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„Yes We Can“Wie ein Projekt des SKM junge Männer aus Troisdorf beim Berufseinstieg unterstützt

4 min
Troisdorfer Projekt Yes We Can unterstützt junge Männer dabei, Arbeit zu finden

Coach Mustafa Abdul-Hak (links) und Projektteilnehmer Yunus Ayaz (rechts), der jetzt in Köln als Krankenpfleger arbeitet.

Yunus Ayaz kam 2023 nach Troisdorf. Der Krankenpfleger erzählt, wie ihm mithilfe des Projekts „Yes We Can“ der Einstieg in den Beruf gelang.

Im September 2023 kam Yunus Ayaz aus der Türkei nach Deutschland, er wuchs nahe der syrischen Grenze auf. Wenn man ihn reden hört, kann man sich kaum vorstellen, dass er damals noch kein Wort deutsch gesprochen hat. Als Kurde wurde der heute 25-Jährige zunehmend rassistisch diskriminiert, auch auf seiner Arbeit sah er sich immer wieder Mobbing ausgesetzt.

Ayaz entschied sich, dass er versuchen wollte, in Deutschland Fuß zu fassen. Er arbeitete als Krankenpfleger, in Deutschland werden Fachkräfte in diesem Bereich dringend gesucht. Yunus Ayaz zog zu seinem Onkel nach Troisdorf, nahm Kontakt zur Ausländerbehörde auf und stellte einen Asylantrag. Dort wurde ihm nur mitgeteilt, er solle zurück in die Türkei gehen und würde den Flug erstattet bekommen.

Bei der Ausländerbehörde wurde er zuerst abgewimmelt

„Ich habe mich gefühlt, als wäre ich am Rand der Gesellschaft“, sagt Yunus Ayaz. „Ich habe gesagt, nein, ich bin hier und noch jung. Ich vertraue auf Deutschland und ich möchte das schaffen.“ Bald erfuhr er von dem Angebot „Yes We Can! - Förderung von Innovation, Teilhabe und Nachhaltigkeit in Troisdorf“ des SKM Rhein-Sieg. Ziel des Projekts ist, junge Männer aus Troisdorf dabei zu unterstützen, eine Ausbildung oder Arbeitsstelle zu finden.

Wir arbeiten zusammen und bleiben dran, bis die Leute wirklich einen festen Job haben.
Mustafa Abdul-Hak

Begleitet werden hier Männer im Alter zwischen 18 und 35 Jahren, die entweder, wie damals Yunus Ayaz, noch keinen Kontakt zu Sozialbehörden haben, oder an das Jobcenter, Sozialamt, Agentur für Arbeit angedockt sind, aber sich den auferlegten Maßnahmen oder Terminen entziehen. Dabei sind Männer mit und ohne Migrationshintergrund. Das Angebot wird über das Programm „Win-Win“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und durch die EU über den Europäischen Sozialfonds gefördert.

Projektkoordinatorin Jutta Janick und Coach Mustafa Abdul-Hak haben mit Unterstützung von fünf ehrenamtlichen Mentorinnen und Mentoren schon 34 junge Männer erfolgreich dabei begleitet, eine feste Beschäftigung zu finden. Insgesamt 55 haben seit Projektbeginn im November 2023 an dem Programm teilgenommen. Bei manchen entstand der Kontakt über das Jobcenter, bei anderen durch „Mund zu Mund Propaganda“ so Jutta Janick.

Projektteilnehmer von "Yes We Can" besuchten im September 2025 im Rahmen einer Schulung die RSAG-Entsorgungsanlage in Troisdorf.

Projektteilnehmer von „Yes We Can“ besuchten im September 2025 im Rahmen einer Schulung zum Thema Müll die RSAG-Entsorgungsanlage in Troisdorf.

