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„Aktenzeichen XY“Kölner Polizei stellt ungelösten Mordfall an 16-Jähriger vor

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Die damals 16-jährige Seckin Caglar wurde am 16. Oktober 1991 Opfer eines brutalen Mordes.

Die damals 16-jährige Seckin Caglar wurde am 16. Oktober 1991 Opfer eines brutalen Mordes.

Die damals 16-jährige Seckin Caglar wurde am 16. Oktober 1991 in Köln-Poll Opfer eines brutalen Mordes. 

Mehr als 30 Jahre nach dem Mord an der damals 16-jährigen Seckin Caglar wenden sich die Ermittler der Kölner Cold-Case-Einheit am kommenden Mittwoch (25. Februar) in der ZDF-Fernsehsendung „Aktenzeichen XY...ungelöst“ an die Öffentlichkeit und erhoffen sich den entscheidenden Hinweis, um den Fall doch noch zu lösen. 

Die damals 16-jährige Seckin Caglar war am 16. Oktober 1991 nach der Arbeit auf dem Heimweg von ihrer Ausbildungsstätte in Köln-Poll. Gegen 18.40 Uhr stieg sie an der KVB-Haltestelle Poll Salmstraße in die Stadtbahnlinie 7 und verließ diese zwei Minuten später an der damaligen KVB-Haltestelle Poll Autobahn.

Dort sollte sie von einem Familienmitglied abgeholt werden, doch Vater und Tochter verpassten sich um wenige Minuten. Eine sofort eingeleitete Suche mit Polizisten, der Familie und Freunden blieb erfolglos. Am nächsten Morgen wurde die Leiche der jungen Frau nur wenige Meter von der Haltestelle entfernt in einem Gebüsch gefunden.

DNA-Reihenuntersuchung brachte bislang keinen Erfolg

Seckin Caglar wurde sexuell missbraucht und erdrosselt. Schnell stand fest, dass der Fundort auch der Tatort war. Doch wo und wann genau Seckin Caglar auf ihren Mörder traf, ist bis heute unklar. Die Ermittlerinnen und Ermittler gehen von einer Spontantat aus. Da am Tatort Spuren gefunden wurden, kennt die Polizei das DNA-Profil des Mörders. In der Datenbank gab es dazu jedoch keinen Treffer.

Im März 2023 wurde daher bereits eine groß angelegte DNA-Reihenuntersuchung gestartet, um mit neuen kriminaltechnischen Verfahren Übereinstimmungen zu finden. Dabei wurden 355 Männer, die 1991 in Poll gewohnt, gearbeitet oder sich aus anderen Gründen dort aufgehalten hatten, aufgefordert, eine Speichelprobe abzugeben. Die Namen der Männer hatte die Kölner Polizei aus den alten Ermittlungsakten rekonstruiert.

Parallel dazu machte die Ermittlungsgruppe mit Flyern in der Stadtbahnlinie 7 auf den Fall aufmerksam. Im Sommer 2025 teilte ein Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft mit, dass die Auswertung aller Speichelproben – auch von Personen, die eine freiwillige Abgabe verweigert hatten – negativ ausgefallen sei.

„Im Rahmen der DNA-Reihenuntersuchung haben wir viel örtliche Öffentlichkeitsarbeit gemacht, die bisher leider nicht zum Erfolg geführt hat“, sagt Cold-Case-Ermittler Markus Weber. „Täter, Mitwisser oder Zeugen könnten aber schon längst aus Köln weggezogen sein und durch die bundesweite Ausstrahlung der Sendung erreicht werden.“ Weber hofft darauf, dass vermeintlich unwichtige Details doch noch wichtig werden und einen Durchbruch in dem Fall bewirken könnten: „Oft wissen Zeugen gar nicht, wie wichtig auch kleinste Informationen sein können“, sagt er.

Für die Familie stellt die Ungewissheit auch nach mehr als 30 Jahren eine große Belastung dar. Seckins Bruder Basri sagte im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ im Jahr 2023: „Vielleicht melden sich auch jetzt noch Zeugen, die sich damals nicht getraut haben. Vielleicht hat irgendwer noch den entscheidenden Hinweis für die Polizei.“ Der Gedanke, sagt Basri Caglar, dass der Täter noch draußen herumlaufe, sei für ihn „beängstigend“.