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Wenn es kompliziert wirdEinzige Airbus-Werkstatt Europas für schwere Schäden

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Airbus Reparaturzentrum

In einer Werkstatt nahe Bremen werden Flugzeugteile aus ganz Europa repariert.

In einer Spezialwerkstatt bei Bremen erhalten selbst schwer beschädigte Airbus-Komponenten eine zweite Chance. Von der Landeklappe bis zur Flügelspitze.

Ein Reifen ist geplatzt, die Landeklappe weist eine Delle auf und auch Rost hat bereits Spuren hinterlassen. „Das ist eine relativ komplexe Reparatur“, sagt Christopher Jacob, Leiter des Airbus Repair Centers. „Wir müssen die Landeklappe komplett zerlegen.“ Nach Abschluss der Instandsetzung wird das Bauteil jedoch wieder in einem neuwertigen Zustand sein.

Nach Stuhr, einem Ort südlich von Bremen, gelangen defekte Airbus-Flugzeugkomponenten aus dem gesamten europäischen Raum. Häufig handelt es sich um besonders schwierige Fälle, wie etwa verbogene Ruder, eingedrückte Landeklappen oder Flügelspitzen, die durch Hagel, Blitzschlag oder Steinschlag in Mitleidenschaft gezogen wurden. „Wir kommen immer dann ins Spiel, wenn es kompliziert wird“, erklärt Michelle Klautke, Leiterin eines Reparaturteams.

Mehr als 1.200 Bauteile im Reparatur-Portfolio

Die Mannschaft ist in der Lage, über 1.200 verschiedene Flugzeugbauteile instand zu setzen. „Da ist alles dabei, vom kleinen Tankdeckel bis zur großen Landeklappe“, sagt Klautke. „Wir reparieren über 500 Komponenten pro Jahr.“

Airbus Reparaturzentrum

Michelle Klautke leitet ein Reparaturteam.

Übergroße, orangefarbene Kisten sind vor der Werkshalle aufgetürmt. In ihnen befinden sich die beschädigten Flugzeugkomponenten, die auf ihre Instandsetzung warten. „Als Erstes geht es in die Inspektion“, erläutert Klautke. „Wir schauen uns genau an: Was ist kaputt? Gibt es Korrosion? Ist die Beschichtung beschädigt?“

Zahlreiche Mängel sind auf den ersten Blick erkennbar, aber während der Instandsetzung stoßen die Spezialisten nicht selten auf zusätzliche Probleme wie Rost, abgeplatzte Farbe oder eine geringfügig verbogene Halterung. „Manchmal müssen wir auch erst auf Spurensuche gehen, was kaputt ist“, sagt Klautke. „Das ist beispielsweise der Fall, wenn wir Wassereinlagerungen im Bauteil vermuten.“

Sicherheit der Passagiere hat oberste Priorität

Passagiere an Bord eines Flugzeugs bemerken solche Vorfälle normalerweise nicht. Selbst ein Blitzeinschlag bleibt meist unbemerkt, wie die dpa berichtet. „Da passiert dem Flugzeug und den Passagieren erstmal nichts“, versichert Jacob. Erst bei der Routinekontrolle vor dem darauffolgenden Abflug werden die Beschädigungen vom Piloten entdeckt. „Er geht eine Checkliste durch und leuchtet alles ab.“

Insbesondere die Landeklappen unterliegen bei dieser Kontrolle einer genauen Prüfung. Sollte der Pilot eine Abweichung feststellen, ist eine Konsultation erforderlich. „Im Zweifel müssen die Fluggäste länger am Gate warten und es gibt ein Ersatzflugzeug“, so Jacob.

Laut Mitteilung des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft erfolgen derartige Überprüfungen stets zwischen den einzelnen Flügen. Bei diesen Gelegenheiten füllt man Betriebsflüssigkeiten nach, tauscht Bremsen und Räder aus und führt geringfügige Instandsetzungen durch. Davon losgelöst erfahren die Maschinen alle 15 bis 18 Monate eine gründlichere Inspektion. „Die Wartungsintervalle basieren auf der Anzahl der Flugstunden, der Landungen sowie festgelegten Zeitintervallen.“

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In der Werkstatt wird geschraubt, geschliffen und lackiert.

Während viele Werkstätten kleinere Instandsetzungen wie den Wechsel einer Felge durchführen können, erfordern Arbeiten mit Millimeterpräzision besonderes Fachwissen und spezielle Ausrüstung, wie sie in der Werkshalle in Stuhr in Niedersachsen vorhanden ist.

Austauschsystem überbrückt monatelange Reparatur

Eine aufwendige Instandsetzung kann dort vier bis fünf Monate in Anspruch nehmen. „Das Flugzeug steht in der Zeit nicht“, erklärt der Leiter des Airbus Repair Centers. Es wird stattdessen ein Austauschverfahren praktiziert: Ein Kunde liefert zum Beispiel eine beschädigte Landeklappe und erhält im Gegenzug umgehend ein Ersatzteil aus dem Bestand. Sobald die Reparatur abgeschlossen ist, wird die Klappe für den nächsten Kunden eingelagert, der schnell ein Austauschteil benötigt.

Im Gegensatz zur Serienfertigung können die Beschäftigten nie vorhersehen, was auf sie zukommt. „Das ist nicht planbar“, unterstreicht Klautke. Eine Mannschaft ist für defekte Landeklappen zuständig, während sich andere Gruppen mit Seiten- und Höhenrudern, Flügelspitzen oder Militärmaschinen befassen. Manche Mitarbeiter haben sich auf Reparaturen spezialisiert, die Kohlenstoff- und Glasfasern involvieren.

„Wenn man's abbauen kann, wird man es auch reparieren können. Die Frage ist nur, wie“, erläutert die Fachfrau. Aus diesem Grund erarbeiten die Ingenieure und Techniker kontinuierlich neue Verfahren, vor allem für häufig auftretende Problemstellen. „Unser Ziel ist, die Flugtüchtigkeit wiederherzustellen.“

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Christopher Jacob freut sich, dass sein Team weiter wächst.

In der Werkstatt wird geschliffen, verschraubt und verklebt. Abschließend erfolgen letzte Arbeiten wie das Auftragen von Farbe oder das Anbringen von Dichtungen, ehe eine separate Abteilung das Bauteil kontrolliert und am Ende zertifiziert.

Reparatur günstiger und nachhaltiger als Neukauf

Eine derartige Instandsetzung ist laut dem Betriebsleiter nicht nur umweltfreundlicher, sondern in der Regel auch erheblich preiswerter als die Anschaffung eines neuen Bauteils. „Wenn wir Teile reparieren können, spart sich der Kunde häufig viele Millionen.“ Die Kosten für komplexe Arbeiten an einer Landeklappe bewegen sich im sechsstelligen Bereich, was immer noch günstiger ist als der Erwerb eines Neuteils.

Selbst innerhalb von Airbus ist diese spezielle Werkstatt nicht allen Mitarbeitern bekannt. Der Bereich expandiert jedoch: Aktuell sind dort etwa 80 Personen beschäftigt, und bis Ende des Jahres soll die Belegschaft auf 100 anwachsen. „Wir reparieren deutlich mehr als früher“, sagt Jacob. „In der Vergangenheit gab es Beschädigungen, die wir nicht reparieren konnten. Heute haben wir aber Lösungen entwickelt, die diese Bauteile vor der Verschrottung retten.“ Dies gilt auch für die eingedellte Landeklappe mit dem Reifenschaden, welche in wenigen Monaten erneut weltweit im Einsatz sein wird. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.