Kölns Schwimmbäder sind stark nachgefragt. Jetzt stellt der Bund insgesamt 250 Millionen Euro zur Sanierung bereit. Das könnte der Stadt helfen.
Förderprogramm des BundesKöln hofft auf Finanzspritze für marode Schwimmbäder

Das Agrippabad in der Kölner Innenstadt ist aktuell geschlossen und muss umfangreich saniert werden.
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Wer sein Kind in Köln zu einem Schwimmkurs schicken möchte, muss sehr großes Glück haben, einen Platz zu ergattern. Die meisten Angebote sind kaum zur Anmeldung freigeschaltet, da kommt auch schon der Hinweis: ausgebucht. Immer wieder klagen Eltern darüber. Es mangelt an freien Zeiten in Schwimmbädern und an ausgebildetem Lehrpersonal.
Alle Hoffnungen auf das Schulschwimmen zu setzen, ist ebenfalls nicht hilfreich, denn auch hier haben die knappen Wasserflächen in der Stadt Auswirkungen. Fünf von neun Lehrschwimmbecken an Kölner Schulen sind aktuell geschlossen. Um überhaupt im Unterricht schwimmen zu können, müssen Schülerinnen und Schüler teilweise weite Wege zurücklegen. Entsprechend kurz ist dann ihr Aufenthalt in der Schwimmhalle.

Im Schwimm-Leistungszentrum an der Deutschen Sporthochschule gibt es das einzige Indoor-50-Meter-Becken von Köln.
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Lernt das Kind dennoch, sich über Wasser zu halten und zeigt womöglich sogar Talent, wird es nicht besser. Die Kölner Schwimmvereine, die Leistungssport anbieten, kämpfen ebenfalls erbittert um Trainingszeiten. Eine Indoor-50-Meter-Bahn gibt es in Köln nur im Leistungszentrum an der Deutschen Sporthochschule Köln.
Seit Januar ist mit dem Agrippabad in der Innenstadt auch noch das meistbesuchte Kölner Schwimmbad geschlossen. 2024 schwammen hier 309.139 Badegäste, 40.128 Schülerinnen und Schüler sowie 38.592 Vereinsschwimmer. Die nötige Sanierung des Agrippabads konnte nicht wie geplant starten, da die Schäden nach Angaben des Betreibers, der städtischen Kölnbäder, größer seien als angenommen. Bislang waren 22,3 Millionen Euro Sanierungskosten angesetzt worden, eine aktuelle Kostenschätzung gibt es nicht.
Für kommunale Schwimmbäder gibt es jetzt ein Förderprogramm
Hilfe könnte jetzt vom Bund kommen, der ein neues Förderprogramm aufgelegt hat, das 250 Millionen Euro gezielt für die Sanierung kommunaler Schwimmbäder bereitstellt. Die Mittel sind im Wirtschaftsplan des „Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität“ verankert. Bis zum 19. Juni läuft ein Interessenbekundungsverfahren, in dessen Rahmen Kommunen Projekte einreichen können. Die Kölner Bundestagsabgeordnete Sanae Abdi (SPD) sagt: „Ich erwarte, dass Köln sich um diese Mittel bewirbt und die Möglichkeiten des Programms konsequent nutzt. Unsere Bäder sind wichtige Orte im Alltag vieler Menschen. Sie stehen für Bewegung, für Begegnung und für Sicherheit im Wasser.“

Die Kölnerin Sanae Abdi ist Abgeordnete der SPD im Deutschen Bundestag.
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Im neuen Förderprogramm des Bundes sehe man „eine wichtige Chance, die kommunale Bäderinfrastruktur zukunftsfähig weiterzuentwickeln“, teilte eine Sprecherin der Kölnbäder mit. Grundsätzlich bestehe daher Interesse, sich um die Förderung zu bewerben. Abgesehen vom Agrippabad gebe es auch an weiteren Standorten perspektivisch Sanierungsbedarf. „Eine belastbare Gesamtsumme für die vollständige Modernisierung aller Anlagen lässt sich jedoch noch nicht seriös beziffern“, sagt die Sprecherin.
Gibt es auch Gelder für Kölner Lehrschwimmbecken?
Nach Angaben eines Sprechers der Stadt bestehe auch die Möglichkeit, das Sanierungsvorhaben Waldbad Dünnwald beim neuen Schwimmbäder-Förderprogramm anzumelden, falls es beim Förderprogramm für kommunale Sportstätten im Rahmen der sogenannten „Sportmilliarde“ nicht zum Zug kommt. Elf möglicherweise förderfähige Projekte mit prognostizierten Gesamtkosten von insgesamt rund 30 Millionen Euro hatte die Verwaltung dort angemeldet. Ob Gelder aus dem Schwimmbad-Förderprogramm auch für Lehrschwimmbecken an Schulen beantragt werden können, werde geprüft.
„Für das Agrippabad laufen derzeit die vertiefenden Planungen zur notwendigen Sanierung in enger Abstimmung mit Fachplanern und unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes“, teilte die Kölnbäder-Sprecherin auf Anfrage mit. Ziel sei es, „bis Mitte des Jahres belastbare Aussagen zu Kosten und Zeitplan treffen zu können“. Die Arbeiten für eine temporäre Wiedereröffnung schreiten nach Angaben der Sprecherin voran. Diese sei nach aktuellem Stand für Ende Juni vorgesehen.
Ehemaliger Kölner Schwimm-Weltmeister Rainer Henkel übt Kritik
International sorgte ein Kölner Schwimmer zuletzt in den 1980er Jahren für Furore: Rainer Henkel vom SV Rhenania wurde 1986 Doppel-Weltmeister und 1987 Europameister. Bei den Olympischen Spielen gewann er mit der deutschen Staffel 1984 Silber und 1988 Bronze. Inzwischen ist Henkel 62 Jahre alt, Vater von vier Söhnen und als Bauunternehmer in Köln tätig. Er wünscht sich mehr Unterstützung für den Leistungssport Schwimmen: „Die Stadt sollte lieber zunächst die sportliche Basis stärken, bevor man über olympische Großereignisse nachdenkt.“

