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Gastro-SzeneAm Siegburger Markt gibt es ein Bäumchen wechsel dich

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Neues Projekt: Manuel "Momo" Schmitz (links) und sein Kompagnon Dominik Pohle ziehen mit ihrer Kultkneipe Zum Prinzen in den früheren Casbah-Club.

Neues Projekt: Manuel "Momo" Schmitz (links) und sein Kompagnon Dominik Pohle ziehen mit ihrer Kultkneipe Zum Prinzen in den früheren Casbah-Club. 

Junge Gastronomen wollen die Siegburger City beleben. Es gibt Umzüge und neue Projekte.

Macht Manuel „Momo“ Schmitz nach nur einem Jahr seine Kult-Kneipe dicht? Weit gefehlt. Er zieht nur um die Ecke zum Siegburger Markt und startet im früheren Casbah-Club neu. Die 44 Quadratmeter am Herrengarten 1 seien längst viel zu klein geworden, sagt der 36-Jährige, der sein „Zum Prinzen by Momo“ nun mit Kompagnon Dominik Pohle (30) führt.

Das Projekt ist Teil eines munteren Bäumchen-wechsel-dich, in dem noch weitere junge Akteure der Gastro-Szene mitspielen. Vordringliches Ziel: „Wir wollen Siegburg beleben, den Leute hier was bieten“, sagt Schmitz.

Phil Hönscheid schafft sich mit seinem alten Lokal am Herrengarten ein zweites Standbein

Man kennt sich, und man mag sich. Wichtig in einem Job, der ungewöhnliche Arbeitszeiten und besondere Belastungen mit sich bringt. Schmitz, begeisterter Karnevalist, der Gastro-Erfahrung unter anderem in Köln sammelte, hatte schon vorher als Mitarbeiter von Phil Hönscheid im Prinzen gearbeitet, bevor er im Januar 2025 den Zapfhahn übernahm. Dominik Pohle, der sein Handwerk im Parkhotel Kranz lernte, war einst ebenfalls bei Hönscheid angestellt, zuletzt bei Schmitz, bei dem er nun als Geschäftspartner einsteigt.

Phil Hönscheid, der an der Holzgasse die Weinbar „La Vie“ betreibt, schafft sich mit der zeitgleichen Rückkehr in sein früheres Lokal am Herrengarten ein zusätzliches Standbein. Zunächst öffnet er über Karneval, am Samstag, 7. Februar zur Rathauserstürmung ab 11 Uhr, an Weiberfastnacht, 12. Februar, ab 11 Uhr und am Rosenmontag, 16. Februar, ab 14 Uhr.       

Ein Mann vor einem Weinregal

Phil Hönscheid (33), Betreiber der Weinbar La Vie, plant ebenfalls ein neues Projekt in Siegburg.

Sein Pachtvertrag laufe noch drei Jahre, in der Pop-up-Eventlocation sollen zunächst Weintastings, Workshops, Zigarrenabende und weitere Specials laufen, erzählt der Siegburger. Der Raum könne auch gemietet werden. Ab Herbst plane er ein frisches gastronomisches Konzept im neu gestalteten Lokal. 

Schmitz war sein Untermieter, dass dieser nach nur einem Jahr zum Markt wechselt, sei für ihn kein Problem. „Wir sind befreundet und schätzen uns.“ So habe sich eine neue Tür aufgetan und vielleicht eine Lösung für ein künftiges Problem.

Denn er blicke besorgt der großen Baustelle in der Holzgasse entgegen, die die Besucherströme bald für Monate abschneiden werden von seiner Bar mit integrierter Weinhandlung. Außerdem habe er in den Umbauplänen der Stadt gesehen, dass künftig just vor dem „La Vie“ ein Baum platziert werden soll: „Was geschieht dann mit meinen Außenplätzen?“    

Die Gastronomie mache etwa die Hälfte seines Geschäfts aus, so der 33-Jährige, der zusätzlich noch ein Catering betreibt. Alles stemmt der gelernte Fachmann für Systemgastronomie mit drei Beschäftigten, einem Festangestellten, der die Verantwortung fürs La Vie hat, und zwei Aushilfen. Hönscheid hat neben der Organisation einen wichtigen Part: „Ich koche.“

Das tut auch Manuel Momo Schmitz in seinem weiteren Projekt: dem „Brückberger Veedel“. Im vergangenen Jahr sei er beim Veedelszug angesprochen worden auf die Misere: Die gutbürgerliche Kneipe „Zum Brückberg“ war schon länger geschlossen, nach erfolgreichen Jahrzehnten waren Maria und Georg Knall 2021 in den Ruhestand gegangen, die Nachfolger hatten das Handtuch geworfen. Karnevalist Schmitz sagte aus einer Bierlaune heraus zu: „Ja, machen wir.“    

Das Brückberger Veedel hat der Siegburger Schmitz im September übernommen

Der Laden, Mitte September 2025 gestartet, läuft: Fünf Mitarbeiter hat der Siegburger mittlerweile, ein befreundeter Koch kommt einmal die Woche. Von dem habe er sich einiges abgeguckt. Er stehe in der Küche, es gebe eine kleine Karte, zivile Preise, geöffnet ist dienstags bis samstags ab 17 Uhr, sonntags zum Frühschoppen.

Die Stammkundschaft dankt: Der Brückberg habe nun seinen Treffpunkt samt Kegelbahn wieder. Wer nach Thekenschluss („dann, wenn es sich nicht mehr lohnt“) noch auf einen Absacker in den Prinzen wolle, für den gebe es zu Sonderkonditionen einen Minicar-Shuttle in die Stadt.   

Das Casbah zu übernehmen, das sei immer ein Traum von ihnen gewesen, schildern Schmitz und Pohle. Vor einigen Jahren waren sie selbst oft Gäste im Keller-Club, betrieben von den Gastronomen des gleichnamigen Restaurants am Markt. Nach einer Zwischennutzung als Russendisco suchten diese neue Betreiber.    

Im kürzlich frei gewordenen Standort am Herrengarten eröffnet Phil Hönscheid seine neue Location pünktlich zum Karneval.

Im kürzlich frei gewordenen Standort am Herrengarten eröffnet Phil Hönscheid seine neue Location pünktlich zum Karneval.

Die Kompagnons brachten Farbe in den vormals recht dunklen Raum, der keine Tanzfläche mehr hat, sondern mehr Sitzplätze und Stehtische. Sie wollten den Siegburgern etwas bieten, was es so nicht mehr gebe: „Wir haben auch dann geöffnet, wenn alle schon zu haben.“ Schmitz und Pohle sind Nachtmenschen, und sie scheuen sich nicht vor Konkurrenz: „Es wäre schön, mehr Angebote dieser Art in Siegburg zu haben.“

Der Start ist in Kürze. Mit der Kundschaft feierte man Ende Januar am Herrengarten Abschied, die neue Kult-Kneipe am Markt eröffnet am Freitag, 6. Februar, 20 Uhr, Ende offen.

Zum Prinzen bei Momo, Markt 35, mittwochs bis samstags ab 20 Uhr, sonntags ab 17 Uhr.