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100 Jahre Karneval in Worringen„Die Grosse“ feiert ihren runden Geburtstag

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Auf einer Bühne stehen Mitglieder einer Karnevalsgesellschaft, im Vordergrund ein Tanzpaar in Aktion.

Auftritt des Worringer Funkenkorps bei der Jubiläumssitzung der Grossen Karnevalsgesellschaft im Worringer Vereinshaus mit Tanzmariechen Sabrina Gaugler und Tanzoffizier Stephan Nosbüsch

Ihr 100-jähriges Bestehen feierte die Grosse Karnevalsgesellschaft aus Worringen, die einst von Mitgliedern der „Dramatischen Vereinigung“ mitgegründet wurde. 

Die „Dramatischen“ und „Die Großen“: ein Theater-Karnevalisten-Gespann, das es in sich hat. 1923 gründete sich die Theatergemeinschaft, deren Mitglieder sich seinerzeit auch im Karneval engagierten. Die Folge: Empörung bei den Traditionalisten der schon bestehenden Worringer Karnevalsgesellschaften. Die „Etablierten“ gingen damals heftig gegen die Aktivitäten „karnevalsfremder“ Vereine vor, zu denen auch der Theaterverein gehörte.

Im Jahr 1926 gründeten Mitglieder der „Dramatischen Vereinigung“ mit einigen Außenstehenden eine neue Gesellschaft. Zur Gründungsversammlung waren 60 Personen erschienen – eine wahrhaft „große“ Runde. Die Grosse Karnevalsgesellschaft (GKG) war geboren. Die Wahl der Vereinsfarben „Rut-Wiess“, berichten Historiker, sei eine Anspielung auf die Eingemeindung Worringens nach Köln im Jahr 1922 gewesen, die das Ende des Worringer Eigenlebens vor den Toren Kölns besiegelte.

Jubiläumssitzung der „Großen Karnevalsgesellschaft“

Ein Jahrhundert später steht GKG-Präsident Dominik Jansen auf der Worringer Vereinshausbühne, ruft „Dreimol Wurringe Alaaf“ in den proppevollen Saal. Jansen leitet die Jubiläumssitzung zum 100-jährigen Bestehen der „Grossen“, wie Worringer die Karnevalsgesellschaft nennen. Das Programm: ein Mix aus Tradition und Moderne, mit Nostalgie-Nummern und rasanten Tänzen. Der Leitgedanke des Vereins seit der Gründung: das Sitzungsprogramm komplett mit Kräften aus den eigenen Reihen gestalten. Jansen ist der elfte Nachfolger von Gründungspräsident Mathias Meurer, der den Verein die ersten vier Jahre führte. Seit seinem Start in den „Goldenen Zwanzigern“ ist bei den „Rut-Wießen“ einiges passiert, erinnert sich Hans-Dieter Gruben, ehemaliger Vorsitzender der Dramatischen Vereinigung und Ehrenmitglied der Großen Karnevalsgesellschaft. „Mit Willi Beyes (Prinz Willi I.) präsentierte GKG 1928 ihren ersten Karnevalsprinz“, erzählt er. Auf Beyes folgten 14 weitere Herren im rot-weißen Prinzenornat. Früher wie heute stellt die GKG im sechs-Jahre-Rhythmus den Worringer Karnevalsprinz.

1946 findet die erste Mitgliederversammlung nach dem Krieg statt

Ende der 1920er Jahre brachte die beginnende Weltwirschaftskrise das noch junge Vereinsleben in Gefahr, sagt die Vereins-Chronik. Der letzte Höhepunkt vor Beginn des Zweiten Weltkriegs war die Prinzengestellung im Jahr 1935 durch Josef Hüsch als Prinz Josef I. Mit Kriegsbeginn 1939 endeten alle Vereinstätigkeiten. Erst 1946 fand die erste Mitgliederversammlung statt. Obwohl zu der Zeit offiziell alle öffentlichen Veranstaltungen in der britischen Besatzungszone, zu der auch Worringen gehörte, verboten waren, erhielt die GKG von der britischen Militärregierung eine Genehmigung zur Durchführung eines Maskenballs am Karnevalssamstag 1946. Aus heutiger Sicht ein kleiner Schritt für die britischen Besatzer; ein großer für den Wurringer Fastelovend.

Ein Schwarz-Weiß-Foto zeigt einen Karnevalswagen.

Die Große Karnevalsgesellschaft im Worringer im Rosenmontagszug 1948, dem ersten Nachkriegs-Rosenmontagszug im westdeutschen Raum, noch vor den Hochburgen Köln und Düsseldorf.

Natürlich waren die „Grossen“ 1948 beim ersten Nachkriegs-Rosenmontagszug im westdeutschen Raum mit von der Partie. Am höchsten Punkt Worringens stand ein Wagen des Nordwestdeutschen Rundfunks und übertrug live das Karnevalsspektakel im Kölner Norden. Im Gespräch erinnert GKG-Senatspräsident Wolfgang „Wuschel“ Jansen an die Gründung des bis heute einzigen Männertanzkorps im Worringer Karneval im Jahr 1950.

Neben dem Funkenkorps etablierte sich 1977 das Tambourkorps „Frisch Auf“, das heute unter dem Namen „Bundestambourcorps Frisch Auf Köln-Worringen“, weit über die Grenzen Kölns hinaus bekannt ist. 1980 folgte das Mädchentanzkorps „Dilldöppcher“, das im Gegensatz zu den Funken, auf moderne Showtänze setzte. Und 1985 das Kindertanzkorps und 1993 die Majorettengarde als weitere weibliche Tanzgruppen. Apropos weibliche Mitglieder. Erst ab 1987 konnten Frauen in der GKG offiziell Mitglied werde. Heute bestehe der Verein aus rund 200 Mitgliedern, berichtet Wolfgang Jansen, der als Interpret, Literat, Senatspräsident und als Prinz Wuschel I. die Grosse Karnevalsgesellschaft seit 40 Jahren kennt. Er stamme aus einer Worringer Karnevalsdynastie, sagt er. Nun führe seine Tochter Anne Nosbüsch das Familienerbe als erste Vizepräsidentin der Gesellschaft fort. Ein Novum in einhundert Jahren Vereinsgeschichte, wie er sagt. Eine weitere Besonderheit sei die gemeinsame Jubiläumsausstellung mit der KG Änze Kääls in der Worringer Filiale der Kreissparkasse Köln, die noch bis zum 10. Februar zu sehen ist. Auch die „Änze Kääls“ feiern in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag. Für Oktober planen beide Gesellschaften jeweils eine Jubiläumsveranstaltung im Worringer Vereinshaus.