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Fenster fällt aus RahmenEltern klagen über stickige Klassenräume in Kölner Gymnasium

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Albertus-Magnus-Gymnasium an der Ottostraße 87 in Neu-Ehrenfeld

Albertus-Magnus-Gymnasium an der Ottostraße 87 in Neu-Ehrenfeld 

Nach einem ungewöhnlichen Vorfall dürfen Fenster nur noch eingeschränkt geöffnet werden. Eltern klagen über Beschwerden bei ihren Kindern.

Es war an einem Tag nach Karneval, als sich ein Fenster im Neubau des Albertus-Magnus-Gymnasiums in Neu-Ehrenfeld löste und in einen Klassenraum fiel. Verletzt wurde niemand, weil der Unfall sich nach Schulschluss ereignete. Die Auswirkungen des Malheurs begleiten Kinder und Lehrer allerdings bis heute: Denn derzeit darf im gesamten Neubau nur noch sporadisch gelüftet werden. „Meine Tochter hat sich über die stickige Luft schon beschwert“, sagt eine Mutter, die namentlich nicht in der Zeitung erwähnt werden will. „Das ist unter den Kindern schon ein Thema.“

Es ist eine totale Beeinträchtigung. Wie soll man so lernen?
Mutter

Irgendwann sei eben die Luft verbraucht, wenn sich knapp 30 Kinder ständig in einem Klassenraum befinden würden, sagt die Mutter. „Es ist eine totale Beeinträchtigung. Wie soll man so lernen?“ Und das Problem werde sich verschärfen, wenn die Temperaturen im Frühling steigen. Eine zweite Mutter – auch sie will namentlich nicht genannt werden – bestätigt das Problem: „Da fallen einfach Fenster aus dem Rahmen, so etwas Absurdes kann man sich nicht vorstellen.“ Wenn ihr zwölf Jahre alter Sohn nach acht Stunden aus der Schule kommt, klage er oft über einen „dicken Kopf“. Sie habe sich selbst vor Ort überzeugt und kommt zum Urteil: „Es mieft.“

Schüler klagen über den Mief

Der stellvertretende Schulleiter, Ludger Remus, verteidigt die Maßnahmen, die die Schule getroffen hat. Nachdem das Fenster aus der Verankerung gefallen sei, habe die Schule den betreffenden Raum gesperrt und verfügt, dass die Fenster in den Räumen des Neubaus zunächst nicht mehr geöffnet werden dürfen. „Das Allerwichtigste ist, dass die Sicherheit der Kinder gewährleistet ist“, so Remus. Ein Sachverständiger der Stadt habe sich die Fenster daraufhin angesehen und habe einen Schadensbericht angefertigt, dessen Inhalt aber noch nicht vollständig vorliegt. Mittlerweile gelte, dass die Fenster nur von Lehrkräften geöffnet werden dürften und das auch nur kurz, um ein Stoßlüften durchzuführen.

Gelüftet werden müsse eigentlich nicht, sagt Remus. Denn der Neubau des Gymnasiums sei ein Passivbau, also ein Gebäude, das nicht darauf angelegt sei, die Fenster zu öffnen. Die ausreichende Luftzufuhr soll über eine Belüftungsanlage gesichert werden. Dies sieht auch die Stadt so: Grundsätzlich lasse sich zwar über die Fenster lüften, „zudem sind die Anlagen der Raumlufttechnik (RLT) funktionsfähig und in Betrieb, sie sorgen für Frischluftzufuhr“, teilt eine Sprecherin auf Anfrage mit. 

Das Allerwichtigste ist, dass die Sicherheit der Kinder gewährleistet ist
Ludger Remus, stellvertretender Schulleiter des Albertus-Magnus-Gymnasium

Von der Lüftungsanlage und der Luftqualität sind manche Eltern und ihre Kinder dagegen nicht überzeugt. „Meine Tochter merkt von der Anlage nichts“, sagt eine der Mütter. Eine zweite Mutter fürchtet: „Die Klassenzimmer sind nun Inkubatoren für Viren.“ In der Klasse grassiere derzeit ein Magen-Darm-Infekt. „Warum bloß?“

Interessant dürfte auch die Frage sein, warum sich das Fenster überhaupt gelöst hat. Denn der Neubau wurde nach Angaben der Schule erst im Jahr 2019 errichtet. Wurde schlampig gearbeitet? Die Ursache werde „derzeit untersucht, es wurde dazu eine Prüfung durch einen unabhängigen Sachverständigen beauftragt“, so die Stadt.