Der Angriff der britischen Royal Air Force im Jahr 1942 zerstörte mehr als 3000 Häuser in Köln und kostete 469 Menschen das Leben.
Köln früher und heuteAls der „1000-Bomber-Angriff“ große Teile von Köln zerstörte

Das Kaufhaus Cords (links) und der Schwerthof am Neumarkt nach dem „1000-Bomber-Angriff“ im Jahr 1942.
Copyright: Sammlung Bausmann
In der Nacht vom 30. auf den 31. Mai 1942 erlebte Köln eine neue Dimension an Kriegszerstörungen. Bombardierungen hatte es vorher schon gegeben, aber nichts war vergleichbar mit dem „1000-Bomber-Angriff“ der britischen „Royal Air Force“. Zwischen 0.47 Uhr und 3.10 Uhr ließ sie 20 Luftminen, 864 Sprengbomben, 110 000 Stabbrandbomben und 1044 Phosphorbrandbomben auf die Stadt herabfallen. Der Widerstandswille der Zivilbevölkerung sollte gebrochen werden, die „Operation Millennium“ war aber auch eine Reaktion auf deutsche Attacken auf englische Städte.
„Den Heimweg nehme ich über den Neumarkt“, schrieb „Kölner Stadt-Anzeiger“-Redakteur Heinz Pettenberg nach dem verheerenden Angriff in seine Kriegschronik: „Cords hat nunmehr seine Fassade, die seit dem 7./8. Juli 1941 notleidend war, eingebüßt. Dahinter wird der Neubau sichtbar, den man von innen heraus hochzuführen gedachte. Wie Waben stehen die Eisenbetonquadrate rauchgeschwärzt im hellen Licht.“
Mehr als 3000 Häuser in einer Nacht zerstört
Das Foto eines unbekannten Urhebers, das eine Leserin des „Kölner Stadt-Anzeiger“ bei einer Haushaltsauflösung gerettet hat, zeigt den Zustand des Textilkaufhauses von Gustav Cords am Tag nach dem 1000-Bomber-Angriff. Davor laufen Menschen herum, die erstaunlich gut gekleidet sind. Rechts neben dem Kaufhaus Cords macht der ebenfalls schwer beschädigte Schwerthof einen traurigen Eindruck. Den Rest des Neumarkts hat es nicht minder übel getroffen. Die Apostelnkirche ist eine Ruine. Das Gesundheitsamt und das Polizeipräsidium sind in den oberen Stockwerken ausgebrannt.
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Wo früher das Kaufhaus Cords stand, befindet sich heute die Neumarkt-Galerie mit übergroßer Eistüte von Claes Oldenburg. Der Schwerthof rechts daneben blieb erhalten.
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Insgesamt werden in Köln in dieser Nacht 3330 Häuser zerstört, 469 Menschen verlieren ihr Leben. „Alle bisherigen Angriffe, auch der vom 7./8. Juli, wirken wie eine Spielerei neben dem vollen Ernst dieses Mai-Tages“, schreibt Pettenberg in seine Chronik, die viel später als Buch veröffentlicht wird. Bekanntlich sollte der Zweite Weltkrieg noch weitaus größere Schrecken bereithalten. „Köln wird bis Ende des Krieges immer weiter dezimiert“, sagt der ehemalige Kölner Stadtkonservator Ulrich Krings. Die viertgrößte Stadt Deutschlands habe es auch deshalb übel getroffen, weil sie von England aus relativ gut erreichbar war.
Gestapo verfolgte private Fotografen
Private Fotografien von Kriegsbeschädigungen waren offiziell nicht verboten. Nur Aufnahmen von militärischen Anlagen oder Infrastruktur wie Häfen, Brücken oder Autobahnen konnten Strafen nach sich ziehen. Im Zuge von Ermittlungen gegen einen Fotografen, der nach dem 1000-Bomber-Angriff in Köln zerstörte Häuser fotografierte, stellte die Kölner Oberstaatsanwaltschaft sogar fest: „Das Fotografieren fliegergeschädigter Privathäuser ist nicht verboten.“ Trotzdem regierte unter privaten Fotografen die Angst.
„Hierbei spielte die Gestapo die entscheidende Rolle“, heißt es in einem Aufsatz von Thomas Deres zu einer Foto-Ausstellung des NS-Dokumentationszentrums 1995: Als „außernormative Gewalt“ habe sie auch ohne rechtliche Grundlagen Fotografen verfolgt. Faktisch habe in der Öffentlichkeit deshalb ein allgemeines Fotografierverbot gegolten. Viele Aufnahmen entstanden nur als Schnappschüsse und wurden anschließend versteckt.
Das 1912 fertiggestellte Kaufhaus Cords gehörte einst zum modernen, großstädtischen Gesicht, das Stadtbaurat Carl Rehorst nach der Jahrhundertwende der Stadt Köln verordnete. Das Büro- und Geschäftshaus Schwerthof gegenüber entstand Anfang der 1920er Jahre nach einem Entwurf von Jacob Koerfer. „Das ist ein sehr schöner, damals konservativer Bau, der sich in dieses Milieu einfügt“, so Ulrich Krings.
Der Schwerthof blieb erhalten, das Kaufhaus Cords nicht. In den 1950er Jahren entstand auf dem Grundstück ein Hertie-Kaufhaus, es folgte die heutige Neumarkt-Galerie. Dort, wo einst die Bomben einschlugen, scheint nun eine riesige Eistüte von Künstler Claes Oldenburg vom Himmel gefallen zu sein.

