Weiberfastnacht galt lange als Tag der Frauen. Doch spielt das noch eine Rolle? In Köln berichten Frauengruppen, was der Tag für sie heute ausmacht.
Weiberfastnacht in KölnFrauen erzählen, was der Tag für sie bedeutet

Als Quallen und Hippies verkleidet zieht die Mehrgenerationengruppe vom Bahnhof zum Tanzbrunnen und meidet die Männer.
Copyright: Charlotte Groß-Hohnacker
Sie tragen Fell an den Waden, Leder um die Hüften und eine Wolfsmaske auf dem Kopf. Die Idee für das Kostüm der Wikinger-Kriegerinnen kam von Corinna Grebe. Ihre drei Freundinnen haben dann sofort mitgemacht. „Wir hatten im letzten halben Jahr einige Herausforderungen. Jetzt zeigen wir: Wir sind stark. Deshalb sind wir heute Kriegerinnen.“
Seit 15 Jahren kommen Corinna, Evelina, Jolanta und Oksana gemeinsam nach Köln – an Weiberfastnacht und am Elften im Elften. Eine Patchwork-Freundschaft, wie sie sagen: zusammengewürfelt, kennengelernt haben sie sich über ihre Kinder und Benefizveranstaltungen. Sie halten zusammen, achten aufeinander. Die wichtigste Regel für den Tag: „Keiner geht allein nach Hause.“

Die Freundinnen feiern seit 15 Jahren gemeinsam in Köln, dieses Mal als Wikinger-Kriegerinnen.
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Der Ursprung der Weiberfastnacht reicht ins Spätmittelalter zurück. Damals gerieten die starren Geschlechterrollen für einige Tage ins Wanken. Ehefrauen widersetzten sich ihren Männern. Fest verankert wurde der Brauch im 19. Jahrhundert durch den Aufstand der Wäscherinnen in Bonn-Beuel. Als Protest trafen sie sich zum Kaffeeklatsch, während ihre Männer in Köln Karneval feierten.
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Ulrike Winkens (r.) kehrt jedes Jahr aus der Moselregion nach Köln zurück, um mit Tochter und Freundinnen zu feiern.
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Wer am Donnerstag vor Aschermittwoch 2026 durch die Kölner Straßen rund um den Dom zieht, sieht jedoch längst nicht mehr nur Frauengruppen. „Früher hatte das mehr Bedeutung, Krawatten abschneiden, Männer hatten auf der Straße nichts zu suchen. Heute geht es einfach darum, Spaß zu haben und den Alltag zu vergessen und egal mit wem zu feiern“, sagt Ulrike Winkens. Sie ist in Köln geboren, lebt inzwischen an der Mosel, aber zu Karneval kommt sie immer zurück. Dieses Mal mit Tochter und Freundinnen. Und auch wenn der Ursprung von Weiberfastnacht für sie keine Rolle mehr spielt, ihre Männer bleiben trotzdem an der Mosel.
Kein Platz für die Männer
So sehen es viele Frauen an diesem Tag: Weiberfastnacht „gehört“ den Frauen? Für die meisten ist das kein Thema mehr. Krawatten abschneiden oder Rathaus-Sturm? Das passiert vielleicht noch in ihren Heimatstädten, auf dem Alter Markt, Heumarkt oder vor dem Dom spielt das aber keine Rolle mehr. Trotzdem: Männer haben in den Frauengruppen selten Platz. „Die müssen uns heute Abend abholen“, sagt Carolin Burmann.

Die sechsköpfige Leoparden-Gruppe aus der Region Gießen genießt das Feiern unter Frauen in der Kölner Altstadt.
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Ihre sechsköpfige Gruppe trägt Leopardenmuster. „Nur unter Frauen unterwegs zu sein, macht Spaß. Man fühlt sich in die Jugend zurückversetzt“, sagt Burmann. Sie und ihre Freundinnen kommen aus der Region Gießen und genießen es, schnell mit anderen ins Gespräch zu kommen. Prompt fragt eine Frau, ob jemand eine Karte fürs Brauhaus benötige. Die Gruppe lehnt ab, denn sie will weiter in die Altstadt.

Ruth Blok (hinten) und ihre Freundinnen feiern seit Kindheitstagen gemeinsam – heute als Astronautinnen in Köln.
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Ruth Blok und ihre Freundinnen tragen Astronautinnen-Kostüme. „Seit wir aus den Windeln sind, feiern wir gemeinsam.“ Am Elften im Elften und an Weiberfastnacht. „Krawatten schneiden wir keine mehr ab. Aber Bützchen verteilen wir, wenn es passt.“ Warum Köln? „Weil es dann noch nicht so voll ist und weil es Tradition ist.“ Schon ihre Eltern haben sich am Donnerstag in Cafés getroffen zum Feiern. Blok hat einen Niederländer geheiratet, der mit Karneval wenig anfangen kann. „Dafür habe ich ja Nicole und Biggie“, sagt sie.

