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150 aus 150Rolf Dieter Brinkmann brach mit literarischen Traditionen

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Schriftsteller Rolf Dieter Brinkmann im Jahr 1969

Der Schriftsteller Rolf Dieter Brinkmann im Jahr 1969.

Durch Aufenthalte in London hatte der Schriftsteller die amerikanische Pop-Szene kennengelernt. Er mischte Lyrik und Songtexte mit Fotos und Zeichnungen.

Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im elften Teil der Serie geht es um den Schriftsteller Rolf Dieter Brinkmann.

Bedeutung

1962 kam Rolf Dieter Brinkmann ohne Schulabschluss und nach verschiedenen Job-Stationen nach Köln. Er bestand eine Begabtensonderprüfung und nahm ein Studium der Pädagogik auf, widmete sich aber fortan der Literatur. Er brach mit allen Vorstellungen von Prosa und öffnete sich anderen Kunstformen wie dem Film und multimedialen Happenings. Bis heute ist er Generationen von Lesern der Pop- und Rock-Generation durch seine Anthologien zur US-Underground-Literatur bekannt, vor allem durch den mit Ralf-Rainer Rygulla herausgegebenen Sammelband „Acid“. Die bunte Mischung von Lyrik, Songtexten, Experimentalliteratur, Fotos und Zeichnungen durfte in keinem 68er-, Nach- und Pseudo-68er-Haushalt fehlen.

Rolf Dieter Brinkmann im Jahr 1969

Rolf Dieter Brinkmann starb 1975 bei einem Unfall in London.

Brinkmann hatte die amerikanische Pop-Szene bei mehreren London-Aufenthalten kennengelernt. Anfang der 1970er Jahre zog er sich aus dem Literaturbetrieb zurück. Zunächst war er Gast in der Villa Massimo in Rom, wo deutschen Künstlern ein Auslandsaufenthalt ermöglicht wurde. Dann widmete er sich seinen „Materialienbänden“ mit Lyrik und Collagen und seinem Hauptwerk, Opus magnum Westwärts 1 & 2. Für dieses erhielt er posthum den Petrarca-Preis. 1975 wurde er in London von einem Auto überfahren.


Rolf Dieter Brinkmann

Geboren: 16. April 1940 in Vechta

Gestorben: 23. April 1975 in London


Wirken in Köln

Zu Beginn seiner Kölner Zeit arbeitete Brinkmann in der Universitätsbuchhandlung Witsch. Kurz vor seinem Tod trat Brinkmann beim Cambridge Poetry Festival mit den Worten auf: „I’m from Cologne. And Cologne is a dark industrial city. There is a little poetry in it every day. And this perhaps makes my poetry very simple.”

Bemerkenswert

Der Dichter und sein Werk sind noch vielfach Untersuchungsobjekte der Literaturwissenschaft. An Brinkmanns Geburtsort Vechta hält eine Stiftung die Erinnerung an ihn wach.

Spuren in der Stadt

1985 benannte die Stadt das seit 1971 vergebene Förderstipendium für junge Autorinnen und Autoren nach Brinkmann um. Im April 2026 erinnerte das Schauspiel Köln an den Schriftsteller und kündigte einen „wütenden, poetischen Streifzug durch das Köln der 1970er Jahre“ an, eine „kantige und zugleich überraschend schöne Hommage an einen kompromisslosen Autor und seine Stadt“.


Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.