Der Höhenberger Drittligist schenkt gegen den Tabellenvorletzten eine 0:2-Führung her. Es ist nicht der erste Aussetzer gegen Abstiegskandidaten.
2:3-Pleite beim TSV HavelseViktoria Köln als Punktelieferant der Sorgenkinder

Patzte vor dem 2:3: Viktorias Defensiv-Allrounder Tobias Eisenhuth (l.)
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Es kommt im Profifußball nicht alle Tage vor, dass ein in jeder Hinsicht dominantes Team nach rund 70 Minuten und mit einer 2:0-Führung gegen einen Abstiegskandidaten plötzlich fast jede Grundtugend des Spiels außer Acht lässt und die Partie regelrecht herschenkt. So geschah es jedoch am Samstagnachmittag bei Viktoria Kölns 2:3 (2:0)-Niederlage beim Drittliga-Vorletzten TSV Havelse. Den Höhenbergern war auf eine Stunde furiosen Kombinationsspiels eine Schlussphase eklatanter Aussetzer gefolgt. „Das Spiel dürfen wir niemals hergeben“, ärgerte sich Trainer Marian Wilhelm. „Aber wenn dir solche Fehler unterlaufen, dann wirst du in dieser Liga bestraft. Egal, von wem.“
Niederlagen gegen Schweinfurt und Havelse, Remis gegen Aue
Es war die dritte Niederlage in Folge für die Viktoria, die sich zwar mit Blick auf die untere Tabellenregion keine Sorgen machen muss, jedoch durchaus weiter oben stehen könnte. Immerhin mussten die Kölner in diesem Jahr schon Niederlagen gegen das Schlusslicht Schweinfurt (0:2) und den Tabellenvorletzten Havelse sowie ein 2:2 nach 2:0-Führung gegen den abstiegsgefährdeten FC Erzgebirge Aue verkraften. Die Viktoria hat sich zu einem zuverlässigen Aufbauhelfer der Drittliga-Sorgenkinder entwickelt.
Die Gäste hatten früh die Spielkontrolle gegen die defensiv wie offensiv limitierten Havelser übernommen. Ein wunderbarer Rechtsschuss von Simon Handle von der Strafraumkante genau in den Winkel brachte die verdiente 1:0-Führung (24.). Der Treffer beflügelte die Viktoria, die sich fortan nach Belieben durch die TSV-Defensive kombinierte. Nach 32 Minuten spitzelte David Otto den Ball in den Lauf von Benjamin Zank; der Stürmer fand mit einer klugen Hackenablage Leonhard Münst – 2:0, das Spiel schien früh entschieden.
Die Lücken in der Havelser Hintermannschaft wurden minütlich größer. Otto aus der Distanz, Zank aus der Distanz, Zank im Eins-gegen-eins, Otto gegen die Latte. Die Viktoria hatte reihenweise Großchancen, scheiterte aber immer wieder an Torhüter Norman Quindt, dem bis dahin einzigen Havelser mit Drittliga-Format. Nach einer Stunde hätte die Viktoria mindestens 5:0 führen müssen. Was folgte, war die Quittung.
Lars Dietz verletzt sich kurz vor dem Anschlusstreffer
In der 69. Minute blieb Lars Dietz nach einem Zweikampf in der Hälfte der Gastgeber mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen. „Der Gegner hat die Wahl, den Ball ins Aus zu spielen, entscheidet sich aber dagegen“, meinte Wilhelm hinterher. Auch der Schiedsrichter unterbrach die Partie nicht – denn es lag keine Kopfverletzung vor, die laut Reglement eine sofortige Unterbrechung zur Folge gehabt hätte. So trug Havelse in Überzahl einen Angriff vor: Eine Flanke von der rechten Seite fand den freien Nassim Boujellab, der zum 1:2 einköpfte. „Dass die Partie nicht unterbrochen ist, ärgert einen natürlich. Lars war eindeutig verletzt. Aber trotzdem dürfen wir im Zentrum nicht so offenstehen“, so Wilhelm.

Viktorias Spielmacher Leonhard Münst
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Dietz wurde mit einer Knöchelverletzung ausgewechselt. Eine Diagnose soll zum Wochenbeginn vorliegen. „Wir hoffen, dass es nur eine Prellung ist“, sagte Sportvorstand Franz Wunderlich. Ein längerer Ausfall würde die Viktoria hart treffen, zumal Christoph Greger, der Kapitän, wegen einer Rückenverletzung schon seit Monaten fehlt.
Frank Ronstadt lässt Gegenspieler laufen
Ohne seinen Anführer wurde es chaotisch in der Kölner Hintermannschaft: In der 78. Minute verursachte Meiko Sponsel einen Handelfmeter, den Johann Berger zum 2:2 nutzte. „Im Gefühl des sicheren Sieges, dass da nichts passiert, haben wir uns zu naiv angestellt“, kritisierte Wunderlich. Es kam noch schlimmer. In der Nachspielzeit ließ sich die Viktoria nach einem Ballverlust von Tobias Eisenhuth auskontern; Marko Ilic vollendete flach ins lange Eck zum 3:2 (90.+1). „Da laufen wir trotz frischer Beine nicht mit, bleiben einfach stehen“, kritisierte Wilhelm – gemeint war offenkundig der kurz zuvor eingewechselte Frank Ronstadt, der das Tempo des Torschützen nicht aufnahm, sondern nebenher trabte.
Wie konnte die Viktoria so ein Spiel verlieren? „Ganz einfach: Wenn du so schlecht verteidigst, wie wir es gemacht haben“, sagte Wunderlich.
Viktoria Köln: Schulz - Sponsel, Dietz (71. Boboy), Kloss - Velasco (76. Sachse), Wolf, Engelhardt (75. Eisenhuth), Handle - Münst (87. Popp), Otto - Zank (76. Ronstadt). – Tore: 0:1 Handle (24.), 0:2 Münst (35.), 1:2 Boujellab (69.), 2:2 Berger (78./Handelfmeter), 3:2 Ilic (90.+1).

