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Es gab mal neunNur vier Kölner Schulschwimmbäder sind noch in Betrieb

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Das marode Lehrschwimmbecken an der Gemeinschaftsgrundschule Hohe Straße in Ensen.

Das Lehrschwimmbecken an der Gemeinschaftsgrundschule Hohe Straße in Ensen 

Sechzig Prozent der Kinder können nach ihrer Grundschulzeit nicht schwimmen. Fehlende Wasserfläche in Köln erschwert den Unterricht.

Fünf von neun Lehrschwimmbecken an Kölner Schulen sind aktuell geschlossen. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Kinder zu, die nicht schwimmen können. Laut dem Kreissportbund Düren, der einen mobilen Schwimmcontainer für Kölner Schüler betreibt, sind das zum Ende der Grundschulzeit 60 Prozent. In der vierten Klasse sind die Kinder in etwa zehn Jahre alt.

Die jüngste größere repräsentative Umfrage zum Schwimmen gab 2022 die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) bei Forsa in Auftrag. Sie kam zu dem Schluss, dass 20 Prozent der Kinder zwischen sechs und zehn Jahren nicht schwimmen können. Im Jahr 2017 waren es laut einer Vorgängerstudie nur halb so viele.

Die  Umfrage von Forsa zeigte, dass es stark vom sozialen Hintergrund der Kinder abhängt, ob sie schwimmen können oder nicht. Weil sich viele Eltern nicht selbst um einen Schwimmkurs für ihre Kinder bemühen, kommt dem Schwimmunterricht eine hohe Bedeutung zu.

Für den Schwimmunterricht der Kölner Schulen mangelt es an Wasserflächen

Der Schwimmunterricht der Kölner Schulen findet zumeist in den öffentlichen städtischen Bädern statt. Dort konkurrieren sie um Bahnzeiten mit den anderen Besuchern, den Vereinen und dem Leistungssport. Einige wenige Schulen haben auch ein eigenes Lehrschwimmbecken. Sie sind meist kleiner und flacher als die Becken der größeren Bäder und nicht für andere Besucher bestimmt, höchstens  für Vereine und Babyschwimmkurse.

In Betrieb sind allerdings nur noch vier: die Becken am Humboldt-Gymnasium am Kartäuserwall, in der Bickendorfer Gemeinschaftsgrundschule Erlenweg, in der Porzer Gemeinschaftsgrundschule Konrad-Adenauer-Straße und in der Pestalozzischule in Wahnheide. 

Die fünf weiteren, die es früher einmal gab, können derzeit nicht genutzt werden. Das geht aus einem Sachstandsbericht von Ende Februar hervor, den die FDP-/KSG-Fraktion des Rates angefragt hatte. Deren sportpolitischer Sprecher Ulrich Breite nannte die Quote ein „Armutszeugnis“ und sagte: „Es kann nicht sein, dass Kinder und Schulen jahrelang auf funktionierende Schwimmbäder warten müssen.“

Seit 2017 stillgelegt ist das Schwimmbad der ehemaligen Ernst-Simons-Realschule, deren Gebäude generalinstandgesetzt wird für die neue Lindenthaler Gesamtschule. Im Sachstandsbericht schreibt die Stadt: „Schwimmbadtechnik und Lüftungsanlage können nicht mehr instandgesetzt werden. Neue Technik passt nicht mehr in das vorhandene Gebäude.“

Fünf Lehrschwimmbecken in Köln sind nicht in Betrieb

„Stillgelegt“ ist auch das Becken des Montessori-Gymnasiums in der Rochusstraße nach dem Hochwasserschaden aus dem Juli 2021, das nicht neu errichtet wird. „Aus statischen Gründen gesperrt“ ist das Becken der Grundschule in Porz-Ensen seit 2019. Am nahegelegenen Neubau der Förderschule in der Berliner Straße ist aber ein neues Lehrschwimmbecken eingeplant. Die Fertigstellung ist bislang für 2028 geplant. Und Schulschwimmbad Nummer neun, das der Gemeinschaftshauptschule Tiefentalstraße in Mülheim, soll voraussichtlich ab dem kommenden Schuljahr nach einer Sanierung wieder in Betrieb gehen.

In Köln sind nicht nur viele Lehrschwimmbecken marode. Auch die öffentlichen Bäder der Stadt müssen saniert werden, wir berichteten. Zuletzt ist mit dem Agrippabad in der Kölner Innenstadt auch noch das meistbesuchte Bad der Stadt weggefallen.

Köln hofft nun, von Fördergeld des Bundes zu profitieren, das er für die Sanierung kommunaler Bäder bereitstellt. Bundesweit stehen dafür 250 Millionen Euro zur Verfügung. Eine Sprecherin der Stadt Köln teilte mit: „Ob Fördermittel über das in der Anfrage angesprochene Förderprogramm ‚Sanierung kommunaler Sportstätten – Schwimmbäder‘ auch für Sanierungsbedarfe von kommunalen Lehrschwimmbecken abgerufen werden können, ist derzeit zu prüfen.“

Kölner Grundschulkinder lernen in Container schwimmen

Abhilfe soll derweil ein mobiler Schwimmcontainer schaffen, der den Namen „Mobi“ trägt, mit einem drei mal 13 Meter großen Becken. Es soll im Turnus von maximal drei Monaten von einer Grundschule in Köln und auch Bonn zur nächsten wandern. Das Schulamt nennt dem Kreissportbund Düren, der „Mobi“ mit Mitteln des Fördervereins der Sparkasse Köln-Bonn betreibt, die Schulen, an denen der Bedarf am höchsten ist.

Der Container stand zunächst an der Katholischen Grundschule Mengenicher Straße in Bocklemünd, seit Februar befindet er sich auf dem Schulhof der Grundschule An Sankt Theresia in Buchheim. Der Schwimmcontainer für Köln und Bonn ist Teil der „Schwimmoffensive NRW“. Die Landesregierung verfolgt damit das Ziel, dass alle Kinder zum Ende ihrer Grundschulzeit schwimmen können sollen.