Freitag und Samstag gibt es Warnstreiks im ÖPNV. Was das für Bus- und Bahnfahrende sowie den Berufsverkehr bedeutet.
Auswirkungen in KölnKVB und Co. streiken – Was Fahrgäste jetzt wissen müssen

Auch die Kundencenter der KVB sind geschlossen. Die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten zu einem 48-stündigen Warnstreik aufgerufen.
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Überblick zur Lage in Köln:
- Warnstreik der Gewerkschaft Verdi im ÖPNV hat begonnen – in Köln stehen Busse und Bahnen der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) still
- Es gibt nur einzelne Busfahrten von Subunternehmen; die Kundencenter sind geschlossen
- Auch die Linien 16 und 18 (mit Stadtwerke Bonn) fahren nicht
- S-Bahnen, Regional- und Regionalexpresszüge – etwa von Deutsche Bahn – sind nicht betroffen; KVB-Tickets gelten im VRS
- Mobilitätsgarantie der KVB ist während des Streiks ausgesetzt
- Gegen 8 Uhr blieb es auf Kölns Straßen trotz Streiks weitgehend entspannt, größere Staus auf Autobahnen blieben aus.
Seit Freitagmorgen (27. Februar) läuft der Streik der Gewerkschaft Verdi im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Fast ganz Nordrhein-Westfalen ist betroffen, in Köln steht die KVB still. Gegen 8 Uhr war es trotz des Streiks auf den Straßen relativ entspannt. Es gab keine größeren Staus auf den umliegenden Autobahnen. Nach Angaben der Polizei Köln haben sich zwar einige Unfälle im Stadtgebiet ereignet, aber der Sprecher geht nicht von einem erhöhten Aufkommen aus.
Der Warnstreik im Kölner ÖPNV macht sich auch im Taxigewerbe deutlich bemerkbar. „Wir haben definitiv mehr Anrufe als sonst“, sagt Borzoyeh Mohsenzadeh, Taxi-Ruf-Köln-Vorstandsmitglied. Neben den spontanen Fahrten bewältigt die Firma auch das Standardgeschäft mit Schülertransporten im Auftrag der Stadt Köln oder Krankenfahrten. Weil die KVB bestreikt wird und parallel mit der Dach und Holz International 2026 eine Messe läuft, sei die Personalplanung im Callcenter frühzeitig ausgeweitet worden. „Wir lassen niemanden im Regen stehen“, so Mohsenzadeh, „auch wenn heute die Sonne scheint.“

Der Taxi-Stand am Breslauer Platz in Köln: Der Streik im Nahverkehr hat begonnen – Busse und Bahnen fallen aus, Taxen warten auf Passagieren.
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Viele Fahrgäste hätten ihre Transfers zum Zug oder Flughafen bereits am Vortag reserviert, andere meldeten sich spontan. Gleichzeitig seien die Straßen in Köln spürbar voller als sonst – allerdings sei das an einem Freitag grundsätzlich keine Seltenheit, viele pendelten dann ohnehin mit dem Privatwagen. Wer nicht zwingend unterwegs sein müsse, bleibe eher zuhause, sagt Mohsenzadeh. „Aber wer fahren muss, nimmt unsere Dienste in Anspruch.“
Streik soll bis Samstagnacht andauern
Wie die Gewerkschaft Verdi am Anfang der Woche mitteilte, sollen die Beschäftigten in fast allen Bundesländern die Arbeit niederlegen. In zahlreichen kommunalen Nahverkehrsunternehmen dürften dadurch an den beiden Tagen so gut wie keine Busse und Bahnen fahren. Der Streik hat am Freitag in den frühen Morgenstunden begonnen und je nach Region bis in die Nacht auf Samstag oder Sonntag andauern.
„Dies bedeutet, dass ab Freitag, 3 Uhr, keine Stadtbahn-Fahrten der KVB stattfinden und nur die durch Subunternehmen durchgeführten Busfahrten erfolgen können“, teilten die Kölner Verkehrs-Betriebe hinsichtlich des Streikaufrufs mit Blick auf Köln am Dienstag mit.
KVB: Warnstreik trifft auch Kölner Nahverkehr
„Die stattfindenden Busfahrten einzelner Subunternehmer sind in der Fahrplanauskunft eingepflegt und werden am Ende dieser Seite als Minifahrpläne angezeigt“, hieß es weiter. Bei der Suche in der Auskunft sei es besser, statt der Abfahrtshaltestelle die eigene Adresse einzugeben, informiert das Unternehmen: „Dann werden einem auch andere stattfindende Fahrten in der Nähe angezeigt!“

