Deutschland will bei der Heim-WM 2027 endlich Dänemark schlagen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht.
Kommentar zur Handball-EMFür diese Auswahl mit Weltklasse-Potenzial ist bei der Heim-WM in Köln alles drin


Das deutsche Handball-Team lässt sich feiern in Dänemark.
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Der vorerst letzte Sieg einer deutschen Handball-Nationalmannschaft bei einem WM-Turnier über Dänemark datiert vom 11. Mai 1995. Seither hat sich das Kräfteverhältnis jedoch dramatisch verschoben: Dänemark ist zur Supermacht des Handballs geworden, hat seit 2019 alle vier Weltmeisterschaften gewonnen, dazu Olympia 2024 in Paris. Und nun die Europameisterschaft im eigenen Land – erneut im Endspiel gegen Deutschland. Portugal hat bei dieser EM bewiesen, dass die Dänen schlagbar sind – zumindest in einem Vorrundenspiel. Trotz des am Ende deutlichen 27:34 verließ die deutsche Mannschaft Herning als plötzlicher Top-Favorit auf den WM-Titel im kommenden Winter – neben Dänemark.
Eine zu steile These? Die Dänen zeigen zwar keine Ambitionen, das Turnier in Deutschland auszulassen, und wer den dänischen Nachwuchs beobachtet, sieht bereits eine nächste Generation voller Welthandballer heranwachsen. Doch Deutschland hat einen strukturellen Vorteil: Es gibt achtmal so viele deutsche wie dänische Handballer. Die Dänen haben diesen Rückstand bislang mit einem überragenden Konzept der Jugendförderung ausgeglichen.
Doch Deutschland holt auf – und zwar schnell. Handball ist in Dänemark tief in der Gesellschaft verwurzelt, die Hallen sind Orte der Zusammenkunft, der Sport bietet jungen Menschen Heimat und Orientierung. Aber in Deutschland ist das kaum anders. Deutschland ist zurück in der Weltspitze. Der Handballsport erlebt einen Boom, die Mitgliederzahlen im DHB steigen, eine gelebte Handballkultur durchzieht den Jugendsport – übrigens bei Mädchen wie bei Jungen. Das zeigt sich auch an den Einschaltquoten: Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland, die am Sonntagabend den Fernseher einschalteten, verfolgten das EM-Finale. 13 Millionen.
Deutschland hat nicht nur Breite, sondern mittlerweile auch eine üppig besetzte Leistungsspitze. Grgic, Uscins, Köster, Schluroff, Fischer, Knorr, Späth – die Auswahl steckt voller junger Spieler mit Weltklasse-Potenzial, die längst nicht am Zenit sind. In einem Jahr werden sie reifer, abgeklärter, hungriger sein. Hinzu kommt der Heimfaktor, der im Handball mehr zählt als in jeder anderen Sportart – nicht nur, weil die Schiedsrichter besonders großen Einfluss haben. Das Publikum in Köln hat die deutsche Mannschaft schon vor 20 Jahren zum Titel getragen. Schon jetzt ist die Sehnsucht groß nach einem erneuten Finale mit deutscher Beteiligung. Und einem Wunschgegner namens Dänemark.
