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DrogenhotspotsAb April will die KVB nachts eine Kölner Haltestelle schließen

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26.03.2024, Köln: Drogenszene am Appellhofplatz rund um die U_Bahnstation.Foto:Dirk Borm

Die Abgänge zur U-Bahn-Station Appellhofplatz sollen in Zukunft nachts verschlossen sein.

Ein Konzept des Verkehrsunternehmens existiert seit fast zwei Jahren. Doch die finanzielle Unterstützung von Politik und Verwaltung fehlt.

Die U-Bahn-Haltestelle Appellhofplatz in der Kölner Innenstadt hat sich in den vergangenen zwei Jahren insbesondere abends und nachts zu einem Treffpunkt wohnungsloser und drogenabhängiger Menschen entwickelt. Sie übernachten auf den Zwischenebenen, auf den Bahnsteigen und auch in den Nischen zwischen Gleisen und Bahnsteigen sowie in den Tunnelmündern. Die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) beabsichtigen, diese Situation jetzt nicht mehr länger hinzunehmen, und planen deshalb, noch in diesem Jahr die sieben Abgänge von der Straße in die U-Bahn-Station zwischen 2 Uhr und 5 Uhr mit Toren zu versperren. Das soll unter anderem  verhindern, dass Menschen, die im Gleisbereich übernachten, in Lebensgefahr geraten, wenn frühmorgens der Bahnbetrieb startet.

Menschen sollen nicht aus den Kölner Haltestellen vertrieben werden

„Wir werden die Genehmigung der Technischen Aufsichtsbehörde einholen und wären voraussichtlich im April so weit, dass wir die Sperrung umzusetzen könnten“, sagte KVB-Sprecher Matthias Pesch auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“. Ob die Haltestelle tatsächlich bereits ab April nachts geschlossen wird, hängt allerdings auch davon ab, ob die Stadt Köln bis  dahin alternative Übernachtungsangebote zur Verfügung stellen kann. „Unser Ziel ist es nicht, Menschen zu vertreiben oder das Problem auf andere Haltestellen zu verlagern“, sagte Pesch. Daher werde die KVB die versuchsweise Schließung der Haltestelle erst umsetzen, sobald es begleitende Maßnahmen gebe, die sicherstellen, dass Menschen, die sonst nachts in der Haltestelle lagern, eine Anlaufstelle haben.

Das Verkehrsunternehmen hatte die Pläne zur Schließung der Haltestelle am Appellhofplatz nebst weiteren Lösungsansätzen bereits im Juni 2025 der Politik vorgestellt, aber für die Umsetzung bislang kein zusätzliches Geld erhalten. Nun will die KVB die Tore aus dem eigenen Etat finanzieren. Sollte das Pilotprojekt erfolgreich verlaufen, und würden deshalb in der Folge auch die weiteren Haltestellen in der Innenstadt nachts geschlossen, ließe sich das allerdings aufgrund der Größenordnung wohl nicht ohne Unterstützung aus dem städtischen Haushalt machen.

Politik und Verwaltung haben der KVB bislang nur eine geringe finanzielle Unterstützung gewährt, um die Sicherheit zu verbessern. Das hängt vor allem mit der desolaten Haushaltslage zusammen. Das Verkehrsunternehmen hatte 2024 das Konzept „KVB SOS (Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit)“ entwickelt. Darin enthalten war auch die Idee, die bestehenden drei Teams aus Fahrkartenkontrolleuren, Sicherheits- und Servicekräften aufzulösen und daraus ein neues, großes Team aus „Fahrgastmanagern“ zu bilden.

Seit dem 1. Januar dieses Jahres wird diese neue Struktur nach und nach eingeführt. Somit stehen künftig insgesamt 188 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Verfügung, die sich sowohl um die Fahrkartenkontrolle als auch um die Sicherheit und Sauberkeit an den Haltestellen und in den Bussen und Bahnen kümmern. Sie sind in sechs feste, kleinere Teams unterteilt, die jeweils in einem bestimmten Bezirk in Köln unterwegs sind. Das soll einerseits ihre eigene Identifikation mit der Aufgabe verbessern und andererseits dafür sorgen, dass die KVB-Kunden jeden Tag auf dieselben Mitarbeiter treffen.

38 neue Mitarbeiter für SOS-Konzept

Damit die Fahrgastmanager zumindest in der Innenstadt durchgängig – also 24 Stunden pro Tag, sieben Tage die Woche – sein können, müsste die KVB allerdings 38 weitere Stellen schaffen. Das würde pro Jahr zusätzlich 2,5 Millionen Euro kosten. Geld, das die KVB nach Ansicht des  Vorstands nicht im eigenen Etat einsparen kann. Es müsste also aus dem städtischen Haushalt kommen. Würde die KVB das 24/7-Prinzip stadtweit umsetzen, wären sogar 80 zusätzliche Stellen notwendig, was rund fünf Millionen Euro pro Jahr kosten würde.

Das frühere Ratsbündnis aus Grünen, CDU und Volt hat zur Umsetzung von „KVB SOS“ im April 2024 einmalig 1,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Es handelte sich um bis dato nicht genutztes Geld aus dem Programm „Abbau von Angsträumen“. Da sich mit dieser Summe keine 38 zusätzlichen Stellen schaffen ließen und auch keine Aussicht darauf bestand, die zusätzlichen Mitarbeiter dauerhaft zu beschäftigen, flossen die 1,5 Millionen Euro schließlich in ein anderes Projekt. KVB und Stadtverwaltung einigten sich darauf, damit die Ende 2023 eingeführte zusätzliche Bestreifung an den Drogenhotspots Ebertplatz und Neumarkt zu finanzieren.

KVB-Chefin hofft auf neuen Stadtrat

Die Politik hat sich seitdem nicht mehr um das Thema Finanzierung gekümmert. Das Konzept „KVB SOS“ ist deshalb bis heute nur zu einem Teil umgesetzt worden. Und sowohl im vergangenen Jahr als auch in diesem Jahr muss die KVB die zusätzliche Bestreifung an den beiden Hotspots aus dem eigenen Budget bezahlen und dafür an anderer Stelle –also beim Fahrbetrieb und Personal – sparen. Dem Vernehmen nach bestanden die politischen Vertreter im Aufsichtsrat zwar darauf, die Bestreifung auch 2026 fortzusetzen, zusätzliches Geld sollte die KVB dafür aber nicht erhalten. Wie es 2027 damit weitergehen soll, ist noch unklar.

„Wir gehen davon aus, dass das Thema Sicherheit und Sauberkeit auch für die Politik ein wichtiges Thema ist und dass der neue Rat der Stadt Köln in 2026 Lösungen finden und beschließen wird“, sagte KVB-Chefin Stefanie Haaks auf Anfrage. Das schließe sowohl die KVB-Haltestellen als auch deren Umfeld mit ein. „Selbstverständlich leisten auch wir unseren Beitrag dazu im Rahmen unserer wirtschaftlichen Möglichkeiten“, sagte Haaks. Diese sind allerdings sehr überschaubar. 2024 erzielte die KVB einen Verlust von 185 Millionen Euro, eine Verbesserung des Ergebnisses ist weder für 2025 noch für 2026 zu erwarten. Hinzu kommt, dass das Unternehmen neue Stadtbahnen kaufen muss, um ältere Fahrzeuge zu ersetzen. Alleine 132 neue Hochflurbahnen (die Eisenbahnen ähneln und aufgrund ihrer Konstruktion Bahnsteige mit einer Höhe von 90 Zentimetern benötigen) kosten 700 Millionen Euro.