Das WDR-Gelände soll entwickelt werden. Die Bezirksvertretung Ehrenfeld fordert, dass die Stadt es kauft, um eine Zerstückelung zu verhindern.
Produktionsgelände in BocklemündEhrenfelder Lokalpolitiker fordern Ankauf des WDR‑Geländes

Nicht ausgelastet: Der WDR möchte das Gelände am Freimersdorfer Weg bis 2035 verkaufen.
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Nahe Bocklemünd werden 300.000 Quadratmeter frei. Eine Riesenfläche, auf der nun alles Mögliche entstehen kann. Aber dass die Zukunft des WDR-Geländes, das der Sender wegen mangelnder Auslastung bis 2035 verkaufen möchte, „einen erheblichen Einfluss auf die gesamte Ausrichtung des Stadtbezirks“ haben wird, steht für die Ehrenfelder Bezirksvertreter bereits fest. Anders als der Stadtrat, der noch überlegt, wie er die Entwicklung auf dem Gelände am Freimersdorfer Weg am besten steuern könnte, traf die Bezirksvertretung (BV) nun eine Entscheidung: Die Stadt soll das Areal ankaufen, um einer Zerstückelung durch eine Vielzahl von Projekten privater Investoren vorzubeugen und eine einheitliche Entwicklung auf den Weg zu bringen.

Luftaufnahme des WDR-Produktionsgeländes in Bocklemünd. (Archivbild)
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Gegen einen entsprechenden gemeinsamen Antrag von Grünen, SPD und Die Linke sprach sich auf der jüngsten BV-Sitzung lediglich die AfD-Fraktion aus, CDU und FDP enthielten sich der Stimme. Die Antragsteller betonen, dass das Areal mit Geldern der Bürger gekauft worden sei und „in öffentlicher Kontrolle bleiben“ müsse. Ein „breites Spektrum“ an möglichen künftigen Nutzungen schließen sie ausdrücklich nicht aus: Wohnquartiere könnten dort entstehen, Erholungs-, Freizeit- und Sportangebote angesiedelt werden, heißt es in dem Antrag. Aber auch Einrichtungen des Gesundheits- oder Bildungswesens, oder Gewerbetriebe.
Wohnquartier nur mit besserer ÖPNV‑Anbindung möglich
Die Zukunft des Geländes hängt womöglich auch von der Entwicklung des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) ab. Denn „ein isoliertes Wohnquartier“, so Bezirksbürgermeister Volker Spelthann, könne niemand wollen. Wenn dort Wohnungen gebaut werden, muss also eine ausreichende ÖPNV-Anbindung garantiert sein. Dafür reichen die beiden Buslinien, die derzeit am WDR-Gelände halten, wohl nicht aus. Anders sähe es mit der geplanten Verlängerung der Linie 4 von Bocklemünd nach Widdersdorf – und weiter nach Niederaußem – aus. Die dürfte dann aber nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. Darüber würden sich auch viele Bewohner der Neubaugebiete in Widdersdorf freuen.
Als Haltepunkt der Linie wäre das jetzige WDR-Areal gesetzt. Die genaue Lage hängt aber möglicherweise von einem weiteren Großprojekt ab, dem Ausbau der S-Bahnstrecke 6 zwischen Köln und Mönchengladbach. „Mittelfristig“ soll die S-Bahn im 20-Minuten-Takt fahren. Dafür werden nicht nur neue Gleise verlegt, auch neue Bahnhöfe sollen gebaut werden.
Schon seit Längerem ist in diesem Zusammenhang der Wiederaufbau des alten Bocklemünder Bahnhofs nahe der Kreuzung Venloer Straße/Freimersdorfer Weg vorgesehen. Spannend ist nun die Frage, ob der Bahnhof so positioniert werden kann, dass er gleichzeitig den alten Ortskern von Bocklemünd und ein mögliches neues Wohn- und Gewerbegebiet auf dem WDR-Gelände anbindet. Zuständig ist die DB Infra Go, ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn: „Günstig wäre es aus unserer Sicht, wenn der Bahnhof nördlich des Bahnübergangs am Freimersdorfer Weg läge“, sagt Volker Spelthann. Von dort könnten Bahnreisende das Zentrum des Stadtteils, das Gewerbegebiet Biocampus und möglicherweise auch ein neues Wohngebiet auf dem jetzigen WDR-Gelände erreichen. Dann wäre eine attraktive Verbindung der S-Bahn- und KVB-Haltepunkte denkbar.
Im Übrigen, so Spelthann, sei der Ausbau der S-Bahn-Strecke keine reine Zukunftsmusik mehr: „Der Bund hat inzwischen seine finanzielle Unterstützung zugesagt.“