Das Projektteam berät und begleitet die teilnehmenden Männer in Bezug auf ihre beruflichen Chancen, hilft bei der Stellensuche und der Erstellung von Bewerbungsunterlagen und unterstützt beim Kontakt mit Behörden und Ämtern. Dazu gibt es regelmäßige Schulungen für alle Teilnehmer. Mustafa Abdul-Hak hält täglich Kontakt mit den Teilnehmenden. „Ich arbeite oft auch am späten Abend, aber es fühlt sich gut an, helfen zu können“, sagt der Projektcoach. „Wir arbeiten zusammen und bleiben dran, bis die Leute wirklich einen festen Job haben.“ 

Yunus Ayaz fand eine Arbeitsstelle als Krankenpfleger, aber der Wohnungswechsel war herausfordernd

„Als ich Herr Abdul-Hak kennengelernt habe, hat mich das richtig motiviert“, erzählt Yunus Ayaz. „Er hat mich ermutigt und gesagt: ‚Wir machen alles Schritt für Schritt. Wir werden Arbeit für dich finden, aber das Wichtigste ist jetzt erstmal, dass du die Sprache lernst und dich integrierst‘.“ 

Ayaz zog in eine Gemeinschaftsunterkunft in Troisdorf, begann einen Deutschkurs, machte seinen Führerschein. Dann ließ er seine Ausbildung, die er in der Türkei abgeschlossen hatte, über einen Anpassungslehrgang anerkennen. Seit Sommer letzten Jahres arbeitet er bei einem Ambulanten Pflegedienst in Köln-Merheim. „Was er geleistet hat, ist wirklich unglaublich“, sagt Mustafa Abdul-Hak. „Sein Arbeitgeber kann jetzt schon nicht mehr auf ihn verzichten.“ 

Ich fühle mich richtig angekommen - hier konnte ich schon so viele Ziele erreichen.
Yunus Ayaz

Das tägliche Pendeln nach Köln wurde für Yunus Ayaz jedoch zur Herausforderung. Aktuell lebt er noch mit drei Personen in einem Zimmer in Troisdorf. Wenn er Nachtdienst hat, findet er tagsüber oft keinen Schlaf. Dazu wurde der Preis für das geteilte Zimmer Anfang des Jahres auf mehr als 750 Euro pro Person erhöht. 

Ayaz schilderte seine Situation der Ausländerbehörde und fragte, ob er nach Köln umziehen könne, um seinem Beruf weiter nachgehen zu können. Da sein Asylverfahren jedoch noch läuft und er einer Wohnsitzauflage unterliegt, war das nicht möglich. Mit Unterstützung von Mustafa Abdul-Hak formulierte er mehrere Briefe und füllte Anträge aus, reichte Fotos von seiner jetzigen Wohnsituation und Zwischenzeugnisse von seinem Arbeitgeber ein. „Mein Arbeitgeber hat in einem Brief bestätigt, dass es ein Problem ist, wenn ich wegen Streiks oder Bahnausfällen oft zu spät komme, dass sie meine Unterstützung brauchen“, sagt Yunus Ayaz. Schließlich bekam er die Genehmigung: Anfang April darf Yunus Ayaz in eine günstigere Einzimmerwohnung in Köln ziehen.

Yunus Ayaz freut sich täglich auf seine Arbeit, er habe eine gute Beziehung mit Patienten und Mitarbeitenden aufgebaut, erzählt er glücklich. „Ich fühle mich richtig angekommen - hier konnte ich schon so viele Ziele erreichen. Jetzt möchte ich auf jeden Fall noch die Ausbildung zur Pflegefachkraft machen“, sagt Ayaz. 


Firmen, die den Teilnehmenden von „Yes We Can“ Praktikumsplätze oder Orientierungstage anbieten können sowie andere Kooperationspartner, die Maßnahmen zur Qualifizierung bieten, können sich unter bei Jutta Janick unter 0163 8564178 und bei Mustafa Abdul Hak unter 0152 08466511 oder per E-Mail melden. Außerdem werden ehrenamtliche Sprachpaten gesucht.jutta.janick@skm-rhein-sieg.de, mustafa.abdul-hak@skm-rhein-sieg.de