Ein deutsches Team veranstaltet ein europäisches Finalturnier, doch der nationale Verband ist verärgert. Der Vorfall offenbart das tiefe Durcheinander im europäischen Basketball.
Das große Basketball-ChaosFünf Wettbewerbe sorgen für Streit – nun mischt die NBA mit

NBA-Boss Adam Silver drängt mit seiner Liga nach Europa. (Archivbild)
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Ein europäisches Pokal-Finale in Deutschland, an dem sogar ein Bundesligist teilnimmt, sollte eigentlich ein Grund zur Freude sein. Doch die Ankündigung des Syntainics MBC aus Weißenfels vor wenigen Wochen, am 22. und 23. April das Final Four der European North Basketball League (ENBL) auszurichten, führte zu einer scharfen Zurechtweisung durch den Deutschen Basketball Bund.
DBB-Generalsekretär Wolfgang Brenscheidt äußerte sich laut dpa abfällig: «Die sogenannte ENBL ist eine Liga ohne jede Legitimation seitens des Basketball-Verbandes Fiba Europe und eine Liga ohne jede Relevanz, da allenfalls fünftklassig». Diese Worte führten beim MBC zu deutlichem Befremden. «Ich finde so eine Kommunikation gegenüber einem BBL-Club in erster Wahrnehmung irritierend. Zumal unsere Kontaktdaten bekannt sein sollten. Die Leistung des MBC wird hier nicht respektiert», konterte MBC-Geschäftsführer Martin Geissler.
Man könnte diesen Vorfall als eine geringfügige Auseinandersetzung betrachten. Jedoch verdeutlicht die Begebenheit erneut das erhebliche Durcheinander, das im internationalen Basketball vorherrscht.
Die Vielfalt der europäischen Wettbewerbe
Mit Euroleague, Eurocup, Champions League, Fiba Europe Cup und der kürzlich hinzugekommenen ENBL existieren im Basketball insgesamt fünf verschiedene internationale Turniere. Das sind zwei mehr als im Fußball, der mit der Champions League, Europa League und Conference League lediglich drei Wettbewerbe mit einer eindeutigen Rangfolge aufweist.
Unterschiede in Organisation und Stellenwert
Anders als beispielsweise im Fußball, werden die europäischen Pokalturniere im Basketball nicht allein vom internationalen Dachverband veranstaltet. Turniere wie die Euroleague, der Eurocup sowie die neue European North Basketball League werden privatwirtschaftlich geführt. Für die Ausrichtung der Champions League und des Fiba Europe Cup ist hingegen der Kontinentalverband Fiba Europe zuständig.
Die Vergabe der Startplätze
Die Teilnahmeberechtigung für die Champions League und den Fiba Europe Cup erlangt man ausschließlich durch die Platzierung in der heimischen Liga. Die übrigen Konkurrenzen wählen ihre Teilnehmer selbst aus. So ist Bayern München als Mitgesellschafter der Euroleague in dem sportlich hochwertigsten und anziehendsten Turnier gesetzt. Die Veolia Towers Hamburg etwa spielten in der laufenden Saison im Eurocup mit, obgleich sie in der Bundesliga im Vorjahr sogar die Play-Ins verfehlten. Die Veranstalter wollten die Metropole Hamburg jedoch unbedingt im Teilnehmerfeld sehen.
Besonders ungewöhnlich gestaltet sich die Selektion bei der ENBL, bei der über Instagram nach teilnahmewilligen Vereinen gesucht werden soll. Der MBC beteiligte sich in dieser Spielzeit an dem Turnier und erreichte ohne Schwierigkeiten das Final Four. Im Halbfinale trifft das Team am Mittwoch (20.00 Uhr) auf Manchester Basketball als Kontrahenten.
Einmischung durch die NBA?
Die zuständigen Akteure auf den verschiedenen Ebenen bemühen sich seit langer Zeit, Ordnung in den Wirrwarr der europäischen Pokalwettbewerbe zu bringen. Jetzt strebt zusätzlich die NBA auf den Markt in Europa. In Kooperation mit dem Weltverband Fiba plant die renommierteste Liga der Welt, eine Dependance in Europa aufzubauen.
Hoffnung auf eine klare Struktur
Zunächst könnte dieser Eindruck entstehen. Viele hegen jedoch die Hoffnung, dass die Marktmacht der NBA in Kooperation mit dem Weltverband letztendlich für eindeutige Verhältnisse sorgt. «Wir reden über die stärksten Basketball-Institutionen, die es gibt. Das ist die Fiba als regulatorische Klammer des Weltbasketballs und die NBA, die man nicht lange beschreiben muss», äußerte Marco Baldi, Geschäftsführer von Alba Berlin, im Podcast «Dyn Timeout».
Baldi äußerte die Hoffnung, dass es dieser Kooperation gelingen werde, «diesen extrem fragmentierten europäischen Basketballmarkt in Anführungszeichen in Ordnung und in eine klare Struktur bringen». Eine eindeutige Rangfolge der Turniere sei essenziell. «Es ist aus meiner Sicht höchste Zeit, das in Einklang zu bringen, damit es für jeden und jede nachvollziehbar ist, wer spielt wo und was bedeutet dieser Wettbewerb», fügte Baldi hinzu.
Pläne für die NBA Europe
Die europäische Dependance der NBA soll im nächsten Jahr ihren Betrieb aufnehmen. Es sind bis zu zwölf permanente Startplätze vorgesehen. Ergänzt werden diese durch vier Mannschaften, die ihre Teilnahmeberechtigung sportlich erlangen. Alba Berlin wird aus Deutschland als aussichtsreichster Kandidat gehandelt. Aus diesem Grund zogen sich die Hauptstädter im letzten Sommer aus der Euroleague zurück und traten in der aktuellen Spielzeit in der von der Fiba veranstalteten Champions League an.
Die Zukunft der Euroleague
Diese Frage bleibt momentan die zentrale Unbekannte. Die privat geführte Euroleague und der Weltverband liegen seit langer Zeit im Streit. Jüngst deuteten sich jedoch Zeichen einer Wiederannäherung an. Ein Grund dafür könnte sein, dass der neue Leiter der Euroleague, Chus Bueno, eine Vergangenheit in der NBA besitzt und als fähiger Vermittler gilt.
(dpa/bearbeitet durch Gemini 2.5 Pro) (red)
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