Die Frauengruppe aus Mülheim an der Ruhr erlebt zum ersten Mal Weiberfastnacht am Kölner Dom, bevor es weiter zum Tanzbrunnen geht.
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Vor dem Hauptbahnhof stehen „die sechs Blumenwiesen“ aus Mülheim an der Ruhr. Erst sammeln, dann geht es weiter zum Tanzbrunnen. Fünf von ihnen treffen sich seit mehr als 35 Jahren zum Frauen-Stammtisch. Das Krawattenschneiden kennen sie noch aus der Firma. „Bis die Chefs es verboten haben.“ Von Köln erhoffen sie sich mehr Verständnis für ihren Humor.

Alexa Becht (v.l.), Jill Marx und Lara Strassl starten am Dom in den Tag. Karneval verbindet sie schon seit der Schulzeit.
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Alexa Becht, Jill Marx und Lara Strassl sind zwar jünger als die Frauen aus Mülheim an der Ruhr, aber auch sie treten als Blumenwiesen auf und starten ihren Tag am Dom. Weiberfastnacht hält ihre Freundschaft zusammen: Kostümideen entwickeln, mit viel Heißkleber basteln, zusammen feiern. „Durch Beruf, Familie und alles, was ansteht, sehen wir uns nicht mehr so oft wie früher. Aber das hier verbindet uns“, sagen sie. In den vergangenen Jahren waren sie Paulchen Panther, Meerjungfrauen, Clowns und Barbie. Die Blumen für dieses Jahr haben sie über mehrere Tage verteilt aufgeklebt. „Das hat Blasen an den Fingern gekostet. Und wir mussten nachbestellen. Es fehlte immer irgendwo eine.“
Niemand geht allein, Getränke nicht aus den Augen lassen
Auch Lina Verdonschot, Hanna und Chantal Tepaß sowie Christin Imgrund kennen sich seit der Schulzeit und aus dem Spielmannszug. Zwei sind heute Schwägerinnen. „Früher war Altweiber bei uns klar der Tag für die Frauen“, erzählt Christin. Dieses Jahr feiern sie zu viert. Der große Familienauftritt folgt Rosenmontag: die vier Frauen als Dompteurinnen, ihre Kinder als Zirkustiere, die Männer als Zirkusdirektoren.

Lina Verdonschot (v.l.), Hanna und Chantal Tepaß, Christin Imgrund feiern Weiberfastnacht unter sich. Rosenmontag treten sie als Zirkusfamilie mit Kindern und Männern auf.
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Es ist ihr erstes Karnevalsjahr mit Kindern zu Hause. „Da denkt man mehr über Sicherheit nach.“ Übergriffe, K.-o.-Tropfen, darüber haben sie vorab diskutiert, sogar Armbändchen erwogen. „Aber wie viele soll man mitnehmen?“ Die könne man schließlich nur einmal verwenden, um festzustellen, ob im Getränk K.-o.-Tropfen sind. Am Ende verzichten sie darauf. Ihre Strategie: Niemand geht allein, Getränke werden im Blick behalten. Das gehört für sie dazu, wenn Frauen feiern gehen. Täter unterscheiden auch nicht zwischen Weiberfastnacht und Rosenmontag.

Der Tee-Klub aus Ostfriesland tauscht Tee gegen Kölsch.
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Eine Gruppe aus Ostfriesland steht eng unter dem Dach eines Bierwagens auf dem Alter Markt. Der „Tee-Klub“ hat Tee gegen Kölsch getauscht. Trotz Regen gefällt es ihnen. Vor allem die Kostüme. Eine der Frauen zeigt auf zwei Männer mit Gießkannen auf dem Kopf. An Faschingsdienstag läuft die Gruppe sonst im eigenen Dorf mit. Der Trip nach Köln ist ein Geburtstagsgeschenk für eine große Karnevalsfreundin. „Seit Kindertagen. Ich habe immer den Zug im Fernsehen verfolgt“, sagt sie.
„Die wilden 13“ ziehen als Quallen vom Bahnhof zum Tanzbrunnen. Praktisch fürs Wetter: große Schirme als Kostüm. Männer meiden sie heute. Sie feiern als Mehrgenerationengruppe: Freundinnen, Mütter, Töchter, Nichten. Gemeinsam haben sie die Kostüme gebastelt und kölsche Lieder gehört. „Das verbindet“, sagt Gisela Adam, die die Gruppe heute beisammenhält. Auch über die Generationen hinweg.

