Am Montag fiel landesweit der Präsenzunterricht in Schulen aus. Während Schulen und Kinder und Jugendliche eher gelassen auf die Entscheidung reagierten, bedeutete sie für viele Eltern eine Belastungsprobe.
Schulschließungen wegen Glatteis„Haben wir nicht aus der Pandemie gelernt?“

Ein zwölfjähriger Gymnasiast löst am Computer in seinem Zuhause seine Schulaufgaben, die ihm seine Lehrer für jeden Tag über den Schulserver geschickt haben.
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Warum mussten am Montag die Schulen in NRW schließen?
Starker Regen hat auf den gefrorenen Böden in Teilen in NRW für gefährlich glatte Straßen gesorgt. Das Schulministerium hatte nach eigenen Angaben bereits am Freitag die Wetterlage aufmerksam beobachtet. Am Sonntagvormittag habe es eine Vorwarnung des Deutschen Wetterdienstes gegeben, dass es am Montag bis 10 Uhr, in manchen Landesteilen bis 13 Uhr, zu Glatteis kommen könne, sagte ein Sprecher des Schulministeriums dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Im Verlauf des Sonntags habe es dann eine amtliche Warnung gegeben: Glatteis im ganzen Land NRW. „Daraufhin haben wir uns entschieden, den Präsenzunterricht am Montag ausfallen zu lassen“, sagte der Sprecher.
Uns ist bewusst, dass eine solche Entscheidung immer diskutiert wird, nicht alle Seiten zufriedenstellt und beispielsweise Familien bei der Organisation ihres Tages vor Herausforderungen stellt
„Uns ist bewusst, dass eine solche Entscheidung immer diskutiert wird, nicht alle Seiten zufriedenstellt und beispielsweise Familien bei der Organisation ihres Tages vor Herausforderungen stellt“, sagte NRW-Schulministerin Dorothee Feller. „Wenn wir jedoch eine amtliche Unwetterwarnung mit der Gefahrenstufe 3 von 4 und somit mit einer Gefahr für Leib und Leben landesweit vorliegen haben, müssen wir diese amtliche Warnung ernst nehmen und entsprechend handeln.“
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Wurden Notbetreuungen für Kinder eingerichtet?
In der Regel, ja. Allerdings nur für Kinder, deren Eltern nichts von den Schulschließungen wussten, sagte der Sprecher des Schulministeriums.
Wie gingen die Schulen mit der Entscheidung um?
Die Schulen hatten in der Regel die Wahl, den Kindern und Jugendlichen entweder einen Distanzunterricht etwa per Teams oder Zoom anzubieten oder den Schülerinnen und Schülern Material und Aufgaben zur Verfügung zu stellen, die sie dann zu Hause erledigen sollten. Am Schillergymnasium in Köln-Sülz etwa wurde der Unterricht in den Klassen 8 bis 12 per Videokonferenz durchgeführt. Die Kinder der Klassen 5 bis 7 erhielten Aufgabenpakete per Teams. Am Gymnasium Schaurtestraße in Köln-Deutz gab es nicht nur Aufgabenpakete, sondern auch Fristen für die Erledigung der Aufgaben, sagte Schülerin Marie Hacker (16).
Auch im Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium in Münster wurden den Schülerinnen und Schülern Aufgaben digital zur Verfügung gestellt. „Wir sind seit Corona Schlimmeres gewohnt“, sagte der stellvertretende Schulleiter, Wolfhart Beck. Alle Schulen in Münster verfügten über Konzepte für den Distanzunterricht in Notlagen. „Wir haben das gestern innerhalb von anderthalb Stunden geregelt.“
An der Düsseldorfer Wim-Wenders-Schule gab man sich gelassen: „Ich finde, die Ministerin hat eine verantwortungsvolle Entscheidung getroffen“, sagte Schulleiterin Antonietta Zeoli. Zwar sei das Düsseldorfer Stadtgebiet meist eisfrei geblieben. Andererseits gebe es zahlreiche Kolleginnen und Kollegen, die aus dem Düsseldorfer Umland kämen, wo es spiegelglatt gewesen und man mit dem Auto schlecht vorangekommen sei. Irritationen habe es aber von Eltern gegeben, die die Entscheidung nicht nachvollziehen konnten, weil es vor Ort kein Glatteis gegeben habe.
Warum gibt es Kritik an der Entscheidung des Landes?
