Sage und schreibe 45 Minuten dauerte es von der Tiefgarage im S-Carrée bis zum Kreisverkehr an der Ecke Mühlenstraße/Siegfeldstraße.
Stau, dein Name ist MühlenviertelSiegburger Berufsverkehr ächzt unter Baustellen und Bahnausfällen

Am Nachmittag staut sich regelmäßig der Verkehr, teilweise bis in die Tiefgarage im S-Carrée.
Copyright: Ralf Rohrmoser-von Glasow
Pünktlich Feierabend, endlich Frühling. Ein strahlend blauer Himmel und Temperaturen, die einen in der Sonne schon fast zum Schwitzen bringen, locken nach draußen. Nur der Rückweg raus aus Siegburg steht der endgültigen Entspannung noch im Weg. Gedanklich schon bei der Sportstunde, die im Sinne der „Work-Life-Balance“ gebucht wurde, blitzt nur kurz der Gedanke auf: Schaffe ich es pünktlich? Heute wird die Rückfahrt mit dem Auto angetreten, unabhängig von der Bahn und somit von potenziellen Verspätungen oder Ausfällen. Sollte alles also kein Problem sein.
Den Rucksack wird also ins Auto geschmissen und die Gute-Laune-Playlist abgespielt. Doch während die ersten Töne von „In The End“ von Stefanie Heinzmann anklingen und der Kopf fröhlich im Takt wippt, folgt die böse Überraschung: Die Autos stehen schon auf der Ausfahrt aus der Tiefgarage im S-Carrée. Wieso fahren die nicht weiter? Im Kopf schwirren Gesprächsfetzen aus der Redaktion herum: „Sperrung der Linie 66, Baustelle an der Wahnbachtalstraße, Zustände wie während des Mittelaltermarkts ...“
Feierabendverkehr: Autoschlange quält sich langsam durch das Mühlenviertel
Die ersten Minuten vergehen. Die Autoschlange quält sich nur langsam die Georgstraße hinunter. Die Ankunftszeit, die das Handy anzeigt, rückt immer weiter nach hinten. Es reicht mit der Playlist, die gute Laune ist hin, der Schweiß tritt mir auf die Stirn. Ich blicke auf die langen Autoschlangen vor, hinter und neben mir und verabschiede mich innerlich von meiner Sportstunde. Nach 45 Minuten ist der Kreisverkehr an der Ecke Mühlenstraße/Siegfeldstraße erreicht.
„Geteiltes Leid ist halbes Leid“ – viele Autofahrerinnen und Autofahrer aus Siegburg erleben gerade und in den vergangenen Tagen genau das Gleiche. Das weiß auch die Stadtverwaltung. „Im Mühlenviertel ist immer viel Verkehr, besonders zu den Stoßzeiten. Im Moment scheint die Baustelle an der Frankfurter Straße/Wahnbachtalstraße und das Plus an Autos wegen des Linie-66-Bahnersatzverkehrs zum Stau beizutragen“, erklärt Jan Gerull, Sprecher der Stadt Siegburg. Auch die Großbaustelle auf dem Deichhaus habe mit Sicherheit stadtweite Auswirkungen auf die Verkehrsströme. „Das ist im Moment ärgerlich, aber auf lange Sicht wird der dort entstehende Kreisel mit Sicherheit zu einem besseren Fluss führen.“
Kreisellösung am Kaiser-Wilhelm-Platz soll zum Jahreswechsel kommen
In Richtung Jahreswechsel soll dann auch die lang ersehnte Kreisellösung am Kaiser-Wilhelm-Platz realisiert werden. „In der dann wiederum nötigen Bauphase werden die Flaschenhalseffekte im Mühlenviertel sicherlich nicht geringer“, vermutet Gerull. „Aber wenn die Autos erst einmal ‚rundlaufen‘ vor dem Kreishaus, erwarten die Planer eine spürbare Verbesserung.“
Hoffentlich. Und bis dahin? Verbringen wir unsere Feierabende im Auto im Mühlenviertel. Oder steigen doch lieber auf die Bahn oder das Fahrrad um.


