Der FC betrieb im Spiel in Frankfurt hohen Aufwand und konnte sich am Ende noch halbwegs belohnen. Das 2:2 sollte den Kölnern Mut machen.
Analyse des 2:2 des FC in FrankfurtEin wichtiger Kölner Punkt für die Tabelle und die Moral

Trieb seine Mannschaft an und munterte sie auch auf: FC-Trainer René Wagner während der Partie in Frankfurt
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Von LARS WERNER
Das Wichtigste zuerst
Dieser Punkt beim Debüt des neuen Cheftrainers René Wagner kann für den 1. FC Köln im Kampf um den Klassenerhalt noch sehr viel wert sein: Der Aufsteiger kam am Ostersonntag nach einem Doppelschlag der Eintracht noch zurück und holte ein wichtiges 2:2-Unentschieden in Frankfurt.
Wagner bewies bei seinem ersten Auftritt auf der großen Bühne zudem ein glückliches Händchen: Sein Joker-Trio rettete dem FC das Unentschieden. Beim 2:2 legte zunächst Luca Waldschmidt auf, dann Marius Bülter perfekt ab. Der soeben erst eingewechselte Alessio Castro-Montes traf zum Endstand.
Die Kölner bleiben nach dem 28. Spieltag auf Platz 15, der Abstand auf Relegationsplatz 16 ist zudem unverändert. Zwei Punkte Vorsprung hat der FC auf den FC St. Pauli, der am Sonntag ebenfalls zu einem Remis kam (1:1 bei Union Berlin). Da der VfL Wolfsburg allerdings am Tag zuvor nach einer 3:1-Führung in Leverkusen noch mit 3:6 unter die Räder geriet, konnten die Kölner den Vorsprung auf den ersten direkten Abstiegsrang immerhin um einen Zähler auf sechs Punkte ausbauen. Dazu kommt ein um 16 Treffer besseres Torverhältnis als die Niedersachsen – fast ein weiterer Zähler.
Die Tore
Es dauerte bis zur 66. Minute, bis trotz vieler Chancen auf beiden Seiten das erste Tor fiel. Eintracht erzielte es. Nach Vorarbeit von Fares Chaibi, der viel zu leicht an Kristoffer Lund und Cenk Özkacar vorbeiging, traf Jonathan Burkardt aus kurzer Distanz zum 1:0 für die Hessen.
Nur drei Minuten später erhöhte Frankfurt auf 2:0: Burkardt flankte zu Ajoube Amaimouni-Echghouyab. Der Joker dribbelte quer, Arnaud Kalimuendo kam an den Ball und jagte ihn aus rund 13 Metern ins rechte obere Eck.
Die Eintracht-Fans jubelten noch, da gelang dem FC direkt das Anschlusstor. Nach einem Ballverlust von Mario Götze bewies Ragnar Ache Handlungsschnelligkeit, legte ab für Jakub Kaminski ab. Der Pole zog von rechts nach innen und zog aus 15 Metern ab. Sein Schuss wurde von Hugo Larsson noch entscheidend abgefälscht – 1:2 (70.).
In der 83. Minute kam der FC zum 2:2-Endstand – und drei Joker waren daran maßgeblich beteiligt. Nach Kristoffer Lunds Flanke verlängerte Luca Waldschmidt an den zweiten Pfosten zu Marius Bülter. Der bewies Übersicht, bediente den mitgelaufenen Alessio Castro-Montes, der aus kurzer Distanz zum Ausgleich einschob.
Das war gut
Neben der Kölner Moral auch die taktischen Umstellungen und Wechsel, die Trainer René Wagner vornahm. Sie zahlten sich aus.
Das war schlecht
Der FC hätte bereits vor der Frankfurter Führung eine seiner drei Topchancen (Ache, El Mala, Kaminski) nutzen müssen. Bei beiden Gegentoren ließen sich die Kölner Verteidiger viel zu leicht düpieren: Cenk Özkacar und Kristoffer Lund beim 0:1, Rav van den Berg beim 0:2. Das muss und kann der FC besser verteidigen. Solche Fehler können im Abstiegskampf tödlich sein.
