Im Januar hatte Yosef Bakir den Kölner Dom aus Sand nachgebaut. Jetzt hat Biergarten-Inhaber Josef Rayes den Skulpteur engagiert.
Nach Dom-KopieKölner Künstler formt neue Sandskulptur im Biergarten am Aachener Weiher

Josef Rayes (l.), der Betreiber des Biergartens und Yosef Bakir Sandkünstler vor der Flasche des Aachener Weihers.
Copyright: Lilli Schmittgall
Die Sonne knallt auf das Gesicht, ein kühler Wind weht durch die Haare, mit den Füßen im Sand lauscht man dem Plätschern des Wassers. Es klingt nach einem traumhaften Strandurlaub an der Nordsee, doch das ist aktuell die Atmosphäre im Biergarten am Aachener Weiher. Der Sandskulpteur Yosef Bakir hat kurzerhand einen Teil des Außenbereichs der Gastronomie in einen Sandkasten verwandelt. Noch zu sehen ist eine Bierflasche aus Sand der fiktiven Marke „Aachener Weiher“.
Schon im Januar hatte Bakir eine Skulptur passend zu Köln gebaut: Über zwei Wochen er eine Nachbildung des Kölner Doms im Einkaufszentrum „Quincy“ erschaffen, wir berichteten.

Josef Rayes, der Betreiber des Biergartens und Yosef Bakir Sandkünstler vor der Flasche des Aachener Weihers
Copyright: Yosef Bakir
Eigentlich hatte Bakir für eine Veranstaltung am vergangenen Sonntag drei Sandsäulen geformt, die Ramazzotti-, Malibu- und Havana-Club-Getränke darstellten.
Die Mischung machts
Insgesamt fünf Tage arbeitete der gebürtige Syrer an dem Projekt. Mit sechs Helfern, verwertete er dabei mehr als zehn Tonnen Sand. „Der Sand ist kein Spiel“, erzählt der Künstler, „ein falscher Schnitt und alles kann kaputtgehen.“ Um das möglichst zu vermeiden, verdichtet er den Sand zunächst. Dabei stapelt er Holzkisten ohne Boden und Deckel, sogenannte Mallen, bis auf die gewünschte Höhe übereinander, und befüllt sie anschließend schichtweise mit befeuchtetem Sand. Dazwischen presst er immer wieder den Sand zusammen, um ihn zu festigen. Die Struktur des Sandes muss dabei fein, aber kantig sein, sagt der Experte. Besonders eignet sich laut Bakir dafür der Sand aus Flüssen.
Dann bearbeitet der studierte Bildhauer den gepressten Sand von oben nach unten in Abschnitten von jeweils zehn bis 15 Zentimetern. Spannend bleibt es bis zum Schluss, Bakir sagt: „Die ganze Arbeit hängt von der letzten Malle ab.“ Das Risiko, dass das Werk beim Entfernen der letzten Stützen einbricht, bestünde immer.
Kunst passend zur WM
Die drei Getränkeflaschen sind in dem Biergarten mittlerweile nicht mehr zu sehen, wohl aber die Bierflasche zu Ehren des Aachener Weihers. Yosef Bakir baute sie innerhalb eines Tages – denn Josef Rayes, der Inhaber des Biergartens, zeigte sich begeistert von den Skulpturen. Rayes sagte am Dienstag: „Das ist Kultur und das will man unterstützen.“

Etwa zwei Stunden braucht der Sandkünstler allein für den „Ramazzotti“ Schriftzug.
Copyright: Lilli Schmittgall
Auch diese Flasche, extra für den Biergarten entworfen, soll nicht das letzte Werk aus Sand am Aachener Weiher bleiben, denn Rayes und Bakir haben noch größere Pläne. Der Biergarten ist bekannt für sein Public-Viewing und zur diesjährigen Fußball-Weltmeisterschaft planen die beiden, Sandsäulen passend zu den Austragungsländern Kanada, Mexiko und den USA auf der Terrasse zu erschaffen. Der Skulpturenbauer würde am liebsten noch weitergehen: „Wie wäre es mit Beckenbauer?“, fragte er. Rayes zeigte sich nicht abgeneigt. „Seine Fantasie, sein Können – die Ideen bringt der Künstler“, sagte der Gastronom.
Seit 28 Jahren arbeitet Yosef Bakir als Sandkünstler und er sagt, das habe ihn schon viel in der Welt umherkommen lassen. Obwohl er in Köln lebt und hier sein Atelier sitzt, seien die Skulpturen im Biergarten erst sein zweites großes Projekt in der Stadt.


