Ohne die Zusammenlegung der Troisdorfer Häuser hätten beide keine langfristige Chance gehabt, sagen die GFO-Verantwortlichen.
FörderbescheidGFO-Kliniken erhalten 200 Millionen Euro für Projekte in Troisdorf und Bonn

Die Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe (GFO) plant die Zusammenlegung ihrer beiden Betriebsstätten am Standort Sieglar. Südlich des Altbaus (in Grau) sind zwei neue Gebäude geplant.
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Vor fünf Jahren überraschten die Gemeinnützigen Franziskanerinnen zu Olpe (GFO) mit der Ankündigung, die Krankenhäuser St. Josef in Troisdorf und St. Johannes in Sieglar an einem Standort zusammenführen zu wollen. In die „standortübergreifende Konzentration“ ist auch die Klinik St. Josef in Bonn eingebunden. Für die Umsetzung der Pläne hat das Land Nordrhein-Westfalen nun die finanziellen Voraussetzungen geschaffen: Wenn am kommenden Mittwoch der NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann nach Sieglar kommt, hat er einen Förderscheid über insgesamt gut 200 Millionen Euro in der Tasche.
Wenn wir das nicht machen würden, würden beide Häuser verschwinden
Das Geld kommt aus dem Krankenhausstrukturfonds II und speist sich aus Bundes- und Landesmitteln.Von der Gewährung dieses Zuschusses hatte der Klinikträger die Umsetzung seiner Pläne von Anfang an abhängig gemacht. Allein auf den Standort Sieglar entfallen 164 Millionen Euro Förderung. Aber auch am Standort St. Josef in Bonn plant der Krankenhausträger große Investitionen.

Ingo Morell, Mitglied der GFO-Geschäftsleitung und Geschäftsführer der Maria Theresia Bonzel-Stiftung
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Als einen „Lottogewinn“ hatte im Sommer 2021 Ingo Morell, damals GFO-Geschäftsführer, die Tatsache bezeichnet, dass die GFO überhaupt in die Auswahl für die Mittel aus dem Krankenhausstrukturfonds gekommen sei. „Wir sind total froh“, sagte er nun im Gespräch mit der Redaktion. Die Entscheidung zur Zusammenlegung der beiden Troisdorfer Kliniken sei „mehr als richtig“ angesichts der Entwicklungen in der Krankenhauslandschaft. Und mehr noch: „Wenn wir das nicht machen würden, würden beide Häuser verschwinden.“
Größe der Kliniken macht sich nicht mehr an Bettenzahl fest
Zu klein seien St. Johannes und St. Josef, blieben sie auf sich allein gestellt. „Größe ist alles“, sagte Morell, inzwischen Mitglied der Geschäftsleitung der GFO und Geschäftsführer der Maria-Theresia-Bonzel-Stiftung, die 80 Prozent der GFO-Anteile hält. Größe allerdings nicht bezogen auf die Anzahl der Betten: Bei Antragstellung hatten die beiden Kliniken in Troisdorf insgesamt 560 Betten, 324 in St. Josef und 236 in Sieglar.
Die bisherigen Pläne sehen bei der Beschränkung auf einen Standort eine Verringerung der Bettenzahl um etwa 100 vor. Aber: Die genaue Zahl der Betten werde sich, so Morell, am Bedarf und den Vorgaben der Krankenhausreform auf Landes und Bundesebene orientieren.

GFO Kliniken GFO Klinik Krankenhaus Sieglar St. Johannes
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Ohne die Gewissheit, den großen Schritt gehen zu können, hat der Klinikträger GFO bereits in den vergangenen Jahren einiges getan, um die Zukunft mit nur noch einem Haus vorzubereiten: Unter anderem zog die Palliativstation im November 2024 aus dem Altbau in der Innenstadt nach Sieglar um, auch Entbindungen finden seit Sommer 2025 ausschließlich in St. Johannes statt.
Eine frauenärztliche Abteilung gibt es in beiden Häusern, andere Fachabteilungen nur noch an jeweils einem der beiden Standorte: Urologie und Orthopädie sowie Viszeral- und allgemeine Chirurgie in St. Josef, in St. Johannes die Geriatrie, Neurologie, Psychiatrie und Psychosomatik sowie die Radiologie und die Palliativstation.
Zentrale Notaufnahme ist am Standort Troisdorf
Zugleich erhielt die Notfallversorgung eine neue Struktur. Am Standort St. Josef in der Innenstadt wurde die Zentrale Neuaufnahme eingerichtet, in Sieglar ist die Notaufnahme nur noch auf Geburtshilfe und Neurologie ausgerichtet. Auf dem Gelände in Sieglar wiederum wurde die neue Abteilung für Psychiatrie und Psychosomatik gebaut.
Geplant sind zudem zwei Neubauten mit Höhen zwischen zwei und sieben Geschossen, das Haupthaus wird erweitert. In einem Einzelgebäude an der Wilhelm-Busch-Straße werde die technische Versorgung gebündelt, erläuterten im November 2023 Vertreter der GFO die Pläne im Troisdorfer Stadtentwicklungsausschuss. Die wachsende Zahl von Beschäftigten, Erkrankten und Besuchern wird sich, so die damals vorgestellte Planung, auch in zwei Parkflüchen mit dann 320 Stellplätzen spiegeln.
Bauarbeiten in Sieglar beginnen spätestens Anfang 2027
Auf etwa 190 Millionen Euro schätzt Ingo Morell heute die Baukosten für das Gesamtvorhaben, neben der Förderung muss der Klinikverbund „mindestens zehn Prozent“ aus Eigenmitteln einsetzen. Aus der jährlichen Baupauschale des Landes habe man diesen Eigenanteil angespart, sagte Morell. Wann es losgeht? „Tatsächlich jetzt“, lautet die Antwort; die Planungen seien abgeschlossen, der Bauantrag müsse jetzt eingereicht werden. Er hoffe, dass der erste Bagger noch in diesem Jahr, spätestens aber Anfang 2027 anrollen könne.

Bis zur Fertigstellung der Projekte in Sieglar werde St. Josef in der Innenstadt in Betrieb bleiben, versichert die GFO-Führung.
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Mit etwa fünf Jahren Bauzeit rechnet Morell; bis zur Fertigstellung, so erneuerte er die schon 2021 gegebene Zusagen, bleibe St. Josef geöffnet. Unter Umständen könnten einzelne Bauabschnitte in Sieglar schrittweise in Betrieb gehen. Was nach der Schließung auf dem Grundstück an der Hospitalstraße passiert, das im Besitz der GFO steht, stehe noch nicht fest. „Das war bislang kein Thema, jetzt müssen wir uns damit auseinandersetzen.“