Rainer Henkel ist ehemaliger Schwimm-Weltmeister aus Köln.
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Vereinen stehe das einzige 50-Meter-Becken an der Sporthochschule nur sehr eingeschränkt zur Verfügung, zudem werde das Bad jedes Jahr für mehrere Wochen wegen Renovierungs- oder Wartungsarbeiten geschlossen. Henkel sagt: „Weder der Sportausschuss der Stadt Köln noch die Verantwortlichen der Sporthochschule oder die Stadtspitze scheinen hier ernsthaft Handlungsbedarf zu sehen.“ Köln verliere zunehmend den Anschluss. „Umso befremdlicher wirkt es, wenn gleichzeitig über eine mögliche Olympiabewerbung gesprochen wird.“
Das Schwimmzentrum der Deutschen Sporthochschule Köln stelle der Stadt Köln mehr als 40 Prozent seiner Nutzungszeiten für den Schul- und Vereinssport zur Verfügung, sagt Ansgar Thiel, der Rektor der Sporthochschule: „Entsprechend werden die Betriebskosten partnerschaftlich zwischen der Stadt Köln und der Sporthochschule getragen.“ Darüber hinaus erhalte auch der Schwimmverband NRW feste Nutzungszeiten. Ziel sei es, sowohl den Breiten- als auch den Leistungssport bestmöglich zu unterstützen. Unvermeidbare Schließzeiten würden konsequent auf das notwendige Minimum reduziert.
Wenn Talente nicht zusammen und gegeneinander trainieren, funktioniert das nicht, dann vergeuden Sportler und Eltern nur ihre Zeit, der Erfolg bleibt aus.
Am Ende kommen in Kölns Schwimmbädern jedoch immer alle zu kurz. Für den Leistungssport sei das dramatisch, sagt Henkel: „Wenn Talente nicht zusammen und gegeneinander trainieren, funktioniert das nicht, dann vergeuden Sportler und Eltern nur ihre Zeit, der Erfolg bleibt aus.“ Die Kölner Schwimmvereine seien aber so darauf konzentriert, für die eigenen Athletinnen und Athleten Wasserzeiten zu ergattern, dass eine vereinsübergreifende Zusammenarbeit nicht stattfinde.
Oliver Seeck (SPD), der Vorsitzende des Sportausschusses, sieht die oberste Priorität aktuell beim Erhalt des Agrippabades. Die Stadt sei vorbereitet, sich um die Förderung des Bundes zu bewerben. Wichtig sei perspektivisch aber auch, neue Schwimmbäder zu bauen: „Wir kommen mit der Wasserfläche in Köln nicht hin.“

Oliver Seeck (SPD) ist Vorsitzender des Sportausschusses.
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Den Wunsch von Rainer Henkel, leistungsstarken Schwimmern in Köln eine Chance zu geben, optimal zu trainieren, unterstütze er, sagt Seeck, verweist aber auf die Selbstverwaltung der Vereine, die über den Ortsverband Kölner Schwimmvereine (OKS) eigenständig die Wasserzeiten verteilen. Er setze darauf, dass dort bestehende Unstimmigkeiten ausgeräumt werden können.
Kritik an der Olympiabewerbung weist Seeck zurück. Er sieht darin eine große Chance für den Ausbau der Kölner Sportinfrastruktur. Sanierte oder neue Schwimmbäder gebe es mit der Bewerbung eher als ohne, sagt er. Und das Geld, das die Stadt für die aktuell laufende Bürgerbefragung ausgebe, sei eine Investition in die Demokratie: „Es entscheiden alle Bürgerinnen und Bürger und eben nicht nur der Stadtrat.“


