Das Ordnungsamt kontrolliert an Karneval nicht, ob Kneipen aus allen Nähten platzen. Das geht so lange gut, bis es schief geht.
Kölner KarnevalWer Blumenkübel kontrolliert, kann sich auch um überfüllte Kneipen kümmern


Volle Kneipen gehören an Karneval dazu. Doch ab wann ist voll zu voll? (Symbolbild)
Copyright: Michael Bause
Ohnmächtige Gäste, die aus dem Fenster gerettet werden. Besucher, die flüchten, weil sie Angst haben, zu stolpern oder keine Luft mehr zu bekommen: Das mögen Extrembeispiele sein. In vielen Kneipen und Bars in der Stadt kann man auch an Karneval durchaus ausgelassen und sicher feiern. Dass aber zahlreiche Lokale an den Tollen Tagen weit über jegliche offizielle Kapazitätsgrenzen hinaus gefüllt sind, ist für niemanden ein Geheimnis, der den Kölner Kneipenkarneval einmal erlebt hat.
Schlimmes ist bislang nicht passiert. Zum Glück. Das konnten bis vor wenigen Tagen allerdings auch die Betreiber des Clubs in der Schweiz behaupten, in dem dann 40 Menschen im Feuer starben; das konnten einst die Loveparade-Veranstalter sagen, bevor die Massenpanik mit zahlreichen Toten in die Geschichte einging.
Es geht nicht darum, Panik zu verbreiten oder Gastronomen und Feierende zu gängeln. Karneval ist schließlich Grenzüberschreitung. Doch auch die muss dort enden, wo es für Menschen gefährlich wird.
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Die Stadt sieht die Wirte in der Verantwortung. Das ist zu einfach. Denn mit demselben Argument könnte man fragen: Wofür dann eine Feierzone im Grüngürtel? Wofür Kontrollen von Alkoholverkauf in Kiosken? Wofür überhaupt ein Ordnungsamt? Wenn Eigenverantwortung allein reichen würde, bräuchte es keine Ordnungsbehörden. „Wer ein Problem sieht, kann es melden“, heißt es. Aber welcher alkoholisierte, feiernde Jeck, der mitten im Trubel steckt, kommt auf die Idee, in einer vollen Bar das Ordnungsamt anzurufen?
Von einer Stadt, die in der Lage ist, Gastronomien auf die falsche Position ihrer Terrassenblumenkübel hinzuweisen, kann man erwarten, dass sie an Karneval stichprobenartig prüft, ob Situationen in Kneipen gefährlich werden können. Allein solch eine Ankündigung könnte bereits ein paar mehr Betreiber daran erinnern, dass auch Jecke Luft zum Atmen und im Notfall offene Fluchtwege zu schätzen wissen. Es muss nicht erst brennen, damit Probleme sichtbar werden.


