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1. FC Köln ordnet Führung neuKessler wird Geschäftsführer Sport – Türoff bekommt neue Position

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Thomas Kessler wird neuer Geschäftsführer beim 1. FC Köln.

Thomas Kessler und Philipp Türoff mit dem FC-Präsidium

Der Vorstand des 1. FC Köln beruft den bisherigen Sportchef zum Geschäftsführer – auch Philipp Türoff verlängert seinen Vertrag.

Dass Thomas Kessler erst zwei Tage nach seinem 40. Geburtstag zum Geschäftsführer Sport des 1. FC Köln berufen wurde, sei „reiner Zufall“, merkte Präsident Jörn Stobbe sofort an, „obwohl ja mit dem Alter ein bisschen Seriosität kommt“. Bereits im Wahlkampf hatten sich Stobbe und seine Kollegen darauf festgelegt, Kessler vom Sportdirektor zum Geschäftsführer zu erheben. Dann jedoch dauerte es noch fast vier Monate, ehe die Verträge unterschrieben waren. Klarheit habe Kessler allerdings bereits zuvor gehabt. „Den Handshake hatten wir schon wesentlich eher. Jetzt haben wir es formal total vernünftig aufgegleist“, sagte Stobbe. Kessler unterschrieb einen Vertrag bis 2028.

Es war nicht die einzige Personalie, die der 1. FC Köln am Donnerstag mitteilte. Philipp Türoff, seit Januar 2022 Finanzgeschäftsführer im Grüngürtel, wird künftig zusätzlich als Sprecher der Geschäftsführung fungieren. Türoffs neuer Vertrag ist bis 2029 geschlossen. Weil auch die drei Vorstände bis 2028 gewählt sind, hofft der 1. FC Köln nun auf ein Zeitalter personeller Stabilität. Kontinuität gilt als zentraler Erfolgsfaktor im Profifußball; entsprechend optimistisch fielen die Reaktionen aus dem Geißbockheim aus. „Wenn man die richtigen Leute am richtigen Platz zur richtigen Zeit hat, und das ist hier sowas von gegeben, arbeitet man nicht für die nächsten drei Wochen zusammen. Dann ist Kontinuität ein Riesenvorteil. Dafür braucht man aber die richtige Konstellation. In den Gesprächen hat einer von uns gesagt, dass wir hier eine historische Chance haben. Dem hat niemand widersprochen“, berichtete Stobbe.

Kessler ist dem 1. FC Köln seit mehr als 25 Jahren verbunden. Zunächst als Spieler, später als Trainee und Leiter Lizenz. Seit Christian Kellers Abschied im vergangenen Mai ist er zudem als sportlich Hauptverantwortlicher tätig. Ein langer Weg an die Spitze, der für Kessler am Donnerstag abgeschlossen war. Von dort aus soll es nun weitergehen. „Hier heute als Geschäftsführer Sport dieses wunderbaren Vereins zu sitzen, ist für mich ein riesiges Privileg und eine große Ehre“, sagte Kessler, um den Blick auf die anstehenden Aufgaben zu richten. Im Sommer entschied er, Lukas Kwasniok zu verpflichten, obwohl Aufstiegstrainer Friedhelm Funkel bereit gewesen wäre, seine Arbeit in Köln fortzusetzen. Dann vollzog Kessler zahlreiche Transfers, um aus einem glanzlos aufgestiegenen Zweitligakader eine Gruppe zu formen, die in der Bundesliga konkurrenzfähig ist.

Hier heute als Geschäftsführer Sport dieses wunderbaren Vereins zu sitzen, ist für mich ein riesiges Privileg und eine große Ehre
FC-Geschäftsführer Thomas Kessler

Der starke Kölner Saisonstart wurde vor allem Kessler zugeschrieben – durchaus zu Recht: Der Eindruck, dass sich die Kölner mit ihrem derzeitigen Personal im Oberhaus halten können, hat sich auch über die jüngste Ergebniskrise hinaus bestätigt. Und die Vertragsverlängerung mit Said El Mala noch vor dem ersten Bundesligaspiel für Köln darf als Geniestreich verstanden werden. Der 19-Jährige steht beim FC langfristig und ohne Ausstiegsklausel unter Vertrag. Er könnte zunächst sportlich, eines Tages aber auch wirtschaftlich eine entscheidende Rolle dabei spielen, den 1. FC Köln zu einem stabilen Erstligisten zu machen.

