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Schon gehört?Was Fahrgäste zur neuen Musik an KVB-Haltestellen sagen

4 min

An zwei Stationen testet die KVB atmosphärische Hintergrundmusik. Wie kommt das an?

Die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) wollen an zwei U-Bahnhaltestellen in der Innenstadt mit Musik unter anderem dafür sorgen, das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste zu verstärken – doch die instrumentale Musik ohne Stimme ist im wuseligen Alltag einer Haltestelle am Dienstagmorgen teilweise kaum zu hören.

Das ist auch der Eindruck von Celine Otten am zweiten Tag des vierwöchigen KVB-Pilotprojektes. Beim Betreten der Station am Rudolfplatz trägt sie noch Kopfhörer und muss auch nach dem Abnehmen genauer hinhören, um die Musik wahrzunehmen. Otten sagt: „Ich finde die Beschallung durchaus beruhigend und passend ausgewählt, auch wenn ich sie im ersten Moment nicht direkt mit Bahnhöfen assoziieren würde.“

Celine Otten an der KVB-Station Rudolfplatz.

Celine Otten an der KVB-Station Rudolfplatz.

Im vergangenen Jahr hatte die KVB angekündigt, Musik an zwei Haltestellen zu spielen, um zu testen, ob sich dies positiv auf die Aufenthaltsqualität und das Sicherheitsempfinden der Fahrgäste auswirkt. Am Montag startete das vierwöchige Projekt am Rudolfplatz und an der Venloer Straße (wir berichteten).

Musik rein instrumental

Die Stücke in den Haltestellen Venloer Straße/Gürtel und Rudolfplatz sind instrumental und repetitiv, sie erinnern an Hintergrundmusik von Entspannungs- oder Yogaübungen. Sie wechseln pro Stunde nur selten, das Genre der Musik bleibt das gleiche.

Wie sehr man die Musik hört, hängt vor allem vom Bahnverkehr und dem Standort ab. Fährt eine Bahn in die Haltestelle ein oder aus oder es gibt eine Lautsprecherdurchsage, pausiert die Musik. Doch auch wenn keine Bahn fährt und es keine Durchsage gibt, wirkt die Musik sehr leise.

Zwischen Rolltreppengeräuschen, einfahrenden Bahnen und Durchsagen vom anderen Bahnsteig oder Geräuschen von Fahrgästen wie Telefonaten oder Gesprächen ist sie kaum zu hören. Am Rudolfplatz zum Beispiel ist sie nur wahrnehmbar, wenn beide Bahnsteige frei und relativ leer sind.

Die meisten Fahrgäste bemerken die Musik erst, wenn man sie darauf anspricht und sie genauer darauf achten. Selbst dann ist es allerdings aufgrund der Hintergrundgeräusche teilweise schwierig, die Musik zu hören. Sichtbare Reaktionen der Fahrgäste gibt es an beiden Haltestellen kaum.

Ohnehin tragen viele der Leute Kopfhörer und hören eigene Musik, Hörbücher oder Podcasts, sie können die Musik an den Stationen also gar nicht wahrnehmen. Auch Telefonate, Gespräche mit Begleitpersonen oder der Fokus darauf, die nächste Bahn zu bekommen, sorgen dafür, dass große Reaktionen ausbleiben. Nur vereinzelt hört man einen verwunderten Kommentar.

Weniger Langeweile durch Beschallung

Wie genau die Musik auf Fahrgäste einwirken kann, erklärt Hauke Egermann, Professor für Systematische Musikwissenschaft an der Universität zu Köln. Egermann sagt: „Grundsätzlich halte ich es für sinnvoll, Musik im Hintergrund an Haltestellen zu spielen. Wir wissen aus der musikpsychologischen Forschung, dass diese Hintergrundmusik auf uns entspannend wirken kann und die Zeit vertreibt.“ Musik stimuliert das Gehirn, indem sie dafür sorgt, dass neue Informationen aufgenommen und verarbeitet werden. Durch die Gehirnaktivität vergeht die Zeit in der eigenen Wahrnehmung schneller und man langweilt sich weniger, auch an der KVB-Station.

Hauke Egermann, Professor für Systematische Musikwissenschaften an der Universität zu Köln.

Hauke Egermann ist Professor für Systematische Musikwissenschaften an der Universität zu Köln.

Laut seiner Aussage ist es aber problematisch, welche Sorte von Musik gespielt wird. „Wie wir wissen, haben wir ja alle einen unterschiedlichen Musikgeschmack: Was ich entspannend finde, ist für Sie vielleicht nicht entspannend. So muss man also versuchen, quasi einen gemeinsamen Nenner im Musikgeschmack zu finden. Auch frage ich mich, wie gut die Tonqualität über die Lautsprecher an den Haltestellen ist.“

Fahrgäste sind gespalten

Will man die Musik am besten hören, empfiehlt sich die Zwischenebene an der Haltestelle Venloer Str./Gürtel Richtung Ehrenfelder Gürtel und den Aufgängen zu den oberirdischen Bahnsteigen. Während die Musik unten am Bahnsteig, besonders Richtung Heliosstraße, kaum zu hören ist, ist sie in der Zwischenebene sehr präsent. Geht man die Treppen zur Zwischenebene herauf oder herunter, nimmt man die Beschallung dagegen deutlich wahr.

Frank Plöntzke an der KVB-Station Rudolfplatz.

Frank Plöntzke an der KVB-Station Rudolfplatz.

Frank Plöntzke hat von dem Projekt bereits gelesen und deshalb am Dienstag auf die Akustik am Rudolfplatz geachtet, um die Musik wahrzunehmen. Das Projekt an sich findet er positiv, die Musik empfindet er als beruhigend und nicht zu aufdringlich: „Es ist gut, dass die Musik rein instrumental ist.“ Zu einer entspannteren Atmosphäre an der Station könne die Musik sicherlich führen, beim Thema Sicherheit fragt er allerdings, „ob das mit Musik zu regeln ist“.

Andere Fahrgäste sind eher skeptisch. Das Projekt sei ein netter Versuch, lenke aber von den eigentlichen Themen rund um Sauberkeit und Sicherheit ab, sagt ein Fahrgast an der Venloer Straße, dem die Musik überhaupt nicht aufgefallen ist. Eine Frau am Rudolfplatz findet die Musik sogar störend, da sie zu sehr beschalle. Ein erhöhtes Sicherheitsgefühl empfinde sie nicht.