Das erste Länderspielaufgebot des Fußball-Bundestrainers im WM-Jahr ist ein Statement in Hinblick auf die WM im Sommer. Es gibt unerwartete Gewinner – und einige Verlierer.
„Kann man nicht vergleichen“Nagelsmann setzt auf Bayern-Block – und erwähnt El Mala nur am Rande

Julian Nagelsmann präsentiert seinen ersten Kader im WM-Jahr.
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Julian Nagelsmann hat am Donnerstag (19. März) seinen Kader für die kommenden Testspiele vorgestellt und damit auch ein Statement geliefert, das zum Start ins WM-Jahr neben zwei Neulingen und einigen erstaunlichen Rückkehrern eine zentrale Botschaft enthielt.
Der Bundestrainer baut für den großen Wurf bei der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer mehr denn je auf die Siegermentalität des FC Bayern. „Sie verkörpern diese Gier, unbedingt gewinnen zu wollen, deshalb setzen wir gerne auf diesen Block“, sagte Nagelsmann auf dem Frankfurter DFB-Campus.
Die Münchner Triple-Jäger sollen neben einer starken England-Fraktion um Florian Wirtz, Nick Woltemade und Rückkehrer Kai Havertz die Turnier-Lokomotive sein. „Es ist ein Kern, der die WM spielen wird und es sind ein paar neue Kräfte“, beschrieb Nagelsmann sein Aufgebot.
Jonas Urbig erstmals dabei, Said El Mala nicht berücksichtigt
Der ehemalig FC-Torwart Jonas Urbig (22) und Jungstar Lennart Karl (18) erweitern deshalb als Newcomer den 26-Mann-Kader um Kapitän Joshua Kimmich bei den ersten Länderspielen des Jahres am 27. März in Basel gegen die Schweiz und drei Tage darauf in Stuttgart gegen Ghana auf sieben Akteure.
Urbig lobte Nagelsmann vor allem wegen dessen bestandenen Belastungsproben beim deutschen Rekordmeister: „Er hat jetzt schon viele Spiele gemacht und eine gute Psyche bewiesen bei den Bayern. Er kam oft auch nur kalt ins Spiel und hat genau das extrem gut bewältigt. Er kennt auch viele Spieler und den gesamten Bayern-Block“, so der Bundestrainer.

Darf sich freuen im Kreis der Nationalmannschaft zu stehen: Jonas Urbig
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Auf einen anderen Spieler mit einer Kölner Verbindung ging Nagelsmann nicht explizit ein: Said El Mala. In einem „Kicker“-Interview vor ein paar Wochen hatte der Bundestrainer bereits auf die geringen Chancen auf eine Nominierung des FC-Profis verwiesen – auch, weil El Mala in Köln nicht zur absoluten Stammelf des FC gehören würde.
Nagelsmann betonte nun noch einmal, dass es sich bei dem Stürmer eben nicht wie etwa bei Leon Goretzka verhalten würde, der beim FC Bayern zwar auch nicht immer auf dem Platz stehe, jedoch „auf einen ganz anderen Erfahrungsschatz“ zurückgreifen könne. „Deswegen kann man oft Spielzeit und Spielzeit nicht miteinander vergleichen.“
Kölns Jungstar ist also erstmal raus, was sich aber bis Mitte Mai immer noch ändern könnte. Dann wird Nagelsmann den WM-Kader nominieren. 26 Tickets hat er für die Endrunde vom 11. Juni bis 19. Juli in Kanada, Mexiko und den USA zu vergeben.
Das Rätsel um WM-Trumpf Musiala
Bayerns Offensiv-Juwel Jamal Musiala bereitet dem Bundestrainer knapp drei Monate vor dem ersten Gruppenspiel am 14. Juni gegen Außenseiter Curaçao unterdessen Sorgen.

Julian Nagelsmann muss noch warten, bis er Jamal Musiala wieder im Kreis der Nationalmannschaft begrüßen kann. (Archivbild)
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Der 23-Jährige fasst nach seiner schweren Bein-Verletzung bei der Club-WM 2025 weiterhin nicht richtig Fuß. „Es ist für uns und die Bayern ärgerlich“, sagte Nagelsmann. Einige Minuten unter Schmerzen im DFB-Trikot würden aber weder Musiala noch dem DFB-Team Richtung WM jetzt helfen.
Der 38-Jährige überraschte am Donnerstag nicht nur mit Torwart Urbig und Offensivkraft Karl. Neben dem endlich wieder fitten Angreifer Havertz sowie dem zuletzt ebenfalls verletzt fehlenden Abwehr-Routinier Antonio Rüdiger gibt es noch vier weitere, zum Teil erstaunliche Rückkehrer.
Undav kehrt zurück – ebenso wie Groß, Stach oder Vagnoman
Ein verdientes DFB-Comeback feiert der Stuttgarter Deniz Undav, mit 16 Toren der beste deutsche Torschütze in der Bundesliga hinter Bayern-Gigant Harry Kane (30 Treffer). „Er hat eine super Quote. Stürmer mit der Quote kann man nicht zu Hause lassen“, sagte Nagelsmann. „Er darf gerne weitermachen mit dem Toreschießen.“
Im WM-Zug sitzen plötzlich auch der wieder in England für Brighton spielende Ex-Dortmunder Pascal Groß sowie der ehemalige Mainzer Anton Stach (Leeds United). Und auch Josha Vagnoman, der sich mit guten Leistungen für den VfB Stuttgart als Rechtsverteidiger-Option hinter Kapitän Kimmich empfohlen hat. Mittelfeldspieler Stach bestritt vor vier Jahren zwei Länderspiele, Vagnomans einziger Einsatz im Nationalteam liegt drei Jahre zurück.
Aufs WM-Abstellgleis hat der Bundestrainer dagegen vielleicht schon endgültig die Stuttgarter Angelo Stiller und Maximilian Mittelstädt geschoben. Auch der Leverkusener Robert Andrich, Mittelstürmer Niclas Füllkrug (AC Mailand) und die Dortmunder Karim Adeyemi und Maximilian Beier sind auf die Streichliste geraten. Im Gegensatz zu Leroy Sané, der seine Chance gerade beim furiosen 6:0 gegen die Slowakei im vergangenen November entschlossen nutzte.
Neue Dynamik im Tor hinter Baumann
Ins Torwart-Team kommt mit Urbigs Berufung eine neue Dynamik hinter dem Hoffenheimer Oliver Baumann, der nach dem erneuten Ausfall von Pechvogel Marc-André ter Stegen die klare Nummer eins ist und bei der WM im Kasten stehen soll. „Er hat eine große Perspektive, wenn alles weiter so läuft im deutschen Fußball“, sagte Nagelsmann zu Urbig. Der Stuttgarter Alexander Nübel komplettiert das Torwart-Trio.
Youngster Urbig verkörpert die Zukunft, als designierter Nachfolger von Manuel Neuer beim FC Bayern und spätestens dann auch als programmierter Nummer-1-Anwärter in der DFB-Elf. Vorerst ist er aber noch der Lehrling. „Wir wollen ihn jetzt mal sehen“, sagte Nagelsmann. (oke/dpa)
