Deutz investiert Millionen in den Münchner Drohnenbauer Tytan Technologies. Der will seine Produktion auf 3000 Stück monatlich ausweiten. Welche Deutz-Technik dabei zum Einsatz kommt.
Rüstungsdeal in KölnDeutz investiert in die Rammdrohnen von Tytan

Deutz intensiviert sein Engagement in der Rüstungsindustrie. Auf die Beteiligung an Arx Robotics und den Kauf von Sobek folgt der Einstieg beim Drohnenbauer Tytan.
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Die Kölner Deutz AG stärkt ihre Rüstungssparte. Der Motorenbauer hat sich am Münchner Drohnenbauer Tytan beteiligt und darüber hinaus eine strategische Partnerschaft mit dem Start-up vereinbart. Tytan fertig sogenannte Interceptor Drohnen. Das sind Abfangdrohnen, die häufig automatisiert feindliche Drohnen erkennen, ansteuern und durch Rammen zum Absturz bringen. Dadurch werden die angreifenden Drohnen daran gehindert, ihr Ziel zu erreichen.
Wo kann Deutz sein Know-how einbringen?
Deutz will Tytan mit Antriebslösungen unterstützen. Mit der Deutz-Tochter Sobek verfügt das Unternehmen über einen Spezialisten für diese gewichts- und leistungsoptimierte Elektronik-Technologie. Tytans Systeme sind, anders als der Name vermuten lässt, eher klein. Die sogenannten Mini-Rammdrohnen können von mobilen Abschussrampen abheben, die etwa auf Pick-ups oder Lastwagen im Einsatzgebiet positioniert werden. Hierfür benötigen die Startsysteme eine robuste Stromversorgung. Auch die könnte in Zukunft in Zusammenarbeit mit Deutz entwickelt oder gar aus Köln bezogen werden.
Wie viel investiert Deutz?
Deutz engagiert sich nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ mit einem einstelligen Millionenbetrag bei Tytan. Insgesamt hat das Start-up in einer aktuellen Finanzierungsrunde 30 Millionen Euro von Investoren eingeworben. Offizielle Angaben zur Gesamtbewertung macht Tytan nicht. Branchenkenner gehen aber davon aus, dass das 2023 von zwei Studenten der TU München gegründete Unternehmen heute rund 100 Millionen Euro wert ist.
Zu den Geldgebern gehören der Nato Innovation Fund und der Münchner Risikokapitalfonds Armira. Mit der Finanzspritze und der Unterstützung von Deutz will Tytan die Serienfertigung seiner Drohnenproduktion aufbauen. Co-Gründer Balazs Nagy sprach davon, das Unternehmen wolle „die industrielle und technologische Grundlage für eine souveräne, KI-gestützte Luftverteidigungsarchitektur“ schaffen. Die Investoren stammen ausschließlich aus Europa. Das könnte für Tytan ein entscheidender Wettbewerbsvorteil werden. Denn einer der Konkurrenten, der Berliner Drohnenbauer Stark Defence, gehört teilweise dem US-Investor Peter Thiel, der dem extrem rechten Lager in der US-Politik zugerechnet wird.
Für wen produziert Tytan bisher?
Tytan hat sowohl einen Auftrag der ukrainischen Armee vorzuweisen, als auch einen des deutschen Beschaffungsamts. Das Unternehmen wurde beauftragt, Liegenschaften der Bundeswehr mit einem Drohnenabwehrschutz auszurüsten. Zunächst ist für dieses Jahr ein Demonstrator, also eine Art Prototyp des Systems geplant, um die Leistungsfähigkeit der Abwehrdrohnen zu zeigen. Aus dem Auftrag in niedriger zweistelliger Millionenhöhe könnten viele Folgeaufträge resultieren, hofft man bei Tytan.
Wo werden die Drohnen gebaut?
