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Abschiede und Europa-ComebackSo geht es bei den Kölner Haien weiter

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Die Profis der Kölner stehen enttäuscht auf dem Eis.

Die niedergeschlagenen Kölner Haie nach dem Playoff-Aus im Halbfinale gegen Berlin am vergangenen Montag.

Nach dem Halbfinal-Aus analysieren die Haie ihre Schwächen und stellen die Weichen für die Zukunft. Abschiede stehen an – und bald schon eine neue Herausforderung auf internationaler Bühne.

Seit fast einem Vierteljahrhundert gehört es beim KEC im Frühjahr zur Routine, die Saison in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ohne Meistertitel zu beenden. Die Saisonabschlussfeier für die Fans, die am Sonntag in der Halle Tor 2 ab 14 Uhr stattfindet, ist die 24. in Serie, auf der die Verantwortlichen erklären werden, dass die Hoffnung weiterlebt – und nicht alles schlecht war. Letzteres ist diesmal wahrer denn je. Die Haie waren das mit Abstand beste Team der Hauptrunde, das allerdings im wichtigsten Wettbewerb des Eishockeyjahres, den Playoffs, nicht die beste Form erreichte und deshalb im Halbfinale in sechs Spielen an den Eisbären Berlin scheiterte.

Nach dem Aus am Montag durch die 2:4-Heimniederlage begann beim KEC sofort die Analyse des Playoff-Geschehens. Den Zwischenstand formuliert Sportdirektor Matthias Baldys so: „Wir sind in der Aufarbeitung, haben es noch nicht vollständig analysiert. Ein paar Tage nach dem Aus kann man sagen, dass wir nicht in allen Bereichen zu unserer Form aus den besten Saisonphasen gefunden haben“, sagte der 42-Jährige – und erklärte: „Das waren Nuancen – aber die machen gegen eine starke Mannschaft wie Berlin den Unterschied. Sie waren am Ende effizienter. In unseren besten Phasen konnten wir 60 Minuten konstant gut spielen, das ist uns in der Serie nicht immer gelungen. Berlin war in einigen Bereichen ein kleines Stück besser.“

Auffällig war vor allem der Abfall im Überzahlspiel. Erreichten die Haie in der Hauptrunde eine Effizienz von 31,21 Prozent, waren es in den Playoffs nur 12,9 Prozent. Es ist zu erwarten, dass der Verein bald den neuen Trainer, den Schweden Thomas Berglund, vorstellen wird. Der 57-Jährige ist mit seinem bisherigen Verein Lulea HF im Playoff-Halbfinale der schwedischen Liga ausgeschieden; am 15. April verlor er das letzte Spiel gegen Skelleftea AIK. Somit dürfte Berglund bald verfügbar sein. Kari Jalonen, der zu Tappara Tampere wechselt, wird sich am Sonntag von den Haie-Anhängern verabschieden.

Berglund stand Anfang März mit Lulea im Finale der Champions Hockey League (CHL), das mit 3:4 gegen Frolunda verloren ging. Seine Erfahrung in diesem Wettbewerb wird den Haien zugutekommen, denn sie sind erstmals seit 2014 wieder dafür qualifiziert.

Champions-League-Auslosung im Mai

Mit welchen Rivalen es die Kölner zu tun bekommen werden, wird im Mai während der Eishockey-WM in Zürich ausgelost. Ein paar Dinge stehen aber bereits fest: Der erste Spieltag wird Anfang September stattfinden, also vor dem Start der DEL-Saison. In einer ersten Phase der CHL stehen drei Heim- und drei Auswärtsspiele an, die der KEC in der Lanxess-Arena austragen wird. „Die Teilnahme verändert die Vorbereitung ein Stück weit, das wird auch für uns ein Lernprozess. Wir werden wieder einen tiefen Kader haben“, sagt Baldys.

Aus Deutschland ist außerdem der Tabellenzweite und Playoff-Finalist Adler Mannheim dabei. Sollten die Eisbären den Titel gewinnen, wären auch sie qualifiziert. Falls Mannheim triumphiert, wäre es der Tabellendritte Straubing.

Die Saisonabschlussgespräche mit den Haie-Profis wird Baldys Anfang nächster Woche führen. Ein paar Abgänge stehen fest. So ist durchgesickert, dass Parker Tuomie nach Bremerhaven wechselt, Oliwer Kaski nach Malmö und Nate Schnarr zu Ambri-Piotta. In Sachen Moritz Müller gibt es keinen neuen Stand. Ob der 39-jährige Haie-Kapitän eine Saison dranhängt – es wäre seine 24. für den KEC – steht wohl noch in den Sternen. Während Müller sich bisher in Schweigen hüllt, sagt Baldys: „Das ist noch offen, wir werden uns in den kommenden Tagen zusammensetzen und darüber austauschen.“ 

Baldys’ Motivation, das neue Haie-Team zu formen, ist unüberhörbar: „Ich verspüre schon wieder eine große Lust, direkt loszulegen und wieder anzugreifen. Dafür werden wir uns gut vorbereiten und müssen über die Vorbereitung und Hauptrunde hart arbeiten, um uns diese Chance zu erarbeiten.“

Im Playoff-Finale um die deutsche Meisterschaft, das am Freitag beginnt, sieht Baldys indes leichte Vorteile beim Titelverteidiger Eisbären: „Wenn Berlin noch genug Kraft hat, sehe ich sie als Favoriten“, sagt er. Mannheim wartet nicht wie die Haie seit 24 Jahren, aber immerhin seit 2019 auf den finalen Triumph.