Kritik an der Entscheidung kam von der oppositionellen FDP im Landtag. „Haben wir nicht aus der Pandemie gelernt? Was ist mit milderen Mitteln? Ausfall der ersten Stunde? Regulärer Unterricht ohne Präsenzpflicht statt Notbetreuung?“, schrieb Landeschef Henning Höne im Kurznachrichtendienst X. „Sicherheit geht vor. Aber Schulen werden in Deutschland zu schnell geschlossen“, argumentierte er. „Es leiden Schüler und Familien.“
Was antwortet das Land auf die Kritik?
Das Land verwies auf die amtliche Warnung vor Glatteis, die für das gesamte Bundesland gegolten habe. „Wichtig war für uns, eine klare Entscheidung zu treffen, die keine Fragezeichen hinterlässt“, sagt der Sprecher des Schulministeriums. „Es wäre schrecklich gewesen, wenn irgendwo ein schlitterndes Auto in eine Menge von Kindern gerutscht wäre.“
Stellen Sie sich vor, Kinder wären bei Glatteis ausgerutscht und hätte sich was gebrochen. Dann wäre der Aufschrei groß gewesen
Die im Landtag oppositionelle SPD unterstützte die Entscheidung des Landes. „Stellen Sie sich vor, Kinder wären bei Glatteis ausgerutscht und hätten sich was gebrochen. Dann wäre der Aufschrei groß gewesen“, sagte die schulpolitische Sprecherin der SPD im Landtag, Dilek Engin, selbst Mutter und Lehrerin in Wuppertal, dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Eine regionale Differenzierung hätte die Lage unüberschaubar für Eltern, Schulleitung und Kinder gemacht. Die SPD hätte sich allerdings gewünscht, dass Schulen und Eltern früher informiert worden wären.
Was kritisiert die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft?
Für den Unterricht aus der Distanz wie an diesem Montag müssen nach Ansicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mehr Geld in die Hand genommen und bessere Konzepte vorgelegt werden. „Trotz vorhandener Standards bestehen weiterhin große Unterschiede bei technischer Ausstattung, Endgeräten sowie der Qualität von Internet- und WLAN-Zugängen – sowohl an Schulen als auch in den Haushalten der Lernenden“, erklärte die GEW-Landesvorsitzende Ayla Celik.
Was sagen die Schüler zur Entscheidung?
„Das Wetter war letztlich nicht so krass wie angekündigt“, sagt Marie Hacker (16) von der Bezirksschülervertretung Köln. „Aber es ist natürlich wichtig, dass alle sicher durch den Tag kommen.“ Unter dem Strich sei es nicht so tragisch, wenn ein Tag lang die Schule schließen müsse. „Ich glaube, die Schüler haben das Ganze sehr lässig aufgenommen, weil es sich nur um einen Tag Unterrichtsausfall handelt“, sagte auch Jano Schwerdfeger, ebenfalls aus der Bezirksschülervertretung, der am Gymnasium Köln-Pesch lernt. Eine Schülerin aus der 7. Klasse einer Kölner Schule sagte: „Der Unterrichtsausfall ist cool. Es ist viel chilliger, zu Hause zu lernen.“
Wir reagieren die Eltern?
„Die Eltern fanden es nicht so gut, dass landesweit der Unterricht ausfällt“, sagt Katharina Schmiedel, Vorsitzende der Kölner Schulpflegschaft. Besser wäre es gewesen, wenn man regional nach Wetterlage differenziert hätte. „In Köln gibt es keinen Frost, die Straßen sind nicht glatt.“ Gerade für Eltern von jüngeren Kindern sei es eine Herausforderung, den Nachwuchs plötzlich zu Hause zu betreuen.
Die Eltern fanden es nicht so gut, dass landesweit der Unterricht ausfällt
Die Stadtschulpflegschaft Bonn reagierte mit Verständnis: Es sei begrüßenswert, dass das Ministerium die Entscheidung für den Distanzunterricht für alle Schulen in ganz NRW einheitlich getroffen und nicht den einzelnen Schulen auferlegt habe, individuell vor Ort entscheiden zu müssen, sagte Vorsitzende Suna Rausch. „Die landesweite Regelung steigert die Akzeptanz und erleichtert insbesondere die Kommunikation der Eltern mit ihren Arbeitgebern.“ (mit dpa)

