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Gewaltfrei erziehen„Eine Tracht Liebe hat noch keinem Kind geschadet“

4 min
Ein blonder Junge hält ein großes rotes Herz in den Händen

Jedes Kind hat ein Recht auf gewaltfreie Erziehung – daran erinnert ein nationaler Aktionstag am 30. April.

Infos und Tipps vom Kölner Kinderschutzbund zum Tag der gewaltfreien Erziehung am 30. April.

Ein Klaps auf den Hintern hat noch niemandem geschadet? Von wegen: Nicht nur, dass er sich nachweislich negativ auf die kindliche Entwicklung auswirken kann – er ist laut Gesetz eine körperliche Bestrafung, die genauso wie seelische Verletzungen und entwürdigende Erziehungsmaßnahmen hierzulande seit dem Jahr 2000 gesetzlich verboten ist.

Damals wurde das Recht jedes Kindes auf eine gewaltfreie Erziehung ins Bürgerliche Gesetzbuch aufgenommen. Daran erinnert jedes Jahr am 30. April an den Tag der gewaltfreien Erziehung. Ins Leben gerufen hat diesen nationalen Aktionstag der Deutsche Kinderschutzbund – um der Gesellschaft regelmäßig ins Bewusstsein zu rufen: Jeder und jede trägt Verantwortung dafür, ein gewaltfreies Aufwachsen von Kindern zu sichern.

Auch Demütigungen und Liebsentzug sind Formen der Gewalt

„Mit dem Aktionstag möchten wir Eltern motivieren, ihren Erziehungsstil zu reflektieren, sie dafür sensibilisieren, dass auch Demütigungen oder Liebesentzug Formen der Gewalt sind, und sie darüber aufklären, bei unseren Bedarfsberatungsstellen oder Elternkursen aufzusuchen“, sagt der Geschäftsführer des Kölner Kinderschutzbunds Lars Hüttler. Aus der bundesweiten Statistik der Gefährdungseinschätzungen aller Jugendämter in Deutschland ist bekannt, dass die Zahl der festgestellten Kindeswohlgefährdungen seit vielen Jahren ansteigt. „Vermutlich werden es nicht immer mehr Fälle, aber die Bereitschaft sie zu melden ist glücklicherweise gestiegen. Bei uns im Kinderschutzbund Köln sind zum Beispiel diese Anfragen von Fachkräften von im Schnitt 50 auf 200 pro Jahr gestiegen.“

Eine repräsentative Studie, die Unicef im vergangenen Jahr gemeinsam mit der Uniklinik Ulm erhoben hat, ergab, dass die Ablehnung von Körperstrafen in der Bevölkerung zwar so hoch ist wie nie – rund zwei Drittel sind dagegen. Aber jeder und jede Sechste, also 17 Prozent der Befragten, hält emotionale Strafen wie Anschreien in der Erziehung für angebracht. „Damit gibt es für die Formen und Folgen seelischer Gewalt leider noch immer zu wenig Bewusstsein. Es ist noch nicht in allen Köpfen angekommen, dass sich das Recht auf gewaltfreie Erziehung nicht im Verzicht auf körperliche Bestrafung erschöpft“, mahnt Hüttler.

Formen und Folgen psychischer Gewalt

Mit psychischer Gewalt sind sämtliche nicht-körperliche Handlungen, die das Selbstwertgefühl des Kindes verletzen, Angst erzeugen oder Kontrolle über das Kind ausüben, gemeint. Dazu ständige Anschreien, Beleidigungen („Du bist zu dumm zum ...“), Bedrohungen („Wenn Du so weiter machst, kommst Du ins Heim“), Liebesentzählzug, Schweigen als Strafe und Einschüchterung, Isolation, permanente, auch digitale Kontrolle etwa über Finanzen, Freunde oder Freizeit, bis hin zu Vernachlässigung, (Cyber-)Mobbing oder das Erleben körperlicher Gewalt zwischen den Eltern.