Philipp Türoff, einst Leistungssportler als Tennisspieler, und Ex-FC-Keeper Thomas Kessler.

Philipp Türoff, einst Leistungssportler als Tennisspieler, und Ex-FC-Keeper Thomas Kessler.

Kessler geht seine Rolle mit Demut an. „Es ist ein hohes Maß an Verantwortung. Ich glaube jedoch, das letzte halbe Jahr als Sportdirektor war sehr vertrauensvoll und ich habe mich in der Rolle schnell eingefunden. Dieser wunderbare Klub muss Schritt für Schritt in die richtige Richtung gehen, das gehen wir jetzt an – ohne Luftschlösser zu bauen.“ Ulf Sobek ist im FC-Vorstand für das Sportressort zuständig. „Thomas Kessler lebt den Anspruch des 1. FC Köln jeden Tag – mit hoher Identifikation, klaren Zielen und dem festen Willen, sportliche Leistung und Vereinswerte miteinander zu verbinden. Darüber hinaus befähigen ihn neben seiner großen fachlichen Kompetenz seine herausragenden kommunikativen Fähigkeiten für die Rolle des Geschäftsführers“, sagte der Vizepräsident. Nach den positiven Eindrücken habe sich das Bild von Kessler sowie den Geschäftsführern Türoff und Philipp Liesenfeld nach der Wahl weiter verstärkt. „Wie die drei untereinander fungieren, wie sie in der Führungsmannschaft am Geißbockheim wahrgenommen werden, wie sie extern wahrgenommen werden und uns aufgenommen haben – das lässt mich groß hoffen. Deswegen ist es der konsequente, richtige Schritt“, befand Stobbe.

Türoff lebt mit seiner Familie in Bad Honnef, der 49-Jährige traf mit seiner Unterschrift also nicht nur für sich allein eine Zukunftsentscheidung. „Ich bin total happy, dass ich jetzt mit so klarer und langfristiger Perspektive beim FC bleiben darf. Weil es einfach passt. Ich kenne mich inzwischen ganz gut aus, das eröffnet noch einmal ein anderes Spielfeld, um die Dinge im Detail weiterzutreiben. Auch privat geht es mir hier total gut. Es war auch eine Entscheidung für die Familie. Es ist einfach ein gutes Gefühl, so ein langfristiges Bekenntnis zu haben“, sagte der Finanzexperte.

Türoff der neue starke Mann beim FC

Künftig wird er als Sprecher der Geschäftsführung fungieren, legte jedoch Wert auf die Feststellung, dass er seine Redeanteile trotz des neuen Titels nicht auszuweiten plane. „Sprecher bedeutet für mich einen großen Vertrauensbeweis. Es bedeutet für mich, für Kontinuität zu sorgen. Es bedeutet auch, dass man von mir erwartet, meine Stimme zu erheben, sollte ich einmal das Gefühl haben, dass das Gesamtgefüge beim 1. FC Köln ins Ungleichgewicht geraten könnte. Aber es soll nicht bedeuten, dass ich jetzt mehr nach außen spreche als bisher. Es ist der Auftrag, den Laden zusammenzuhalten und Verantwortung wahrzunehmen.“

Das Vertrauen innerhalb der Dreier-Geschäftsführung sei groß, betonte Türoff mehrfach. „Wir kennen uns schon länger, da ist ganz viel Intuitives drin. Es ist ein lockerer, sehr sportlicher, aber auch ambitionierter Umgang miteinander. Wir haben mit dem FC wahnsinnig viel vor, wollen aber auch selbst noch wachsen in unseren Rollen. Da ist eine tolle Voraussetzung geschaffen.“