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GüterverkehrDB Cargo baut 6200 Stellen ab – Auswirkungen auf Köln unklar

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Eine Güterzuglokomotive im Werk Gremberg.

Vergangenen Sommer hatte DB-Cargo im Werk in Köln-Gremberg die erste Güterzuglokomotive für den automatisierten Streckenbetrieb vorgestellt.

Bei der seit Jahren kriselnden Güterverkehrssparte der Bahn steht der nächste Umbruch an: Der neue Chef baut fast die Hälfte der Stellen ab. Was das für den Standort in Köln-Gremberg heißt.

Die kriselnde Frachttochter der Deutschen Bahn soll mithilfe massiver Stellenstreichungen wieder wettbewerbsfähig werden. Die Deutsche Bahn (DB) kündigte am Donnerstag einen „Sanierungsplan“ an, 6200 von den derzeit rund 14.000 Stellen bei DB Cargo sollen wegfallen. Das betreffe fast alle Bereiche, etwa Fahrbetrieb, Disposition, Planung, Administration sowie Vertrieb und die IT. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) erklärte, zwar müsse das Unternehmen effizienter werden – sie werde aber „um jeden Arbeitsplatz kämpfen“.

Die DB Cargo schreibt seit Jahren rote Zahlen. Zum Problem für die Bahn wurde dies wegen eines EU-Wettbewerbsverfahrens: Die Kommission in Brüssel wertete die anhaltende Querfinanzierung von DB Cargo durch andere Konzernteile als Wettbewerbsverzerrung. Das Unternehmen muss deshalb aus eigener Kraft zurück in die Gewinnzone. Noch in diesem Jahr muss DB Cargo wieder schwarze Zahlen schreiben, sonst droht das Aus. Das operative Minus belief sich laut DB-Cargo-Chef Bernhard Osburg im vergangenen Jahr noch auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag.

Köln-Gremberg soll zum Hauptstandort werden

Die DB betonte am Donnerstag auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“, externe Gutachter hätten bestätigt, dass DB Cargo „grundlegend erneuert“ werden könne. Ziel sei, das Unternehmen „an den europäischen Wachstumsmärkten auszurichten, Strukturen zu verschlanken und so nachhaltig profitabel zu machen“. Das Gutachten ist demnach in der finalen Entscheidungsphase. Danach würden die Verhandlungen „zur konkreten Umsetzung“ beginnen – etwa auch zu einzelnen regionalen Standorten.

Für den Standort Köln können die Verhandlungen durchaus zukunftsweisend sein. Osburg plant, die sogenannte Zugbildung künftig an vier Hauptstandorten zu konzentrieren: dem Rangierbahnhof in Köln-Gremberg sowie den Anlagen in Seelze, Mannheim und Nürnberg. Fünf weitere Rangieranlagen sollen als nachgelagerte Standorte betrieben werden mit einer flexibleren Auslastung. Von derzeit 27 Instandhaltungswerken wiederum sollen zwölf geschlossen oder verkauft werden.

Wie viele Menschen hier aktuell beschäftigt sind, teilt DB Cargo auf Nachfrage nicht mit, ebenso wenig wie Details zu den Plänen am Standort Köln. Fakt ist aber: Insbesondere der Fachkräftemangel hemmt das Wachstum im Schienengüterverkehr. Ohne den Personalmangel könnten die Güterbahnen bis zu 50 Prozent mehr Aufträge annehmen, heißt es vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen. Die bei DB Cargo womöglich wegfallenden Arbeitsplätze könnten also innerhalb des DB-Konzerns umverteilt werden oder Beschäftigte könnten auf andere Unternehmen im Güterverkehr ausweichen. 

Osburgs Vorgängerin war mit ihrem Konzept gescheitert

DB Cargo wird seit Januar von Bernhard Osburg geführt, dem ehemaligen Chef der Stahlsparte von Thyssenkrupp. Er folgte auf Sigrid Nikutta, deren Sanierungskurs in einem externen Gutachten durchgefallen war und die im Oktober gehen musste. Die EVG kritisierte am Donnerstag, lange sei „blindes Kaputtschrumpfen“ als alternativloser Weg gesehen worden. Osburg betont, eine Strategie mit mittelfristiger Ausrichtung bis zum Jahr 2030 vorgelegt zu haben. Die gutachterliche Bestätigung wird für Ende Februar erwartet.

Ein Mann im Anzug

Bernhard Osburg, Chef der Bahn-Tochter DB Cargo, soll das Unternehmen wieder auf Kurs bringen.

Mit Osburg sei sich die EVG einig: „Cargo muss effizienter werden und Cargo kann wachsen.“ Das Sanierungsgutachten zeige, dass das Unternehmen „eben doch eine Zukunft als europäischer Marktführer im Schienengüterverkehr hat“. Über „den Weg dahin“ wird jetzt verhandelt. „Ich verspreche dem Arbeitgeber, dass das sehr harte Verhandlungen werden“, erklärte die stellvertretende EVG-Vorsitzende Cosima Ingenschay. Bevor ein großer Arbeitsplatzabbau starte, „erwarten wir, dass jeder Stein umgedreht und jede Maßnahme zur Steigerung der Effizienz geprüft wird“.

DB Cargo will eine Milliarde Euro einsparen

Weil die Nachfrage im Güterverkehr in Deutschland bei den Hauptkunden aus den Sektoren Auto, Chemie und Stahl immer schwächer wird, will Osburg den Fokus auf das europäische Ausland legen. „Wir richten Vertrieb, Planung, Disposition und Produktion deutlich stärker europäisch aus und bauen DB Cargo zum führenden europäischen Schienenlogistiker mit klaren, grenzüberschreitenden Systemlösungen aus“, betonte er.

Zudem will Osburg bis 2030 rund eine Milliarde Euro einsparen. Die Maßnahmen dafür umfassen unter anderem den Wegfall von 4000 Arbeitsplätzen, einer schlankeren Verwaltung sowie Produktivitätssteigerungen im Fuhrpark.

Weitere 2000 Stellen fallen im sogenannten Einzelwagenverkehr weg, der beibehalten, aber grundlegend neu aufgestellt werden soll. Das ist die dritte Säule im Konzept. Bei dieser Verkehrsart werden einzelne Wagen bei Industriekunden abgeholt und auf großen Rangierbahnhöfen zu langen Zügen zusammengestellt. Am Zielort werden sie wieder auseinandergenommen und die Waggons einzeln zum Endkunden weitertransportiert.

Osburg betont, dass das Geschäft im Einzelwagenverkehr auch in der neuen Struktur defizitär und die Bahn auf eine Förderung des Bundes angewiesen bleibe. Bis zum Sommer sollen weitere Details geklärt und das Konzept nach und nach in die Umsetzung gehen, so Osburg. Die neue Struktur im Einzelwagenverkehr soll bis 2027 umgesetzt werden. (mit dpa/afp)