Das so genannte Gaslighting ist eine besonders subtile Form psychischer Gewalt, bei der betroffenene Kinder durch Abwertung ihrer Gefühle („Du bist zu empfindlich“) Lügen und Leugnen („Das bildest Du Dir nur ein,Das ist nie passiert“) und Manipulation gezielt verunsichert werden, bis sie an ihrer eigenen Wahrnehmung zweifeln.

Lars Hüttler ist Geschäftsführer des Kinderschutzbunds Köln

Damit gibt es für die Formen und Folgen seelischer Gewalt leider noch immer zu wenig Bewusstsein. Es ist noch nicht in allen Köpfen angekommen, dass sich das Recht auf gewaltfreie Erziehung nicht im Verzicht auf körperliche Bestrafung erschöpft
Lars Hüttler, GF Kinderschutzbund Köln

Laut einer Studie der Uni Leipzig aus dem Jahr 2023 besitzen Kinder zwischen drei und 16 Jahren ein erhöhtes Risiko, als Folge emotionaler Misshandlung psychischer Störungen zu entwickeln Seelischen Folgen ähneln oder sogar noch schwerer wiegen als bei anderen Misshandlungen wie sexualisierte oder körperliche Gewalt. Denn: Chronischer Stress verändert den Stresshormonspiegel dauerhaft und beeinträchtigt die Hirnentwicklung Selbstwertgefühl, soziale Interaktionen und gelungene Beziehungen im Erwachsenenalter erschwert.

Eltern stärken, Kinder nachhaltig schützen

Um Elternin der Erziehung zu begleiten – und damit Kinder zu schützen, hat der Kinderschutzbund vor mehr als 20 Jahren das Konzept der, inzwischen auch digital angebotenen, Elternkurse „Starke Eltern-Starke Kinder“ entwickelt, die auch in den Familienberatungsstellen des Kinderschutzbunds Köln angeboten werden. „Die Kurse fördern eine gewaltfreie, wertschätzende Erziehung und reduzieren negatives Verhalten wie Strafen oder dauerhaftes Motzen. Wir möchten Eltern helfen, den Alltag gelassener zu gestalten, Grenzen respektvoll zu setzen und ihre Beziehung zum Kind zu stärken“, sagt Hüttler.

Um Kinder nachhaltig zu schützen, fordern der Kinderschutzbund sowie andere Kinderschutzorganisationen außerdem, dass alle UN-Kinderrechte im Grundgesetz aufgenommen werden. „Die Geschichte des Rechts eines jeden Kindes auf eine gewaltfreie Erziehung hat gezeigt, dass gesetzliche Maßnahmen zu einer nachhaltigen, positiven gesellschaftlichen Veränderung, sprich: Haltung führen. Würden alle Kinderrechte Eingang ins Grundgesetz finden, würde die Rechtsposition von Kindern gestärkt und deren Teilhabe in allen Lebensbereichen verbessert“, sagt Hüttler.

Wirksam vorbeugen, gezielt intervenieren

Zudem müsste die bisher lückenhafte Datenlage zur Gewalt in der Erziehung verbessert werden, denn eine systematische Datenerhebung ist nachweislich das Fundament für wirksame Präventions- und gezielte Interventionsmaßnahmen. Nur so lassen sich das Ausmaß und die Risikofaktoren von Gewalt gegen Kinder adäquat erkennen.

„Es ist und bleibt eine dauerhafte gesellschaftliche Verantwortung, Kinder vor psychischer und physischer Gewalt zu bewahren. Solange immer noch ein Teil der Bevölkerung einen Klaps auf den Po oder emotionale Strafen als Erziehungsmethode für angemessen hält, hat diese Aufgabe auch heute nichts von ihrer Aktualität eingebüßt“, sagt Hüttler. Und was daneben immer hilft: Eine Tracht Liebe, so der charmante Titel einer Kinderschutzbund-Kampagne. Die nämlich hat noch kein Kind geschadet!

