Die ausgewählte Fläche zwischen Perlengraben und Wilhelm-Hoßdorf-Straße befindet sich 1,2 Kilometer vom Drogenhotspot entfernt.
Radius ausgeweitetStadt Köln suchte Standort für Suchthilfezentrum weiter entfernt vom Neumarkt

Eine Polizeikontrolle am Drogenhotspot Neumarkt in der Kölner Innenstadt
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Der von der Stadt Köln ausgewählte Standort für das geplante Suchthilfezentrum für schwerst drogenabhängige Menschen in der Kölner Innenstadt hat in den vergangenen Monaten für eine Kontroverse gesorgt. Die Einrichtung soll zwischen dem Perlengraben und der Wilhelm-Hoßdorf-Straße in einem Wohngebiet entstehen – laut der Stadtverwaltung soll ausschließlich diese eine Fläche geeignet sein.
Die Stadt hat während ihrer Suche offenbar ihren Radius geändert, was Einfluss auf die Entscheidung hatte.
Geplanter Standort ist 1,2 Kilometer vom Neumarkt entfernt
Anfang Oktober 2025 hieß es in einem verwaltungsinternen Schreiben vom Gesundheitsamt an die städtische Gebäudewirtschaft, das neue Suchthilfezentrum solle maximal einen Kilometer vom Neumarkt entfernt sein. Bereits wenige Wochen später hielt das Gesundheitsamt nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ hingegen schriftlich fest, dass die Einrichtung zwischen einem Kilometer und 1,5 Kilometern vom Neumarkt entfernt sein sollte. In einem weiteren Dokument des Gesundheitsamtes vom 24. Oktober 2025 heißt es: „Der neue Standort soll sich weiter weg vom Neumarkt befinden als zunächst geplant.“
Die Stadt bestätigte am Freitag auf Anfrage, den Suchradius im Oktober geändert zu haben. Das sei „auch unter dem Gesichtspunkt eines weiteren perspektivischen linksrheinischen Suchthilfezentrums“ geschehen. Aufgrund der Erkenntnisse aus einem Austausch mit Kollegen aus Zürich und der Prüfung von fußläufigen Wegen sei die Entfernung anschließend auf rund einen Kilometer für die Verlagerung des Drogenkonsumraums vom Neumarkt eingeschränkt worden. „Abgesehen davon wurde auch im Radius von 1,5 Kilometer kein weiterer geeigneter Standort unter den Prüfkriterien gefunden“, teilte eine Stadtsprecherin mit. Die Wilhelm-Hoßdorf-Straße befindet sich allerdings laut Googlemaps zu Fuß 1,2 Kilometer vom Neumarkt entfernt – und liegt somit nicht innerhalb des Ein-Kilometer-Umkreises.
Drogenkonsumraum am Kölner Neumarkt hätte erweitert werden können
Und der veränderte Radius hatte offenbar unmittelbare Auswirkungen auf die Prüfung anderer Standorte: Sowohl der Josef-Haubrich-Hof als auch der östliche Bereich des Neumarkts fielen verwaltungsintern unter anderem mit dieser Begründung in die Kategorie „nicht geeignet“. Die Überlegungen für die Ostseite des Neumarkts waren dem Vernehmen nach bereits fortgeschritten. Die Stadt hätte dort den vorhandenen Drogenkonsumraum im Gesundheitsamt zumindest interimsmäßig um Räume ergänzt, in denen sich die suchtkranken Menschen aufhalten, ausruhen und von Sozialarbeitern beraten lassen sollten.
Gesundheitsdezernent Harald Rau hatte in der Vergangenheit mehrmals betont, dass ein Suchthilfeangebot möglichst szenenah angesiedelt sein müsse. „Bei der Forderung eines weiter entfernten Drogenkonsumraums weise ich auf Erfahrungen hin, die mit einem Drogenkonsumraum in Deutz entstanden sind, der 2010 in Betrieb und bereits 2012 wegen mangelnder Auslastung wieder geschlossen wurde“, sagte Rau im Juli 2025 im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Ein solches Angebot entfalte nur dort seine Wirkung, wo es auch von den Suchtkranken angenommen werde.