Zudem hoffen die Kölner, dass sich Said El Mala nicht schwerer verletzt hat. Das Ausnahmetalent musste aufgrund einer Verletzung am rechten Sprunggelenk vorzeitig ausgewechselt werden.
Moment des Spiels
Aus Kölner Sicht das späte 2:2. Der enorme Aufwand wurde immerhin teilweise belohnt.
Tragischer Moment
Überschattet wurde die Partie in der zweiten Halbzeit von einem Rettungseinsatz auf der Tribüne. Beide Fanlager stellten daraufhin für mehrere Minuten den Support ein.
Während des Spiels teilte die Eintracht bei X zunächst mit, dass es keine konkreten Informationen zum Gesundheitszustand der betroffenen Person gebe. Kurz nach der Partie erklärte der Verein, dass eine Person nach einem Notarzteinsatz auf der Tribüne in eine Klinik gebracht wurde.
Spieler des Spiels
Jakub Kaminski. Der Kölner Offensivspieler hätte seine Mannschaft kurz vor der Pause in Führung bringen müssen, vergab aber. Doch es zeichnete den Polen aus, dass er sich davon nicht unterkriegen ließ. Kaminski war ein Vorbild an Einsatz – und belohnte sich schließlich noch mit dem Kölner Anschlusstor.
Das sagen die Trainer
Albert Riera (Eintracht Frankfurt): „Sie nutzen den Torhüter mehr als wir, um mit langen Bällen zu agieren. Deshalb haben wir heute mit einem Mann mehr in der Defensive begonnen und darauf gewartet. Die ersten 20 Minuten waren die besten für uns, seit ich hier bin. In der zweiten Halbzeit haben wir mehr riskiert und einen Mann nach vorne gezogen. Nach dem 2:0 haben wir aber aufgehört, Duelle zu gewinnen. So ist Köln wieder zurückgekommen.“
René Wagner (1. FC Köln): „Es war eine Achterbahnfahrt – für mich, für die Truppe, für alle. Wir hätten in der ersten Halbzeit zwei, drei Situationen besser ausspielen müssen. Frankfurt hat eine riesige Qualität im Eins-gegen-eins im letzten Drittel. Darüber müssen wir sprechen, aber ein Riesenkompliment an meine Mannschaft. Jeder hat heute gesehen, dass sie Charakter hat. Dass wir heute noch zwei Tore gemacht haben, war sehr wichtig. Wir sind sehr froh über den Punkt und nehmen ihn gerne mit.“
Das sagen wir
Die Eintracht hatte die besseren Spieler, aber der FC die besseren Chancen und sogar einen höheren xGoals-Wert (3,11 zu 2,34) als der Champions-League-Teilnehmer. Deshalb ist das Unentschieden keineswegs unverdient.
Nach dem Doppelschlag (66./69. Minute) schien der FC bereits auf der Verliererstraße zu sein. Doch die Mannschaft zeigte Moral, Charakter, stemmte sich gegen das drohende Unheil und durfte sich am Ende über ihr Comeback freuen.
Die Kölner sind im Abstiegskampf zwar kein wirklicher Gewinner des Spieltags (St. Pauli kam am Ostersonntag zu einem 1:1 bei Union Berlin), doch der Punktgewinn nach 0:2-Rückstand könnte nicht nur in der Endabrechnung, sondern auch mental sehr wichtig gewesen sein.
Interessant war auch die Herangehensweise von René Wagner: Der 37-jährige bisherige Co-Trainer, seit knapp zwei Wochen nach der Demission von Lukas Kwasniok im Amt, wählte zunächst eine 3:5:2-Grundordnung. Diese wurde bei Bedarf durch Jan Thielmann (rechts) und Kristoffer Lund (links) zur Fünferkette, während vorne Said El Mala und Ragnar Ache für Gefahr sorgen sollten.
Allerdings stellte der neue Chefcoach, der mit aktivem Coaching vom Spielfeldrand Einfluss nahm, bereits nach knapp 25 Minuten auf ein 4:4:2 um, da sein Team defensiv nicht gut gestaffelt war und die Abstände im Mittelfeld zu groß wurden. Eine Maßnahme, die fruchtete.
Nun muss der FC am kommenden Sonntag im wichtigen Keller-Duell mit Werder Bremen in Müngersdorf nachlegen.

