramt immer mittwochs eine offene Sprechstunde haben, vorerst für ein halbes Jahr. Viele Bürgerinnen und Bürger sind zwar zufrieden mit der Arbeit des Bürgeramtes und der Terminvergabe, aber viele haben auch angemerkt, dass man für eine Kleinigkeit doch auch einfach so vorbeikommen könnte. In unserer Testphase wollen wir schauen, ob wir unseren Service so verbessern können.
Sie hatten bereits vor der Kommunalwahl angedeutet, dass Sie auch die Verwaltung umstrukturieren möchten – was funktioniert hier bereits gut, und wo sehen Sie verbesserungsbedarf?
Ein Beispiel, was super funktioniert, ist die Zusammenarbeit der Verwaltung mit der Feuerwehr. Beispielsweise bei dem Brand in Scheiderhöhe. Das, muss man wirklich sagen, war hervorragend. Ein Part, den wir noch optimieren können, ist die Verkehrssicherheit, vor allem auf der Hauptstraße. Zur Organisationsoptimierung analysieren wir außerdem gerade innerhalb der Verwaltung die Verteilung der Aufgaben. Beispielsweise Doppelstrukturen, die sich immer irgendwo einschleichen, möchten wir aufbrechen, um so die Arbeitsabläufe zu optimieren.
Welche Themen haben Sie in den ersten Monaten am meisten Zeit und Energie gekostet?
Die komplette Bandbreite. Gerade zu Beginn einer Amtszeit ist es für mich selbstverständlich, dass ich versuche, mich in jedes Thema reinzufuchsen, auch wenn die Details natürlich von anderen Bereichen bearbeitet werden.
Wo mussten Sie seit Amtsantritt Kompromisse eingehen, die Ihnen nicht leichtgefallen sind?
Wir arbeiten gerade an der Erstellung eines Haushaltsentwurfes. Das ist herausfordernd und anspruchsvoll in der aktuellen finanziellen Lage. So geht es vielen Kommunen. Es gilt, die richtigen Schwerpunkte zu setzen, also dort zu investieren, wo es für die Gemeinschaft wichtig ist, und auf der anderen Seite natürlich mit Augenmaß mit den finanziellen Mitteln umzugehen. Für mich sind alle Investitionen, die in die Zukunft gerichtet sind, wichtig und sollten mit größtmöglicher Transparenz getätigt werden.
Was sind für Sie wichtige Zukunftsinvestitionen?
Natürlich alles in den Bereichen Familie, Bildung und Infrastruktur. Es wurde in den letzten Jahren eine sehr gute Schullandschaft aufgebaut, die gilt es zu verstetigen. Nicht zu vergessen ist unsere Feuerwehr, die bestmöglich ausgerüstet und ausgestattet sein sollte. Hier darf man auf keinen Fall sparen, denn im Falle eines Falles müssen diese Leute ins brennende Haus. Ich besuche gerade alle Feuerwachen, wie ich auch alle Abteilungen der Verwaltung besucht habe, und spreche den Kameradinnen und Kameraden meinen persönlichen Dank aus. Ihre Arbeit ist nicht selbstverständlich und muss so gut wie möglich unterstützt werden.
Wie bewerten Sie aktuell die Zusammenarbeit der Fraktionen im Stadtrat?
Sie funktioniert in vielen Themen konstruktiv, aber wie es sich für Lohmarer Verhältnisse gehört, in manchen Bereichen auch intensiv. Es wäre ja in Lohmar was Neues, wenn das nicht der Fall wäre. Und das ist ja auch gut – es soll um Entscheidungen gerungen werden, um die besten Ergebnisse für die Bürgerinnen und Bürger zu erreichen.
Was möchten Sie bis Ende des Jahres auf den Weg gebracht haben?
Ich bin kein Freund von Stichtagen, sondern von einer langfristigen Betrachtung. Ich persönlich brauche keine Statussymbole, mir geht es vielmehr darum, konstruktiv für die Bürgerinnen und Bürger die bestmögliche Arbeit zu leisten. Und natürlich langfristig den Eindruck erweckt zu haben: Jawoll, er hat das Beste gegeben zum Wohle unserer Stadt.
Welches Feedback bekommen Sie bisher von Bürgerinnen und Bürgern?
Man bekommt natürlich positives Feedback, der ein oder andere erwartet auch ein bisschen mehr. Das ist auch gut so, das spornt einen entsprechend an. Ich bin ja nicht Bürgermeister eines Klientels, sondern ich möchte Bürgermeister aller Lohmarerinnen und Lohmarer sein.
Gab es ein besonderes Erlebnis, wo Sie gemerkt haben: Jetzt bin ich angekommen?
Als endlich die Technik funktionierte! Beim dritten Laptop klappte es. Auch wenn die Verwaltung gut vorbereitet war, war anfangs der Wurm drin.
Was kommt im Bürgermeister-Alltag zu kurz?
Ganz klar meine Familie und Freunde. Im Umkehrschluss geben mir genau sie aber auch die Energie und den Rückhalt, den man als Bürgermeister braucht.