Produziert wird nahe München. Dort entsteht eine neue Fabrik mit Kapazitäten für bis zu 3000 Drohnen monatlich, wie das Unternehmen gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ erklärte. Die Zahl der Beschäftigten von Tytan wird im Zuge der Produktionsausweitung von 80 auf 150 ansteigen. Auch hier soll Kölner Know-how einfließen. Deutz hat angekündigt, den neuen Partner beim Hochlauf der Serienfertigung mit Wissen in der Montage und der Endabnahme unterstützen zu wollen.
Warum investiert Deutz in Rüstung?
Mit dem jüngsten Deal zeichnet sich auch immer deutlicher ab, welche Pläne Deutz mit seiner zu Jahresanfang gegründeten Business Unit Defense hat. Die ruht mittlerweile auf drei Säulen. Im Zentrum steht dabei die Tochter Sobek. Der Mittelständler aus dem badischen Heidelberg gehört seit September 2025 zu Deutz und liefert das Herzstück von Drohnen: ihre Antriebstechnik, inklusive Steuerungselektronik und der darauf abgestimmten Software. Deutz ließ sich den Zukauf eine niedrige dreistellige Millionensumme kosten.
Im Oktober folgte die erste strategische Partnerschaft mit Arx Robotics, einem Hersteller von unbemannten Militärfahrzeugen, etwa zum Auskundschaften von Terrain, zur Versorgung von Verwundeten im Einsatzgebiet, zum Transport von Material oder zu Minenräumeinsätzen. Das bislang letzte Puzzleteil, Tytan, vervollständigt das Bild. Deutz überzeugt bei seinen Partnern nicht allein mit Industrie-Know-how in der Serienfertigung. Das wäre auch im Automobilbau verfügbar.
Welche Rolle nimmt Deutz in der Rüstungsindustrie ein?
Die Kölner punkten darüber hinaus mit Komponenten, die für die Drohnenfahrzeuge – ob in der Luft oder am Boden –, entscheidend sind. Die Elektronik und die elektrische Motorisierung von Deutz lässt sich nämlich ideal mit den Stromgeneratoren, einem weiteren Geschäftsfeld von Deutz, kombinieren. Denn damit die Drohnen im Feld eingesetzt werden können, benötigen sie immer wieder Anlaufstellen, um ihre Batterien aufzuladen. Ganz ähnlich wie der Haushaltsroboter, den viele aus dem privaten Umfeld kennen. Weil im Frontgebiet häufig keine verlässlichen Stromnetze zur Verfügung stehen, sind die Drohnen-Basen mit Wechselbatterien bestückt, noch häufiger aber mit Generatoren auf Dieselbasis. Und damit kennt Deutz sich aus.

Tytan-Drohnen starten von relativ kleinen, mobilen Basen und können dadurch mobil eingesetzt werden – wenn die Stromversorgung gewährleistet ist.
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Was bedeutet der Deal für Köln?
Dass der Motorenbauer über ein weltweites Service-Netz verfügt und damit über die Fähigkeit, Ersatzteile kurzfristig zur Verfügung zu stellen, kommt als weitere Stärke hinzu. Die Deutz AG wiederum, die im klassischen Geschäft mit Motoren für Bau- und Landmaschinen kaum noch Wachstum erzeugen kann, hat mit dem Rüstungssektor ein attraktives Investitionsfeld identifiziert. Die jüngsten Partnerschaften zeigen, dass die Kölner sich dabei keineswegs den etablierten Rüstungskonzernen als Zulieferer andienen wollen, sondern im Start-up-Umfeld eine Rolle als strategischer Investor und möglicherweise auch als Plattformunternehmen anstreben, das selbst Industriestandards mitbestimmt und setzt.
Mit Arx und Tytan hat Deutz nun schon zweifach die Brücke nach München geschlagen und damit in Deutschlands stärksten Standort für Rüstungs-Gründungen. Weitere Kooperationen und Beteiligungen dürften folgen. Wenn das Unternehmen diesen Weg konsequent weiter geht, könnte neben Rheinmetall ein zweiter Rüstungshersteller von nationaler Bedeutung in NRW entstehen.

