Der Höhenberger Drittligist belohnt sich gegen den Aufstiegsaspiranten nicht für ein gutes Spiel – Keeper Arne Schulz patzt.
0:2-Pleite gegen CottbusViktoria Köln betreibt Chancenwucher

Glücklos im Abschluss: Viktorias Robin Velasco (r.)
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Nach vielen lauten Klagen über Benachteiligungen aller Art in den vergangenen Wochen und Monate wurde Claus-Dieter „Pele“ Wollitz am Sonntagnachmittag sehr leise. Seine Mannschaft habe einen „glücklichen Sieg“ eingefahren, gestand der Trainer von Energie Cottbus nach dem 2:0 (1:0) beim FC Viktoria Köln. Der 60-Jährige lobte Spielweise und Identität seines Ex-Klubs und die Arbeit von Coach Marian Wilhelm. Das alles konnte Wollitz entspannt mit Blick auf die drei wichtigen Punkte für seinen FC Energie im Drittliga-Aufstiegsrennen formulieren. Auf Kölner Seite herrschte hingegen große Ratlosigkeit – wie die Partie nach zahlreichen Hochkarätern gegen über weite Strecken harmlose Cottbusser überhaupt verloren werden konnte. Auch noch ohne eigenen Treffer. „Es tut unfassbar weh, dass du dich für eine solche Leistung nicht belohnst“, resümierte Wilhelm.
Aussetzer von Torwart Arne Schulz
Sein Team hatte die Partie nach einem dominanten Start der Gäste gerade in den Griff bekommen, als sich Kölns Keeper Arne Schulz einen folgenschweren Aussetzer leistete. Ein weiter Abschlag seines Gegenübers Marius Funk hatte Viktorias Defensive überrumpelt, Schulz stürmte aus seinem Tor und köpfte den Ball nach vorne – obwohl er noch in seinem Strafraum stand und ihn hätte fangen dürfen. So landete der Ball bei Erik Engelhardt, der ihn über Viktorias Schlussmann hinweg ins leere Tor hob (18.). „Es ist ärgerlich. Cottbus macht mit dem ersten Schuss aufs Tor das 1:0, dabei ist es nicht mal eine richtige Torchance“, meinte Robin Velasco.
Kölns Flügelstürmer spielte sich in den folgenden Minuten in den Fokus. Immer wieder trieb der 23-Jährige Angriffe über seine rechte Seite in Richtung Cottbusser Strafraum – doch immer wieder hatten die gegnerischen Verteidiger gerade noch genug Zeit, um ein Körperteil in die Schussbahn zu werfen. Velasco selbst scheiterte nach 29 Minuten, kurz nach dem Seitenwechsel klärte Merveille Biankadi einen Schuss von Taylan Duman per Fallrückzieher auf der Linie.
Chancen im Minutentakt in Halbzeit zwei
Die 20 Minuten nach der Pause bezeichnete Trainer Wilhelm als die beste zweite Halbzeit seiner Mannschaft in dieser Saison – doch der Ausgleich wollte nicht fallen. Nach einer weiteren Chance von Duman (52.) ging in der 53. Minute David Otto im Strafraum zu Boden, doch der Kontakt am Fuß war Schiedsrichter Leonidas Exuzidis zu wenig für einen Strafstoß – zum Unverständnis der Kölner. Doch die Viktoria hätte auch aus dem Spiel heraus den Ausgleich erzielen müssen. Nur warteten Benjamin Zank, Otto, Velasco und Duman in allen Szenen zu lange mit dem Abschluss. Energie konterte in der 75. Minute kühl, der überragende Verteidiger King Manu rannte vom eigenen Strafraum los, wurde mit einem einfachen weiten Ball bedient und schob zum vorentscheidenden 2:0 ein.
„Wir machen ein gutes Spiel, erarbeiten uns viele Möglichkeiten gegen eine sehr gute Mannschaft – machen die Dinger aber einfach nicht“, ärgerte sich Velasco. Der Dribbler hätte mit seinen Möglichkeiten im Alleingang für einen Kölner Punktgewinn sorgen können. „Ich bin froh, dass ich so eine Leistung zeigen konnte. Der Weg in den letzten Wochen ist gut. Aber natürlich will man sich in so einem Spiel dann auch mit einem Tor belohnen. Ich hatte drei, vier Situationen, in denen ich es bis zum Abschluss richtig gut mache, mir dann aber ein bisschen das Glück fehlt“, sagte er. Velasco spielt seit Sommer 2024 in Höhenberg, konnte sich aber nie nachhaltig durchsetzen. Seine in der Regel starken Trainingseindrücke bestätigt er zu selten, wenn es ernst wird. „Er tut einem manchmal leid, weil er sich oft gute Situationen kreiert und sich dann nicht belohnt. Das war auch heute so. Da leidest du als Trainer draußen mit“, meinte Wilhelm.
Highlight gegen Fortuna Köln zum Abschluss
So kommt Velasco in 46 Pflichtspielen nur auf ein Tor und zwei Vorlagen für die Viktoria – der Treffer und ein Assist stammen aus dem Verbandspokal. Ein Scorerpunkt in der Dritten Liga ist eine dünne Ausbeute. Der Vertrag des gebürtigen Hamburgers läuft im Sommer aus, vieles deutet auf eine Trennung hin. „Ich konzentriere mich auf die letzten Spiele, dann schauen wir, was passiert“, sagte Velasco.
Vier Partien stehen noch aus: In der Liga warten Ulm (2. Mai), Alemannia Aachen (10. Mai) und zum Abschluss der MSV Duisburg (16. Mai). Eine Woche später steigt im heimischen Sportpark das Mittelrheinpokalfinale gegen die Fortuna (23. Mai). „Das Finale hat eine große Bedeutung für uns, unabhängig davon, dass es ein Derby ist“, sagte Sportvorstand Franz Wunderlich. „Darum bin ich froh über die Leistung heute, wir müssen auf Temperatur bleiben. Denn wenn du runterfährst, kannst du den Schalter nicht nochmal umlegen.“
Viktoria Köln: Schulz – Ronstadt (72. Agyekum), Dietz, Boboy, Handle – Velasco (80. Kozuki), Eisenhuth, Wolf (88. Popp), Duman (80. Vega Zambrano) - D. Otto, Zank (72. Sachse. – Tore: 0:1 Engelhardt (18.), 0:2 Manu (75.). – Zuschauer: 4536.


