Abo

Seit KarnevalWildschweine verwüsten Vorgärten in Troisdorfer Wohngebiet

3 min
Ein von Tieren umgewühltes Rasenstück.

Seit Karneval verwüsten Wildschweine aus dem nahen Wald Vorgärten an der Heerstraße in der Troisdorfer Innenstadt.

Den Tieren den Weg aus dem Wald in die Wohngebiete zu versperren, ist laut Stadtverwaltung nicht möglich.

„Wildschwein Alaaf“, schrieb einer der Anwohner in die Nachbarschaftsgruppe, als in der Nacht zu Weiberfastnacht erstmals Wildschweine die Vorgärten heimgesucht hatten. Inzwischen finden die Anwohner der Heerstraße in Troisdorf das nicht mehr so lustig: Regelmäßig fallen die Schwarzkittel auf ihren Privatgrundstücken ein und wühlen den Boden um.

„Seit einer Woche kommen sie regelmäßig“, sagt Stephan Striedinger, der vor zwei Monaten in einen der Bungalows unweit des Waldfriedhofs gezogen ist. Seiner Meinung nach kommen die Tiere  über den Weg zwischen Schule und Werkstatthof aus dem nahen Waldstück. Während nämlich die Waldschule und das Areal des Friedhofs durch robuste Zäune geschützt sind, klafft hier eine Lücke von etwa 15 Metern Breite. Die, so Striedinger, ließe sich recht einfach schließen.

Troisdorfer sieht auch erhöhtes Unfallrisiko

Wer in diesen Tagen durch die Heerstraße geht, kann den von den Vierbeinern angerichteten Schaden nicht übersehen: Völlig zerwühlt sind die eigentlich gepflegten Rasenflächen; besonders schlimm hat es Dave Theunissen getroffen. „Wir lassen unsere Gärten erst einmal so“, sagt er. Für ihn sind aber auch nicht die zerwühlten Vorgärten das vordringlichste Thema. Er sieht vielmehr ein erhöhtes Unfallrisiko, „wenn hier nachts jemand durchfährt“.

Männer und Frauen in einem Vorgärten vor einer von Tieren zerwühlten Rasenfläche.

Regelmäßig suchen derzeit Wildschweine ihre Vorgärten heim (von links): Helga Eiting, Ingrid Ferrari, Stephan Striedinger, Dave Theunissen, Birgit Schlösser-Fürst, Anwohner der Heerstraße.

Einige Vorgärten seien schon erheblich beschädigt, berichtet Ingrid Ferrari; „da muss man jemanden kommen lassen“, ergänzt Helga Eiting, die wie Ferrari seit Jahrzehnten hier wohnt. Und ihre Erfahrungen mit den Wildschweinen hat: Anfang der 70er Jahre hätten sich die Tiere vor allem über weggeworfene Butterbrote oder andere Abfälle in der Nachbarschaft eines hölzernen Unterstandes hergemacht. Aber: „Früher kannte man den Pächter.“ Heute, so ihre Vermutung, dürften die Schwarzkittel nicht gejagt werden.

Ein Bauzaun vor Büschen und Bäumen.

Ein Anwohner schützt sein Grundstück mit einem Bauzaun.

Im Wohngebiet dürfe nicht geschossen werden, erzählt Birgit Schlösser-Fürst, was eine Nachbarin im Gespräch mit einem Jäger erfahren hat. Eigene Zäune zu setzen, verbietet der Bebauungsplan; ein Nachbar grenzt sein Grundstück wenigstens zur Seite hin ab.

Ein kleines Waldstück mit Eichen zieht dort die Schweine an, ein Bauzaun soll sie daran hindern, den Vorgarten zu verwüsten. Birgit Schlösser-Fürst hat inzwischen eine Wildkamera installiert. Aber, so erzählt sie am Tag nach der Anschaffung: „Heute Nacht war nur der Zeitungsbote drauf.“

Ein Mann steht an einem Weg im Wald.

Hier kommen sie aus dem Wald: Ein Nachbar von Stephan Striedinger hat die Wildschweine beobachtet, die zwischen Grundschule und Werkstatthof ins Wohngebiet liefen.

Wildkameras hat auch die Stadtverwaltung Troisdorf auf dem Waldfriedhof installiert: Seit Herbst 2023 versucht man so, die Verursacher von Schäden an Gräbern ausfindig zu machen. Die Meldungen im Rathaus hatten sich zuvor gehäuft. Die Standorte der Kameras würden deutlich gekennzeichnet, heißt es in einem Aushang am Tor zum Friedhof. Ausgeleuchtet würden nur die Grabfelder und nicht die Wege. Die Aufnahmen werden auch nicht archiviert, sondern unmittelbar nach der Durchsicht gelöscht. Hinweisschilder gibt es auch an den Zugangstoren zum Friedhof.

Rehe und Wildschweine lebten in dem Waldstück, antwortete auf Anfrage die Stadtverwaltung. Beide fänden immer wieder den Weg in die Siedlungen. Deshalb habe man vor vier Jahren den Waldfriedhof eingezäunt: Zwei Meter hoch ist der Doppelstabzaun. Er ist 20 Zentimeter tief in das Erdreich eingelassen, damit sich die Tiere auch nicht darunter durchwühlen können.

Ein Schließen des beschriebenen Wegs aus dem Wald sei nicht möglich, erklärte Rathaussprecher Marc Eickelmann: Dann müsste das Waldstück komplett eingezäunt werden, da sich erfahrungsgemäß die Tiere immer ihren Weg suchten. Aus diesem Grund sei auch die automatische Öffnung an einem der Tore zum Waldfriedhof wieder abgebaut worden: Wiederholt hatte sich zuvor ein Reh, das die Scheu vor Menschen verloren hatte, bei Nacht an der Bepflanzung der Gräber gütlich getan und erheblichen Schaden angerichtet.