Bernhard Schröder und Rainer Geyer stellen im Pumpwerk aus
Kunst im PumpwerkEine Ausstellung für den Ampelmann in Siegburg

Die neue Ausstellung im Pumpwerk wird am Samstag eröffnet. Dabei dieses Werk aus über7000 Stecknadeln.
Copyright: Markus Peters
Man muss bei diesem Kunstwerk schon sehr genau hinsehen: Mehr als 7000 Stecknadeln, jeweils nur zehn Millimeter groß, benutzt Bernhard Schröder, um den Werdegang der Evolution nachzustellen – ein ebenso akribisches wie originelles Werk, denn hier endet die menschliche Entwicklung nicht im aufrechten Gang, sondern als ostdeutsches Ampelmännchen.
Ab Samstag, 21. Februar, stellt Schröder mit Rainer Geyer unter dem Motto „Reduktion als Ausdruck“ im Pumpwerk aus. Die beiden Künstler hatten sich bei einer Vernissage des Kunstvereins für den Rhein-Sieg-Kreis kennengelernt und rasch festgestellt: Man passt zueinander. „Es gibt eine klare Schnittmenge – vor allem in der Farbigkeit. Wir arbeiten beide bunt, aber auf unterschiedliche Weise“, erläutert Rainer Geyer. Und doch wird diese Farbigkeit unterschiedlich interpretiert. „Bei mir ist alles stark reduziert: Linie, Fläche, Kontrast. Bei Bernhard ist es spielerischer. Bei ihm taucht der Ampelmann in allen möglichen Varianten auf.“
Idee zur Kunst mit dem Ampelmann geht auf ein Plattencover zurück
Schröder hatte das Ampelmännchen auf einem Plattencover der deutschen Band Fury in the Slaughterhouse entdeckt. Seitdem spielt die klar strukturierte und unverwechselbare Figur auf nahezu all seinen Bildern eine entscheidende Rolle; mal als Miniatur, mal als dominierendes Motiv – wobei der Künstler nicht verhehlt, dass ihm die 1961 entstandene, ostdeutsche Variante sympathischer ist als das wesentlich nüchternere, westdeutsche Pendant. Tatsächlich scheinen dem ehemaligen Bodenleger die Ideen für den Helden zahlreicher ostdeutscher Lichtsignalanlagen nicht auszugehen: Mal dient er als beleuchtete dreidimensionale Installation, mal wird er in 14.000 handgemalten Pixeln aufbereitet, mal dient er als Werbeträger für gelebte Nachhaltigkeit, ausgefüllt mit Bambusstücken oder Kronkorken, die der Künstler eigens von der Straße aufgelesen hat.

Bernhard Schröder (l.) und Rainer Geyer zeigen ihre Arbeiten im Pumpwerk in Siegburg.
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Rainer Geyer hatte als Grafikdesigner stets nach den Wünschen und Vorgaben seiner Kunden arbeiten müssen. Nach dem beruflichen Rückzug spielt er nun unbeschwert mit Farben und Linien, eine immerwährende Balance zwischen klaren Kanten und starken Farbkontrasten. „Manchmal baut ein Bild auf dem vorherigen auf – durch veränderte Farben, Linienbreiten oder Perspektiven. Manchmal entsteht etwas völlig Neues, weil ich irgendwo etwas entdecke, das mich anspricht“, sagt Geyer.
Einige Werke von Rainer Geyer werden mittels 3-D-Drucker zu Skulpturen
Er arbeitet oft mehrstufig: Erst entstehen Skizzen im Buch oder am Computer, dann folgt die Farbauswahl, schließlich die Umsetzung auf Leinwand. „Meine Farben sind bewusst gebrochen, weil ich immer etwas Weiß untermische. Reine Acrylfarben decken schlecht – und mir gefallen die pastelligen Töne.“ Seit kurzem lässt er einige seiner Werke als Skulpturen in einem 3D-Drucker umsetzen.

14.000 handgemalte Pixel: Bernhard Schröders Ampelmännchen mit Zeppelin.
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Der kreative Prozess ist bei beiden Künstlern ähnlich: „Ich lasse mich von meiner Umwelt inspirieren – von Natur, Medien, Orten. In Frankreich hat mich der Boden einer Kathedrale zu zwei Bildern angeregt. Man nimmt etwas wahr, reduziert es auf zwei Farben, und daraus entsteht ein neues Werk“, erläutert Rainer Geyer, und Bernhard Schröder ergänzt: „Ich habe mehr Sachen im Kopf, als ich machen kann.“
Die gut 100 Exponate im Pumpwerk überzeugen durch Originalität und künstlerische Finesse. Die geschickte Hängung in den anspruchsvollen Räumen sorgt zudem dafür, dass sich die Arbeiten oftmals ergänzen. Eine rundum gelungene Ausstellung, für die man sich Zeit nehmen sollte, denn es gilt einiges zu entdecken.
„Reduktion als Ausdruck“ wird am Samstag, 21. Februar, um 15 Uhr im Pumpwerk, Bonner Straße 65 in Siegburg, eröffnet und ist dann bis zum 26. Februar zu sehen. Öffnungszeiten sind am Samstag von 15 bis 18 Uhr, Sonntag von 11 bis 15 Uhr, Mittwoch von 11 bis 16 Uhr sowie Donnerstag von 15.30 bis 18 Uhr.