Suchthilfezentrum: Stadt prüfte neben Perlengraben weitere Standort
Die Stadtverwaltung soll sich bereits im November 2025 auf den Standort Perlengraben/Wilhelm-Hoßdorf-Straße festgelegt haben. Nach eigenen Angaben prüfte sie zuvor im linksrheinischen Köln insgesamt 13 Standorte auf ihre Eignung. Hielt die Stadt die Liste lange Zeit und vor allem vor dem Planungsbeschluss im Stadtrat unter Verschluss, hat sie diese inzwischen auf ihrem Beteiligungsportal veröffentlicht. Ein Überblick:
Busbahnhof am Breslauer Platz
Als möglichen Standort untersuchte die Stadt Köln Räume in einem Hotel am Busbahnhof vor dem Kölner Hauptbahnhof. Die Idee wurde verworfen, weil es keine Außenfläche gab, die Räumlichkeiten zu klein waren, eine unmittelbare Nähe zum Hotel und Tourismus bestanden hätte. Der Platz wird in Zukunft außerdem durch die Baustelle für den Bau neuer S-Bahn-Gleise belegt sein.
Roncalliplatz/Ecke Wallrafplatz
Eine Immobilie in Toplage am Kölner Dom hat die Stadt verworfen, weil es dort ein hohes Tourismusaufkommen gibt und weil das Römisch-Germanische Museum und das Dom-Hotel sich in unmittelbarer Nachbarschaft befinden. Der Umbau des vorhandenen Gebäudes wäre zudem zu zeitaufwendig gewesen.

Die von der Stadt Köln geprüften Standorte für ein Suchthilfezentrum
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Cäcilienstraße/Nord-Süd-Fahrt
Ein flaches Gebäude auf der Ecke befindet sich in Privatbesitz, die Stadt Köln hätte es also mieten oder kaufen müssen. Überdies wäre ein Umbau notwendig gewesen. Beides hätte aus Sicht der Stadt zu viel Geld gekostet.
Leonard-Tietz-Straße
Die ehemalige Kaufhof-Zentrale war längere Zeit als Standort im Gespräch, die Politik hatte die von der Stadt Köln gemietete Immobilie ins Spiel gebracht. Der Vermieter schob dem einen Riegel vor. Hinzu kommt, dass der Innenhof für die Umbauarbeiten benötigt wird.
Josef-Haubrich-Hof
Die Fläche fiel zum einen aufgrund der Nähe zum Neumarkt weg, zum anderen ist die infrage kommende Fläche Platz durch die Baustelleneinrichtung für den Umbau der Stadtbibliothek belegt. Zudem gebe es angrenzend eine Wohnbebauung und Ladengeschäfte.
Östlicher Neumarkt
Als Gegenargument diente hier vor allem, dass der Standort vom Neumarkt entfernt sein sollte. Als weiteres Gegenargument nennt die Stadt, dass auf dem Platz regelmäßig Veranstaltungen stattfinden.
Am Aachener Weiher prüfte die Stadtverwaltung gleich zwei mögliche Standorte. Eine Grünfläche zwischen Richard-Wagner-Straße, Aachener Straße und Bahndamm verwarf die Verwaltung, weil es sich um ein Landschaftsschutzgebiet handelt und dort in Zukunft ein S-Bahnhof entstehen soll. Eine andere Fläche, die weiter südlich liegt, kam ebenfalls nicht zum Zuge, weil sie im Landschaftsschutzgebiet liegt.
Löwengasse
Auch an der Löwengasse prüfte die Verwaltung zwei mögliche Standorte. Ein Gebäude schräg gegenüber dem Friedrich-Wilhelm-Gymnasium und ein weiteres gegenüber der dort geplanten Interims-Feuerwache fielen weg, weil der Umbau laut der Stadt zu zeitaufwendig gewesen wäre.
Perlengraben
Neben dem letztendlich ausgewählten Spielplatz zwischen Perlengraben und Wilhelm-Hoßdorf-Straße nahm die Stadt auch eine weitere Immobilie am Perlengraben in den Blick. Die leer stehende Immobilie gegenüber dem Berufskolleg kam nicht zum Zuge, weil diese einem privaten Eigentümer gehört und erst gekauft und danach umgebaut oder sogar neu gebaut werden müsste. Außerdem befinden sich daneben zwei Hotels.
Bundesverwaltungsamt
In der Prüfung befand sich zusätzlich das Bundesverwaltungsamt in Riehl, das in einen Neubau in Riehl umziehen wird. Dort gab es aber keinen Außenbereich und den Umbau schätzte die Stadt als zu zeitaufwendig ein.
Dem Vernehmen nach sollen über die offiziell genannten Standorte hinaus auch ein Parkplatz unter der Severinsbrücke, eine Grünfläche an der Kirche St. Pantaleon, das ehemalige Sozialgericht in der Straße An den Dominikanern sowie eine Immobilie am Hansaring geprüft worden sein. Auch sie kamen nach Einschätzung der Stadt nicht infrage.