Blick in den leeren Hauptbahnhof. Die Reisenden haben sich am Freitag auf den Streik der KVB eingestellt.
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Auch auf den Stadtbahn-Linien 16 und 18, die gemeinsam mit den Stadtwerken Bonn (SWB Bonn) betrieben werden, findet demnach kein Verkehr statt. Die Kundencenter und die Verkaufsstelle bleiben ebenfalls geschlossen, teilte die KVB mit. Der Betrieb der Deutschen Bahn, der Mittelrheinbahn und anderer Eisenbahnverkehrsunternehmen ist derweil nicht durch den Streik betroffen.
Warnstreik trifft auch KVB: Mobilitätsgarantie gilt nicht
KVB-Kunden können somit auf S-Bahnen, Regionalbahnen und Regionalexpressbahnen ausweichen. Innerhalb der räumlichen Geltungsbereiche im Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) gelten die KVB-Tickets auch in diesen Verkehrsmitteln. Als Alternative steht auch das KVB-Rad zur Verfügung. Die KVB weist zudem darauf hin, dass bei einem Streik die Mobilitätsgarantie des Unternehmens nicht gilt.
Der Warnstreik der KVB dürfte viele Kölnerinnen und Kölner an den 2. Februar erinnern – da blieben zuletzt Bahnen und Busse in den Depots. Trotz Dauerregen schnellte damals die Fahrradnutzung im Stadtgebiet auf historische Höchstwerte, berichtet der Verkehrsclub Deutschland (VCD) in Köln. An der Kalker Hauptstraße wurden 363 Prozent mehr Radfahrende gezählt als an einem durchschnittlichen Werktag, auf der Deutzer Brücke lag das Plus bei rund 230 Prozent, auf der Hohenzollernbrücke bei 132 Prozent.
Selbst zentrale Achsen wie Hohenzollernring, Venloer Straße und Neumarkt verzeichneten teils dreistellige Zuwächse. Während der Autoverkehr nur moderat zunahm, wich die Stadt sichtbar aufs Rad aus, heißt es vom VCD.
Verdi: „Arbeitgeber haben offenbar noch immer nicht verstanden“
Betroffen sind in ganz NRW laut einer Mitteilung von Verdi über 30 öffentliche Verkehrsunternehmen mit rund 30.000 Beschäftigten. „Die erste Verhandlungsrunde ist ohne Angebot der Arbeitgeber beendet worden, obwohl unsere Forderungen bereits seit November vorliegen. Wir erwarten, dass die Arbeitgeber in der zweiten Verhandlungsrunde auf unsere konkretisierten Forderungen eingehen und ein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen“, erklärte Heinz Rech, Verhandlungsführer von Verdi in NRW.
„Wenn wir die Arbeitsbedingungen nicht gemeinsam und grundlegend verbessern, wird sich der Personalmangel weiter verschärfen“, führte Rech aus. „Die Arbeitgeber haben offenbar noch immer nicht verstanden, dass Investitionen in einen funktionierenden ÖPNV notwendig sind, um sich zukunftssicher aufzustellen.“
Die Gewerkschaft ruft damit zum zweiten Mal in der laufenden Tarifrunde zu bundesweiten ÖPNV-Warnstreiks auf. Beim ersten Mal am 2. Februar waren die Auswirkungen groß: In weiten Teilen Deutschlands kam der öffentliche Nahverkehr nahezu komplett zum Erliegen. Die Liste der Städte, die in NRW von den Arbeitsniederlegungen betroffen sind, ist lang. Unter ihnen sind neben Köln Bonn, Düsseldorf, Essen, Münster, Krefeld, Herne, Gelsenkirchen, Bochum, Castrop-Rauxel, Moers, Wesel, Gütersloh und Bielefeld. Zu den wenigen Ausnahmen gehören Aachen und Paderborn, deren Kommunalbetriebe nicht unter den aktuell verhandelten Tarifvertrag fallen. (sbo/das/dpa)