Erziehungstipps vom Kinderschutzbund Köln

  1. Vorbild sein Kinder lernen durch Nachahmung. Zeigen Sie im Umgang mit Stress respektvolles Verhalten.
  2. Gut zuhören So verstehen Sie die Bedürfnisse hinter dem Verhalten Ihres Kindes.
  3. Grenzen respektvoll setzen Klare Absprachen und eindeutige, altersgerechte Regeln geben dem Kind Orientierung, sollten konsequent aber ohne Demütigung durchgesetzt werden und unmittelbar mit der Handlung verbunden sein; Bestrafungen, Liebesentzug oder Anschreien zerstören Vertrauen.
  4. Anerkennung Loben Sie ihr Kind für Dinge, die es gut kann, versuchen Sie weniger zu kritisieren und zu schimpfen.
  5. Fehler in der Erziehung kommen vor. Gestehen Sie diese auch gegenüber dem Kind ein und überlegen Sie sich Alternativen.
  6. Pausen gönnen Wenn Situationen eskalieren, verlassen Sie diese, zählen von zehn rückwärts und gehen ruhiger wieder auf Ihr Kind zu.
  7. Hilfe holen Sie wissen nicht mehr weiter? Holen Sie sich fachliche Hilfe, das ist kein Zeichen der Schwäche sondern der Stärke. Anonymen Rat gibt es etwa am Elterntelefon (0800/1110550)

So können Sie Kölner Kindern helfen

Auszug aus dem neuen wir helfen-Folder 2025_2026

  1. Mit unserer Jahresaktion „wir helfen: Kinder frühzeitig auf einen guten Weg zu bringen“ bitten wir um Spenden für präventive Projekte in Köln und der Region, die gefährdete Kinder und Jugendliche schützen , fördern und ihnen zu einer guten Zukunftsperspektive verhelfen.
  2. Die Spendenkonten lauten: wir helfen e.V.
  3. Kreissparkasse Köln, IBAN: DE03 3705 0299 0000 1621 55
  4. Sparkasse Köln-Bonn, IBAN: DE21 3705 0198 0022 2522 25
  5. Wünschen Sie eine Spendenbescheinigung, geben Sie bitte +S+ im Verwendungszweck an. Sollten sie regelmäßig spenden, ist auch eine jährliche Bescheinigung möglich. Bitte melden Sie sich hierzu gerne per E-Mail bei uns. Soll Ihre Spende nicht veröffentlicht werden, notieren Sie +A+ im Verwendungszweck. Möchten Sie anonym bleiben und eine Spendenbescheinigung erhalten, kennzeichnen Sie dies bitte mit +AS+
  6. Bitte geben Sie in jedem Fall auch immer ihre komplette Adresse an. Auch wenn Sie ein Zeitungsabonnement der „kstamedien“ beziehen, ist Ihre Adresse nicht automatisch hinterlegt.
  7. Sollten Sie per PayPal spenden, beachten Sie bitte, dass Ihre Spende immer anonym ist. Wünschen Sie eine Spendenbescheinigung schicken Sie eine E-Mail an uns.
  8. Möchten Sie anlässlich einer Trauerfreier, einer Hochzeit oder eines Geburtstags zu einer Spendenaktion aufzurufen, informieren Sie uns bitte vorab per E-Mail über die Aktion. Sehr gerne lassen wir Ihnen dann, zwei Wochen nach dem letzten Spendeneingang, die gesammelte Spendensumme zukommen.
  9. Kontakt: „wir helfen e.V.“, Amsterdamer Straße 192, 50735 Köln Telefon: 0221-224-2789 (Allgemeines, Anträge, Regine Leuker/Meike Vojta), 0221-224-2130 (Geschäftsührung/Redaktion, Caroline Kron)
  10. wirhelfen@kstamedien.de
  11. Mehr Infos und die Möglichkeit, online zu spenden, finden Sie uf unserer Vereinshomepage www.wirhelfen-koeln.de